Nassauische
Allgemeine Zeitung.
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s â 189» Saindtag den 2L Oktober IS^S»
■r 1 Die Nâss. Og? Zeitung mit ihrem belletrististh^t Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige PMumerationSp^is ist in Meshahen «
-> Istt den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherjogthumS und KurfürstenthumS Hessen, der Landgraffchaft Hessen-Homburg und der freien Stadt
, ., in den «vrigen Vandern des fürstlich Dhurn- und jèlKiheile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe ^lzjrtS bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
i I u e b e r si ch t.
Mi Wer ist ein Dolksmann? t< I Eie Zehntfrage abermals.
,l teutsch land. Frankfurt (Reichstag. Die Oberpostamts-Zeitung als ; i Ministerialblatt). — München (Erzherzogin Sophie. Unruhen). — I Berlin (Prinz Adalbert. Die ReichSgefehe. Wiederhergestellte Ruhe), sist - Prag (Empfang des Kaisers in Ollmütz. Windifchgrâz). — Wien Wand der Stadt. Die Gefallenen. Noch immer Schwanken der AuS- j Dän auf eine kriegerische Entscheidung und Hoffnung auf friedlichen Abgleich).
' Warn. Pesth (Die Niederlage deS General Rott bestätigt).
H * Wer ist ein Volksmanu?
M Wer ist ein Volksmann?
M Wer einen Sr«wall anzettelt und dann das Volk auf die Mche schickt, damit es sich statt seiner einen Buckel voll Wege hole.
1 Wer in Frankfurt Barrikaden baut, aber so wie die ersten MVm zu pfeifen beginnen, nach Hanau eilen muß, um „Zu- Ä in holen."
3 Wer dem Volke weiß macht, daß es nur dann zu Reich- «M komme, wenn es die „Kapitalisten" fortjage, wobei er m 'kju erwähnen vergißt, daß die Kapitalisten neben Anderem „ Mihlich auch ihr Kapital mitnehmen werden.
Wer die Republik als denjenigen Staat definirt, in wel- ie »keine Steuern erhoben werden.
z Wer der Dummheit und Faulheit eine Hekatombe opfert, ni â n das Genie für ein abscheuliches Privilegium und Fleiß i 6 Geschick für einen höchst unzeitgemäßen Äristokratismuö ( killet hält.
Wer glaubt, die Preßfreiheit bestehe darin, daß man allc- wo man vor den Mürz tagen „bei Gott" gesetzt hätte, i Mol’ mich der Teufel" schreiben müsse.
i Wer vor dem Gedanken wie vor dem Worte „Rückschritt" i * Eifler Scheu zurückbebt und ein Kreuz schlägt. Und das Denn, wenn er jetzt zurückschritte zu dem, was er letzten Abende vor dem Ausbruche der Revolution ! Ä dann käme ver nuthlich eine politische „Gesinnung" von einem Kaliber, daß ihn die Gänse darob beißen -Wer tagtäglich über Verschwendung aus dem Staatsbeutel ■ Wb von der Erleichterung der Volkslasten redet, sobald aber auf Rechnung seines eigenen Beutels dem Deutel etwas zu Gute kommen lassen will (z. B. wenn fragt, ob solchen Staatsbienern, die bis zu 4000 fl. ?^ziehen, die Landtagsdiäten verkürzt werden sollen), L Verfahren als höchst reaktionär, jedenfalls als Einfüh- |Y’eë „Zensus" verdammt.
L ba6 Volk als die Marionette seines Ehrgeizes an L 'sichtbaren magischen Drahte, „Volkssouveränetät" ge- er ^n unb Komödie spielen läßt.
^^ wunderbarer Mikrokosmos sein eigenes Ich stets ^°^e itendifizirt. Denn ob er's gleich als Fbi/. -^ des Absolutismus verfehmt, daß ein König chZuu der Staat," so hält er es doch keines- ^bjolutifltsch, behufs der Ertrotzung eines beliebigen Mk" ^ lW d^rch^hm Sinn fährt, zu sagen: „ich bin
,/v„ __________o,y_____ev * ji« i le— ^njera .................Ir_.o. in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus-
Wer daS souveräne Volk einen Esel schimpft, indem er behauptet, daß es durch die Wahl des deutschen Reichstags, wie er eben ist, einen höchst dummen Streich gemacht habe, und dagegen dem „mündigen" Volk einen Vormund setzen zu müssen glaubt, indem er die Linken aus allen Landtagen von Frankfurt bis Krähwinkel zusammenruft zu einem Gegenpar- lament in Berlin.
Wer jeden Augenblick ausdrücklich versichert, daß seine Politik auf revolutionärem Boden stehe, und nicht ohne Noth, denn man würde sonst glauben, diese Politik sey in der That ganz bodenlos — gescheidt nämlich.
Wer das Volk in umgekehrter Weise behandelt, wie wei- Imib die Fürsten den deutschen Michel. Dieselben trieben ihn nämlich mit Bitten und Flehen an, daß er den deutschen Reichskarren, der in tiefen Morast versunken war, wieder herausschob. Als selbiger aber wieder auf fahrbaren Weg gebracht war, da wollten sie von Michel nichts weiter wissen; denn sie fürchteten sich vor ihm. So treiben die Volkömänner den deutschen Michel mit Bitten und Flehen an, daß er denReichs- karren immer tiefer hineinzieht in den Morast. Und wenn er am tiefsten drein stecket, dann werden auch sie nichts mehr wissen wollen von dem armen, in'S Elend gezogenen Volk, und gluthheiße Angst wird sie überlaufen, denn der deutsche Michel wird zum Erzengel Michael geworden seyn mit dem feuerflam- menden Schwerte.
^ Die Zehntfrage abermals.
Bekanntlich hat die Regierung in den jüngsten Tagen der Ständeversammlung eine ausführliche Mittheilung über die Folgen der von der Letzteren gefaßten Beschlüsse hinsichtlich des Zehntens für unsere Finanzlage gemacht.
Wir wollen, da es sich um eine Lebensfrage für unsere Eristenz als Staat handelt, den Inhalt der erwähnten, wie sich wohl von selbst versteht, auf aktenmäßiger Berechnung beruhenden Mittheilung hier kurz wiedergeben.
Das gesammte Zehntablösungskapital des Staates beträgt nach dem Maßstabe, der den bereits abgeschlossenen Verträgen zu Grunde liegt . . . . . 7,210,312 fl. 13'/« kr.
Hiervon würden nach dem Regie
run g s vorschlage 1,585,042 fl. 58% kr. u. als Vergütung f. bereits abgelöste
Zehnten an Pfar
reien, Privaten w. 522,327 fl. 7 kr.
im Ganzen also ....... 2,107,370 fl. 5h, kr.
erlassen worden seyn, wonach also noch , , J- / '_______________
ein Zehntkapital von ...... 5,102,942 fl. 7% kr. der Staatskasse verbliebe.
Nach den Beschlüssen der Stände-
Versammlung aber würde jener
Nachlaß. ........... 2,991,360 fl. 22 kr.
und die an Privatberechtigten aus der
Staatskasse zu leistende Vergütung. . 1,405,535 fl. 8 kr.
der Verlust der Staatskasse im
Ganzen also ......... 4,396,895 fl. 30 kr.
mithin um 2,289,525 fl. 24 kr. mehr als nach dem Regie- rungsvorschlaqe betragen. £
Nach den Beschlüssen der Ständeversammlung blie-