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rechne es mir zur Ehre, den ersten Schritt zur Aussöhnung gethan zu haben. Diejenigen, die sie bekämpfen, könnten viel­leicht zu meinem Bedauern der Republik schlechtere Dienste erweisen, als sie zu leisten berufen sind.

Diese Schlußdrohung ruft Sturm zur Linken hervor.

Portalis auf der Bühne. General Cavaignac hat gesagt, daß er früher Männer brauchte, um die Hand an gewisse Freiheit zu legen; ich hoffe, daß ihm die abgedankten Minister antworten werden. Ich trete ihnen das Wort ab. Nach einer Beleuchtung über die Natur der Ministeränderung und das Durriensche Votum besteigt Senard die Bühne. Er hält einen langen Vortrag, aus dem wir vorzüglich Einen Punkt hervorheben, daß nämlich Cavaignac im Schooße des Minister­rathes' ganz andere Ansichten über die Wahl des Präsidenten der Republik vertheidigt habe, als in der Nationalversammlung. Im Ministerrathe habe er für Erwählung durch die National­versammlung und in öffentlicher Sitzung für Wahl durchs Volk gestimmt. Daher das Zerwürfniß. Diese Anklage ruft Cavaignac wiederholt auf die Bühne, um sich zu vertheidigen. Ledru Rollin nimmt dann bas Wort, um in einer feurigen und zornigen Rede die Politik des Vollziehungs-Chefs anzu­greifen. Bedeau, Martin (Straßburg) und Taschereau nehmen Theil an der Debatte.

Die Rede Senards bildet den eigentlichen Brennpunkt der Debatte. Senard hatte alle Hand dazu, das ganze haltlose und unschlüssige Benehmen Cavaignac's aufgedeckt und den Schleier ziemlich klar von gewissen Kabinetsberathungen geho­ben. Ledru Rollin konnte sich dagegen nur an das Programm klammern, das er natürlich nur als gewöhnliche Phrase und Gemeinplätze erklärte. Taschereau, der nicht selten mit bißigen Aeußerungen herumwirft, wurde dafür zur Ordnung gerufen.

Bedeau unterstützte das Programm und dürfte als eine mächtige Hilfe des Kabinets zu betrachten seyn. Der General betrachtet sich offenbar schon als Minister des Auswärtigen.

Ducour, der Pariser Erpräfekt, gab der Debatte wieder einige Würze, Er gab einige Aufschlüsse über seine Theilnahme an der Regierungsänderung. Diese Aufschlüsse wurden von der Majorität sehr übel ausgenommen. Er sagte unter An­derem, daß er sich von der Regierung getrennt habe, weil er gesehen, daß sie sich von der Republik getrennt habe (Tumult. Von allen Seiten, namentlich rechts, schreit man: Nein! Nein !) Ducour vertheidigt sich gegen die Anschuldigung aufrührerischer Grundsätze. Er spricht heftig gegen den Kommunismus oder vielmehr gegen jene egyptische Finsterniß, die man im gewöhn­lichen Familienleben Kommunismus nennt. Am geistreichsten war er, als er die jüngste Ministeränderung eine ministerielle Heirat!) nannte und ausrief: der Konseilpräsident liebe die ero­tischen Heirathen! Man habe um die Ernennung gewürfelt, der Zufall sey die Gebärmutter dieses ministeriellen Kindes, dasselbe sey schwächlich und werde schwerlich alt werden. Die­ser Humor gefiel wenig.

Dufaure nahm nun das Wort, um seine eigentliche Ministerrede zu halten. Er erzählt, wie er in's Ministerium getreten, und lobt seinen Vorgänger Senard. Er fürchtet keine persönlichen Angriffe, seine Hingebung für die Republik wird ihn schützen. Ihm zu Folge ist die Republik die Herrschaft der Majorität. In dieser Thesis riß er die Rechte zu unbeschreib­lichem Beifalle hin. Schließlich verspricht er, nun an dem Programm, das einige Vorredner mit Unrecht der Hohlheit angeklagt hätten, zu hängen und dasselbe auszuführen. Ueb- rigens sey das neue Ministerium nur für einige Wochen be­stimmt, bis zur Ernennung des Präsidenten.

Nach dieser Rede schreitet die Versammlung zur Abstim­mung. Von 820 bis 830 Anwesenden stimmten nur 725. Da­von stimmten 570 für und 155 gegen das Ministerium. Ca­vaignac's Herrschaft ist somit für einige Wochen noch befestigt. Diè Versammlung geht um 6 Uhr auseinander.

Paris, 17. Oktbr. Für diejenigen Zeitungsleser, die zwischen die Zeilen zu lesen verstehen, war es längst kein Ge­heimniß mehr, daß sich Cavaignac zum Präsident und Marrast zum Vizepräsident der Republik für die nächsten vier Jahre auserkoren haben.

Die ungeheure Majorität zu Gunsten der neuen Minister von gestern Abend droht nun plötzlich diesen schönen Plan zu zerstören. Marrast und seine Partei liegen zu Bodsn hörte man schon gestern Abend ausrufen und man war auf den National" >ehr gespannt. Er ist erschienen und kriecht folgendermaßen zu Kreuze:

Wir haben stets gedacht sagt er daß, sey erst die erste Aufwallung vorüber, das natürliche Gleichgewicht wieder

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag

Platz greifen und sich die Regierung als nothwendige Folge des allgemeinen Stimmrechts gegen den Eifer, das Talent, die Erfahrung und die Hingebung für die Republik im Wettkampfe stellen werde. Diejenigen, soll heißen Wir (die National­garde), welche unter der Monarchie nicht ohne Ehre und Ruhm die Rolle durchführten, die Republik vorausgesehen, gewünscht und vorbereitet zu haben, machen auf keine andere Ehre, aus keinen andern Ruhm Anspruch, als der Republik zu dienen und zwar auf der Stufe, so niedrig sie auch sey, die ihnen die öffentliche Meinung anweist. Sie sind die Ersten, selbst die gefürchtetsten Mitbewerber (Thiers, Mole? 2C.) rücksichtlich ihres Talents, ihrer Aufrichtigkeit und ihrer Aufklärung, un­ter die republikanische Fahne zu rufen, denn sie haben mehr ihren Grundsatz, als ihre Personen im Auge. Urheber der Revolution, beanspruchen sie keineswegs ihr Monopol. Die Aussöhnung liegt also nicht nur in un,erem Wunsch, sondern in der Nothwendigkeit selbst."

Heute Nachmittag 2 Uhr findet an der Barriere Poisson- niere ein sozialistisch-kommunistisches Bankett von zweitausend Gedecken statt. Ledru-Rollin, Proudhon und Lamennais führen den Vorsitz.

Diesen Morgen verbreitete sich im Operngange das Ge­rücht, mehrere sardinische Korps hätten den Ticinofluß über­schritten und die Feindseligkeiten gegen Radetzky begonnen.

Die Reforme theilt gleichzeitig ein an die Fürstin Bel- giojoso aus Turin vom 12. gerichtetes Schreiben mit, das diesen Bruch des Waffenstillstandes bestätigt oder wenigstens wahrscheinlich macht. Die Nachrichten aus Wien haben in der ganzen Lombardei eine Agitation veranlaßt. Karl Albert würde sich indessen irren, wenn er diese Volksstimmung zum zweiten Male auszubeuten gedächte setzt die Reform hinzu.

Im Ministerium des Auswärtigen sind einige sehr ernste Klagen gegen die Härte der russischen Gränzämter eingelm- fen. Französische Bürger, die in Geschäften über zum Vergnü­gen reisten, haben sich über die Unverschämtheiten und Maß­regeln beschwert, die ihnen, obwohl mit geregelten Pässen versehen, an den russischen Gränzen widerfuhren. ES scheint, daß die Pässe jetzt eine außerordentliche Ermächtigungsformel von den hiesigen russischen Geschäftskonsuln tragen sollen; ein blosses Visum ist nicht mehr hinreichend. General Leflo thäte gut, seine günstige Aufnahme beim Kaiser Nikolaus zu baldi­ger Abhilfe dieses Paßunfuges zu benützen.

Im Theater fran?ais gab's gestern eine kleine Emeâ Die Familie Felir, die dort seit der Rachel wie Farrenkrâ wuchert, hat sich gegen den neuen Kommissarius Seveste, den Senard auf Blau c's Antrag an L o k r o y's Stelle setzte, empört und der große Kulissenkamps hat mit dem Rückzüge der Fräul. Rachel (dessen neuester Ehemann der Sohn des Generals Bertrand ist) geendet. Rachel wird nach Peters­burg wandern; eine furchtbare Verschwörung ist unter allen Löwen und Löwinnen des Boulevard de Gand gegen diese Strenge der Kommissarien der Republik ihrem Ausbruche nahe.

Die Resorme sagt vom gestrigen Votum:Bald wer­den wir Hrn. Thiers am Staatsruder haben und dabei wird man nicht stillstehen."

Wie es heißt, wird uns der Moniteur alsbald mit einer A m n e st i e überraschen.

Sch w e i z.

Den 14. Oktober erhielt der eidgenössische Vorort Bern die offizielle Anzeige, daß der Feldmarschall Radetzky alle seine gegen den Kanton Tessin angeführten Maßregeln aufgehoben hat und der Verkehr wieder wie früher hergestellt ist. Der Feldmarschall hat die eidg. Repräsentanten' eingeladen, ihm einen Besuch in seinem Hauptquartier zu Mailand zu machen.

Den 6. Oktober hat sich der französische Konsul in Mai­land, auf Befehl des Herrn Bois-le-Comte, französischen Bevollmächtigten in Turin, zum Marschall Radetzky begeben, um ihn zu fragen, ob er einen Mißstand darin erblicke, daß Rom als Konferenzort für die italienischen Angelegenheiten gewählt würde.

Die französische Alpenarmee bewerkstelligt eine rückgängige Bewegung, um ihre Winterquartiere zu beziehen. Man kün­digt an, daß ungefähr 6000 Mann in das Dromedeparte- ment kommen und auf verschiedene Punkte vertheilt wer­den sollen. ___

Für die Abgebrannten zu Caub sind ferner eingegangen: Von Fräulein von C. ein Paket Kleidungsstücke.

Die Exped, der Nass. Allg. Ztg. __

der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.