rücksichtigen werden, damit sie nicht, wie bei dem bewußten v. Schütz'schen Anträge, den Schein der Selbstsucht auf sich ziehen.
Mainz, 17. Okt. (Rh. Z.) Während der hiesige konstitutionelle Bürgerverein gestern Abend Sitzung hielt, widerhallte die Straße, wo das Lokal derselben liegt, mehrmals von entsetzlichem Lärm und man war auf eine Katzenmusik gefaßt. Doch die Demonstration sollte handgreiflicher werden. Es flogen Steine nach dem Lokal, und einer derselben zertrümmerte Fensterladen und Fensterscheiben. Die Vereinsmitglieder antworteten mit einem lauten, den „Bürgern" - Fenstereinwerfern gewiß vernehmlichen Bravo! und es war Keiner unter den Versammelten, der, durch das treffliche Argument belehrt, in seinen Ansichten eine Aenderung hätte eintreten lassen.
Ende September bestand die verfassunggebende deutsche Nationalversammlung in Frankfurt a. M. aus 559 legitimir- ten Mitgliedern, worunter 193 (statt der Normalzahl von 203) aus Preußen, 116 (statt 190) aus Oesterreich, 71 aus Bayern, 28 aus Württemberg, 25 aus Hannover, 22 aus Sachsen, 22 aus den drei Hessen, 17 aus Baden, 11 aus Holstein und Schleswig, 10 aus den sächsischen Herzogthümern, 9 aus beiden Mecklenburg, 6 aus Nassau, 6 aus den freien Städten, 5 aus Luxemburg und Limburg, 5 aus Oldenburg, 4 aus Braunschweig, 9 aus den kleineren Staaten. Abwesend waren am 9. Oktober 169 Mitglieder, fast ein Drittel der Gesammt- zahl, worunter 65 mit Entschuldigung und 104 ohne Erlaubniß.
Kreuznach, 16. Oktbr. (NH. Z.) Gestern erhielten wir durch die bereits hier eingetroffenen Quartiermacher die Anzeige, daß in wenigen Tagen 10,000 Mann preußischer Truppen hier eintreffcn würden, um in unserer Umgebung Lager zu beziehen.
Die Zustände im Großherzogthum Baden sind jetzt, wie verlautet, für so weit beruhigend erachtet worden, daß man eine ansehnliche Verringerung der in letzterer Zeit dort kon- zentrirten Reichstruppen eintreten lassen zu können glaubt. Von Seiten der schweizerischen Eidgenossenschaft wie auch von Seiten der französischen Regierung sind bezüglich geeigneter Ueberwachung der politischen Flüchtlinge nunmehr solche Zusicherungen ertheilt worden, daß eine neue Invasion wohl nicht mehr zu besorgen seyn wird, wenn die zugesagten Maßnahmen eingehalten werden, woran man bei dem guten Willen, welchen die Regierungen beiddr Nachbarstaaten bei diesem Anlaß an den Tag zu legen nicht gesäumt haben, nicht zweifeln kann. Im badischen Oberlands wird indeß noch längere Zeit eine gewisse Truppenmacht versammelt bleiben, um inneren Störungen der Ruhe, die sonst von Anhängern der rothen Republik vielleicht wieder gewagt werden könnten, vorzubeugen; doch würden die Truppen, wie es heißt, lediglich in die Städte verlegt werden, um die Landgemeinden zu schonen, welche durch den Struve'schen Freischaarenzug unendlich gelitten haben.
Berlin, 15. Oktbr. (K. Z.) Bei der heute im Schlosse Bellevue stattgehabten Gratulations-Cour sprach der König, wie ich so eben von einem Ohrenzeugen vernehme, zur Deputation der Nationalversammlung unter Anderm folgende Worte: „Wir sind im Begriffe, einen Bau aufzuführen, welcher Jahrhunderte währen soll. Aber, meine Herren, ich mache Sie auf Ein's aufmerksam. Wir besitzen, und wir werden darum wohl von vielen Seiten beneidet, noch eine angestammte Obrigkeit von Gottes Gnaden (diese Worte sprach der König scharf markirt) welche noch mit voller Macht ausgestattet ist. Sie ist das Fundament, auf welchem einzig und allein jenes Gebäude aufgeführt werden kann, wenn es von Dauer seyn soll, wie ich oben erwähnte." Am Schlüsse äußerte der König noch: „Meine Herren, ich bin sehr erfreut, Sie hier gesehen zu haben. Es thut gut, sich von Zeit zu Zeit zu sehen." Der Empfang war übrigens sehr leutselig und der König besonders ge^en das Ende der Cour durchaus heiter und liebenswürdig. Die Deputation der Nationalversammlung wurde vom Könige zuerst empfangen.
Hamburg, 14. Okt. (O.-P.-A.-Z.) Deutschland feierte heute einen großen Tag. Das alte deutsche Reich, unbekannt geworden zur See, hat von heute an eine Flotte. Wir begrüßen sie als Zeichen seiner kräftigen Verjüngung. Eine Fregatte, eine Korvette, ein Kanonenboot und drei Dampfer, von dem Hamburger Marineausschuß angekauft, zu dessen Mitteln indeß bekanntlich der Bundestag eine halbe Million beigesteuert, sind heute von den beiden Reichskommissären feierlich für die deutsche Zentralgewalt übernommen worden. Unsere junge Marine wird wachsen und erstarken und hoffentlich erleben wir bald die Zeit, da ein Staat wie Dänemark unsere Häfen nicht
mehr mit ein paar Schiffen Motiven kann. — Sogleich nach geschehener Uebernahme sind die Herren Kommisiäre auf dem Reichsdampfer „Lübeck" nach Bremen gefahren, um daselbst den Kommandanten der amerikanischen Fregatte „St. Lawrence" zu begrüßen.
Königsberg, 12. Oktober. Auch Dr. Rupp ist an der Cholera gestorben; seine Gemeinde wird sich nach seinem Tode schwerlich lange das Leben fristen.
Wien. Rußland hat hier auf die schlaueste Weise intri- guirt, um die Gesandten zur augenblicklichen Abreise zu vermögen, was aber an der Ruhe dès britischen Gesandten und dem klaren Sinne einiger deutschen Männer abprallte. — Graf Med am ist bereits auf und davon, nachdem er alle Papiere der Gesandtschaft verbrannt. Sein alter ego, Monsieur Fonton, ist, da ein letzter Sturm auf die Gesandten auch heute vergeblich war, seinem Herrn gefolgt. Sie sehen, wie gerne Rußland einen Eklat, der ein ungesetzmäßiges Vorgehen voraussetzt, auf Wien zu werfen beabsichtigte, und ziehen sich selbst die Konsequenzen daraus.
Die Gesandten in corpore sind übereingekommen, daß nur zwei Dinge sie bestimmen werden, Wien zu verlassen: 1) der ausgesprochene und bestimmte Ruf des Kaisers an sein Hoflager, 2) irgend ein ungesetzlicher Vorgang, wo die gesetzliche Regierung nicht mehr möglich oder geändert werden sollte.
Von Prag vernimmt man die Nachricht, daß sich die Cze- chen mit den Deutschen vereinigt hätten, um mit Windischgrätz sich zu verbinden, und mit ihm vereinigt die Wiener zu Paaren zu treiben.
Innsbruck, 12. Okt. (Volksbl. f. Tyrol.) Der ständische Ausschuß in Innsbruck und das Gubernium haben im Einverständnisse mit allen Aemtern und dem Magistrate beschlossen, weder Kommissäre noch Beschlüsse vom Reichstage anzu nehmen, wenn sie nicht vom Kaiser ihre Beglaubigung und Bestätigung erhalten. — Der „Tyroler Bote" v. 12. Okt. sagt: „Eben vernehmen wir, daß die Garnison vonSalz-^ bürg Befehl erhalten habe, in der Richtung gegen Linz ab- zumarschiren."
Rußland.
Von der russisch-polnischen Gränze, 29. Sept. Peterè-s burger Briefe besagen, daß man neuerdings dem österreichischen, Kabinet von hier aus den Wunsch in Form eines Rathes au^ i gesprochen hat, dasselbe möge in Rücksicht auf Italien das Prin- zip einer strengen Aufrechthaltung der Traktate geltend machen. Man halte sich in Petersburg nicht allein zur kräftigsten mm- lischen wie auch materiellen Unterstützung in allen dadurch eM hervorzurufenden Konflikten verpflichtet, sondern es soll foqar dem Wiener Kabinet der Antrag gemacht worden seyn, für den Fall, daß eine Verwendung der gesummten österreichischen Streitmacht im Süden und Westen nothwendig sey, für die Pazifikation Ungarns und Galiziens kräftigst Sorge zu tragen.
Für die Abgebrannten zu Caub sind eingegangen:
Von G. 1 fl. Von I. M. 3 fl.
Die Exped. der Nass. Allg. Ztg.
Bekanntmachungen.
437] Bei dem Herannahen der Winterzeit erlaube ich mir meine
Leihbibliothek in deutscher, französischer und englischer Sprache, sowie meine
Musikalien-Feihanstatt
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(11
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4381 Steinkohlen
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Biebrich, den 17. Oktober 1848. K. Lembach
In der L. Schelleuberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbnd ist vorrâthig:
Der Wanderer am Rhein. Volkskalender 1849. Preis 9«
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
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