Einzelbild herunterladen
 

NW im fll get -ist! lEl! ha M en. ;

ein 101 » ou

J 1 II

6

Begierde gelesen, aber sie waren alle trauriger Art. Nach dem Jahre 1813 aber wendete sich das Kriegsglück und der Stern des Vaterlandes stieg schnell empor. Nicht nur das Kriegs- glück schien sich gewendet zu haben, sondern es war auch ein ganz anderer Geist in das deutsche Land gefahren. Hoch und Wrig war von Vaterlandsliebe begeistert und setzte Hab und Gut daran, um Freiheit zu erringen und das Glück des Va­terlandes zu gründen.

Als die Dinge so standen, da erwachte das Heimweh bei dem alten Lüning mit einer solchen Macht, daß er vermeinte, nicht sterben zu können, ehe er sein Vaterland noch einmal im Glücke gesehen hätte. Dazu trieben ihn Schiller's Worte, die ihm zufällig einmal in die Hände kamen, noch mehr an:

Ans Vaterland, ans theure, schließ dich an, Das halte fest mit deinem ganzen Herzen!

Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft;

Dort in der fremden Welt stehst du allein.

Sein Entschluß war balv gefaßt. Er wollte nur mit sei­ner Frau einmal eine Reise nach der Heimath unternehmen, "iinb dann zu den geliebten Kindern zurückkehren, welche unter­dessen schon in Amerika eingebürgert und durch Familienbande gefesselt waren. Leider war aber die gute Frau schon so schwach geworden, daß sie auf dem Schiffe starb. Dieß war ein furchtbarer Stoß für Lüning, welcher nun immer mehr linsah, daß die Zeit seines Abschiedes auch bald gekommen sey. Dazu trugen denn die beständigen Aufregungen nicht wenig [ti, in welche ihn seine Rückkehr im Vaterland versetzte.

Der Jubel, mit dem er in seinem geliebten Kirchspiele den Landleuten empfangen wurde, die jetzt zur Einsicht Mes Unrechts gekommen waren, regte ihn dergestalt auf, daß

lernt eine Nervenkrankheit verfiel, die den müden Wanderer iMo in eine audere Heimath führte.

W. H.......r.

Der achtzehnte März.

(Fortsetzung.)

Der Platz war leer. Von allen Fenstern waren die Köpfe verschwunden. Diese Stille im Gegensatze zu der ungeheuren Bewegung noch vor einigen Sekunden machte eine fast lähmende SSirfung. Es war wie das Werk eines Zauberers, der böse Heißer aus den Tiefen der Erde heraufbeschworen und ihnen jetzt befohlen hat, sich in alle Richtungen hin über die geängstete Erde zu zerstreuen.

Wir müssen hier einen kurzen Wortwechsel einschalten, der lirabe hier und nirgend anders seinen Platz finden muß, um l' rätselhaften Ereignisse, die wir oben mit angeschaut, er* wen zu helfen. Dieser Wortwechsel fand zwischen Neuwardt "d Weld Statt. Neuwardt hatte sich mit einer großen An- U seiner Bekannten, die mit ihm Eine Gesinnung theilten, Äf dem Platze vor dem Schlosse befunden, als der König

jene Zusicherungen ertheilte, er hatte zugleich mit der Menge seine Stimme zu einem lauten Dankesrufe erhoben, und glück­lich über das, was er vernommen, war er zu den Seinigen geeilt, um ihnen die freudige Botschaft mitzutheilen. Er fand Weld in seinem Hause, der beschäftigt war, flüchtig ein paar Worte auf einzelne Zettel zu schreiben, die er den wartenden Boten einhändigte.

Theurer Freund! rief der Patriot, haben Sie gehört? Wir haben jetzt, was wir wünschen! Friedrich Wilhelm IV, hat das Wort seines Vaters wahr gemacht. Wir haben die Freiheiten, die wir erstrebt, wir haben eine Konstitution! O, ich hätte weinen mögen vor Entzücken, als ich den König meinen König jene Segensworte aussprechen hörte.

Weld blickte auf, unterbrach den Sprechenden und fragte mit einem sarkastischen Tone: Hören Sie den Tumult auf der Straße?

Siegesjubel! rief Neuwardt, und der sonst so bedächtige stille Mann war ganz trunken vor Freude. O, ich werde illuminiren lassen. Mein Haus, die Straße die ganze Stadt soll in Freude brennen. Zu allen Fenstern hinaus töne der Ruf: Es lebe unser König!

Welv wiederholte mit demselben eisigen Spottlaute die Frage, ob Neuwardt nichts höre.

Es fielen die ersten Schüsse.

Was ist das? rief der Patriot, und seine Nöthe ging plötzlich in Blässe über.

Jetzt beginnt unser Werk! sagte der Literat, indem er nach seinem Hute griff.

Um Gottes willen, was wollen Sie damit sagen, Weld?

Kennen Sie das Wort: zu spät? Jetzt muß er Alles geben Und seinen Thron dazu.

Rasender! Er hat gewährt, was der Patriot wünschte und begehrte.

Weld entgegnete mit einem dreisten Lachen: Was kümmert uns die Konstitution! Wir wollen den Umsturz und für uns den Sieg. Wir wollen jetzt leben und herrschen.

Neuwardt bebte vor innerer Entrüstung. So gehen unsere Wege aus einander! rief er. Mit einem Verbrecher will ich nichts zu thun haben.

Weld verließ ihn, ohne auf seine Worte zu achten. Neu­wardt faltete die Hände, blickte mit einem Auge, in welchem seine bewegte Seele lag, gen Himmel und rief': Gib unser Heil nicht in die Hände der Buben! Verhindere gnädig ein Unglück!

Auch er eilte nun fort, um die Männer der Deputation, die von den Rheinprovinzen so eben angelangt war, zu spre­chen. Er hatte bewährte Freunde darunter, Männer von tüchtiger Gesinnung und Vaterlandsfreunde wie er. Ein Schrecken, eine Trauer erfüllten das Herz dieses Mannes, wie er sie noch nie gefühlt. So nahe gränzte Heer die herrlichste Siegesfreude mit dem drohenden Streich zusammen, der Alles