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Reichstage auf dem vermeintlichen Kampfplatze gerufen hatte, verstummte bald, und Wir waren noch nicht an der Linie an­gelangt, als nns zmückkehrende Garde benachrichtigte, daß der Kampf sich für diesesmal auf ein kleines Vorpostengesecht (Garden gegen Croaten) beschränkt hatte und daß letztere zurückgeschlagcn seien: doch waren 2 Gardisten geblieben.

Die Rückkehr in die Stadt bot mir einen Schauder er­regenden Anblick, der aber einen großen erhebenden und in seinen Folgen höchst bedeutenden Moment veranlaßte. Man hatte nämlich in dem von Auersperg verlassenen Lager im schwarzenbcrgischen Garten nebst vielen anderen Leichen auch die eines jungen Mannes gefunden, die in so kannibalischer Weise verstümmelt war, daß man nur mit dem Erröthen der Schaam und des Zornes diese That als von dr'sciplinirte» Truppen eines civilisirten Staates verübt angeben muß. Die Hirnschale war in grauenhafter Weise zerschellt. Die Augen ausgestochen, Lippen und Zunge ausgeschnitten und die Fin­ger fürchterlich verstümmelt. Diese Leiche war von dem wuth­entbrannten Volke in einer bedeckten Tragbahre zur Aula, jener in den Augen des Volkes geheiligten Stätte der Frei­heit gebracht worden, und wurde dann von dort zur Reichs­versammlung getragen.Die Vertreter des Volkes sollen sehen, wie man mit dem Volke umgeht", so riefen die Mas­sen, welche die Leiche begleiteten.

Der Zug hält an der Schwelle des Reichstagshauses. Einige Deprrtirte, darunter Schuselka und Fischhof, treten heran, ließen den Sargdeckel abheben und standen von diesem grauenvollen Anblicke vernichtet einige Minuten sprachlos. Dann stieg Schuselka auf die Bahre und sprach mit erho­bener Stimme:Schwöret, Brüder, daß Ihr nicht einen Zoll breit von der Freiheit, von dem Rechte des Volkes ab­gehen werdet, auch wenn wir Alle diesen Tod leiden müß­ten." Und die ganze große Menge schwur es mit aufgeho­benen Händen.

Die edlen Wiener werden Wort halten.

Abends kömmt eine Adresse des ungarischen Reichstags nach Wien. Sie wird in der Wiener Reichs-Versammlung nater stürmischen Bcifalle verlesen:!

Die ungarische Nation er klärt vor Gott und der Welt, daß sie die Freiheit Oesterreichs ih?er eigenen Freiheit gleich achten und zu deren Ausrechthaltung gemäß den Wünschen der Österreich. Nation nach Kräften beizutragen stets zu ihren heiligsten Pflichten rechnen wird. Ungarn weist entschieden von sich jeden Tractat mit der Kamarilla und ihren eidbrüchi­gen Söldnern.

Die ungarische Nation ersucht die edlen Vertreter Oester­reichs hiergegen kräftigst einschreiten zu wollen, und so, wie wir jeden Ungarn für einen Landesverräther erklären, der seine unheilige Hand gegen die Freiheit Oesterreichs erhebt, eben so jeden Unterthan der österreichischen Monarchie für einen Landesverräther zu erklären, der dem Empörer Jel- lachich, dem eidbrüchigen Werkzeuge, das sich die Kamarilla zur Unterdrückung der Freiheit Oesterreichs und Ungarns auserlesen, die mindeste Unterstützung gewähren würde."

Die Adresse schließt:

Die ungarische Nation erklärt, daß ihre Truppen in dem nämlichen Augenblicke Halt machen, und sich nach Un­garn zurückwenden werden, wo die edlen Vertreter des tapfern Oesterreichs dem kommandirenden (generale der ungarischen Armee die Weisung zukommeu lassen, daß die Entwaffnung deS gemeinsamen Feindes, durch eigene Kräfte bewirkt, und die Mitwirkung unserer Truppen zum Siege der gemein­schaftlichen Freiheit nicht mehr nöthig sei.

Ungarns Regierung hat die strengsten Befehle erlassen, daß, im Falle die ungarische Armee vorrückt, ihre Verpflegung selbst auf dem uns heiligen österreichischen Boden, von Un­garn aus verabfolgt, und dem edlen Volke Oesterreichs nicht die mindeste Last aufgebürdet würde.

Gruß, Hochachtung und Bruderliebe.

Pesth, den 10. Oktober 1848.

Borrosch beantragt, einen Congreß aller ungarischen Völkerschaften nach Wien auszuschreiben. Wird angenommen.

Während dieß hier vorgeht, setzt der gute Kaiser seinen Zug durch seine Provinzen fort, erklärt alle Städte, durch welche er kommt, für die Zeit seiner Anwesenheit, in Bela­

gerungszustand und streut wie ein Emissär überall Pro! Malionen aus, um Wien zu verdächtigen.

Freitag den 13., Vormittags.

Von Salzburg sind Professoren und Studendenten angek men, um für die Freiheit zu kämpfen und zu fallen. Von G sind 500 Garden angekommen. Ollmütz gibt in einer H lichen Adresse seine Sympathie mit den Wiener Ereigni zu erkennen und stellt seine Garden zur Verfügung. Gll zeitig wird eine Proelamation vom Fürsten Windifchg (Prag d. 11.) mitgetheilt, welche in Böhmen und Mèfl verbreitet wird, und worin die Ereignisse in Wien auf schm liche Weise dargestellt, und die Einführung einer Militärb schast in herrlicher Perspective als einziges Rettungsm dargelegt wird. Löhner berichtet durch Telegraphen, Mayer (Depulirter für Brünn und Staatssekretär) mit n reren andern mährischen Deputirten im Hvflager des Kai angekommen sind.

Von Jellachich läuft folgende Antwort auf die Auffoi rung des Reichstages durch Auersperg, wonach Jellachich seinen Truppen abziehen sollte, ein:

In meinem mir gewordenen hohen Auftrage - Hande! brachten es die militärischen Operationen mit sich, daß mich der österreichischen Gränze näherte. Dort erfuhr ich Ereigisse von Wien, diese bestimmten meine Marschordre, bin k k. österreichischer General, commandire k. k. österreichi Truppen, kann also auf k. k. österreichischem Gebiete Fremdling sein. Jellachich, F.-M.-L."

Freitag den 13., Nachmittags. So eben kommt bi telegraphische Depesche die Nachricht an, daß per Kaiser v gen in Ollmütz eintreffen wird.

Dem Frankfurter^Journal wird unterm 13. aus SSt geschrieben:

Wien, den 13. Oktober

Unsere Besorgnisse, den Kampf ohne Ungarn durchführe» müssen, hat sich gestern gehoben. Eine Deputation desungaris Reichstages überbrachte dem hiesigen gestern Abend gegei Uhr eine Arreste, mit der Nachricht, daß der ungarische G ral Moga mit 00,000 Mann bei Bruck an der Laytha fi über die Grenzen gehen und Jellachich verfolgen würde,! hin er sich auch immer wenden sollte. Heute Moh vernimmt man in dieser Richtung bereits heftigen Kaum donner und bemerkt eine Rückbewegung der Jellachich'^ Truppen, mit welchen sich diejenigen Auersperg's verm haben, nachdem diese ihre feste Stellung bei Wien mit; rücklassung vielen Gepäcks, kranker Soldaten und verstüm ter Leichname, denen Ohren, Nase, Hände abgeschni! Augen ausgestochen, und deren Körper von Bayonnetsti durchlöchert waren, in voriger Nacht wie flüchtig aufgegeben ha«

Die in Wien versammelte bewaffnete Macht beläuft bereits auf mehr als 100,000 Mann, über welche Mff

Hauser, ein Demokrat (Mitarbeiter des

Radikalen")

Oberbefehl führt. Die Artillerie wird von Jellefsky, Polen (jetzt Obrist der französischen Republik), coum

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Wahrscheinlich wird dieser noch heute Nachmitrag das 9 chich - Auersperg 'sche Heer im Rücken angreifen. 3 kleine Gefechte haben wir bereits gewonnen; das eine grf Mittag gegen einen mit Artillerie versehenen Trupp Ctt» welche einen Angriff auf die St. Marer Lienie beabsichtig das andere heute Nacht bei einem Versuch derselben, die Auersperg aufgegebene höchst vortheilhafte Stellung M einzunehmen. Ein drittes Scharmützel wird soeben 6 fert, doch ist dieses noch unentschieden. Der Zuzug j der Nationalgarde- und Landsturms - Abtheilungen ist â« bedeutend.

Zum Schluffe theilen wir noch zwei Nachrichten welche sich geradezu widersprechen, und deßhalb so zu l aufheben: Montag den 16. soll nämlich einmal ein & die Nachricht von der Uebergabe Wiens nach Frankfuri bracht haben und dann berichtet, dem ganz entgegen, Journal des österreichischen Lloyd, daß Auersperg Croaten geschlagen worden seien. S

Wahrscheinlich sind beide Nachrichten voreilig und E falls müsse« sie mit großer Vorsicht hingenommen >^f

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