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Beilage zur Freien Zeitung.

M 213* Wiesbaden, den 18. October , 18L8.

Neueste Nachrichten aus Wien.

DieBerliner Zeitungshalle" berichtet über die Ereig­ne in Wien Folgendes:

Wien erwartet einmüthig den Angriff. Die Croaten am 12. von bar Nationalgarde zurückgeschlageu. Auersperg flieht. Seine Truppen bei Jellallich. Das ganze Volk Wiens be­waffnet. Der Kaiser in Ollmüß. Die Ungarn rücken gegen Jellachich.

Wien, 13. Okt. Auf den Antrag des Ministers Kraus wurde die Verzehrungssteuer für Wien aufgehoben. Die Adresse von Borrosch, höchst servil abgefaßt, und die nach Gouvernements gewählten Deputirten find bereits an den Kaiser abgegangen. Von dem ungarischen Reichstag wur­den zwei Deputirte an den hiesigen geschickt mit einer Adresse, welche die Vereinigung Wiens mit Ungarns so befestigt, daß sie kaum ein Ereigniß wüd zu zerstören im Stande sein. In der Adresse ist zugleich die Angabe enthalten, daß mit den Gesandten auch ein Heer aufgebrochen ist zur Vernichtung LesBanus und auch ohne daß es nöthig den herrlichen Wie­nern zur Hülfe. In dem Reichstage wurde abermals ein Manifest, abermals ohne Coutresignatur, in demselben abso- lutisiischen Sinne, wie das letzte, abgesaßt, vorgelesen, wel­ches den Zweck bekundete, dem österreichischen Volke die Wie- M Bewegung in einem schiefen Lichte darzustellen. Der I Eindruck dieses Manifestes auf das Haus war ein höchst un- ziinstiger; dasselbe ist von Heizogenburg datirt. Der an den Kaiser gesendete ReichStagabgeordnete Löhner fand am Hofe ane unfreundliche Aufnahme und konnte zu keiner Audienz Mut Kaiser gelangen; es steht ihm jedoch, wie er berichtet, I m beim Erzherzog Franz Carl bevor.

I Die Demission der Minister Doblhoff und Bach ist vom I Äser angenommen.

I Der Kaiser wird in Ollmütz erwartet, wohin sich der l Urst Windischgrätz begeben hat; auch Truppen aus Galizien I mb Böhmen sind dahin beordert. Die von hier feig ent» I Menen czechischen Deputirten haben in Prag die Wiener I Verhältnisse völlig lügenhaft dargestellt und ihr altes Spiel Imst Neue begonnen, sie verleumden den Wiener Reichstag |mb beabsichtigen nichts weniger als den Kaiser Ferdinand IM Kaiser der Slaven auszurufen. Sie haben dem Win- I dischgrâtz zu Ehren vor seiner Abreise die Stadt illuminiren i Hn und ihm 12 Geiseln zugesagt, damit er mit derPrager I ®Nfon gegen Wien ziehen könne. Auf eine gleich scham- I ich Weise , wie die czechischen Deputirten, hat der gewesene I ^ordnete Cajetan Meyer die Wiener Bewegung in Brünn I ^Mt, freilich ganz ohne Erfolg, weil in die nah gelegene I °tKt die Wahrheit schnell zu dringen vermochte.

Viermal wurde gestern' das Ober-Commando der Natio- l Ägarde gewechselt, das Volk will einen Mann von ächter I Mbe an der Spitze seiner Bewaffnung; in diesem Augen- ist der von dem Studenten-Cvmite vorgeschlagene Mes- IHauser provisorisch Ober-Commandant; an seiner Seite l Ägiren der schon erwähnte Generalstab und aus jedem Corps M jedem Bezirk gewählte Vertrauensmänner. DerLegions- IMmandant Aigner, der sich in den letzten Tagen durch eine Mnnüdliche Thätigkeit ausgezeichnet, ist der Vertheidigung^ Immission beigegeben, seine Stelle übernahm provisorisch ^Kommandant, der Techniker Bauer.' Der Reichstag beschlossen, dem Kaiser den Wunsch auszusprechen, daß Wien einen Völker-Congreß berufe, welcher dieOrd- der Wirren und Zerwürfnisse, zu übernehmen habe.

Die akademische Legion hat sich in den letzten Tagen durch Mmen über jede Anklage, über jeden Vorwurf ruhmvoll er- M und das Studenten - Comite bietet gewissermaßen die S"elung zwischen dem Volke und dem Reichstage. Die Edit desselben dauert ununterbrochen Tag und Nacht, L M fast ohne Beispiel. Heute Vormittag wurde ihm ISklgt, daß der Landsturm bereits gebildet sei und nur des I'auss nnd des Führers harre. Auch kam die wiederholte

Anzeige durch Deputirte aus dem ungarischen Lager, daß un­garische Truppen die österreichische Gränze überschritten haben und bereit sind, der Freiheit gegenüber ihre Schuldigkeit zu thun. DaS Comite hat wieder seine Deputation in das un­garische Lager geschickt. Der Reichstag hat durch den Ge- meinderath die Bewaffnung aller Wehrfähigen befohlen, und diesem das jetzt nationale Zeughaus zur Verfügung^gestellt. Der Gemeinderath entwickelt eine heilsame Thätigkeit; in allen Be­zirken sind Lazarethe mit allen nöthigen Vorkehrungen eingerich­tet; die Stadt ist auf das Vollkommenste in Vertheidigungs­Zustand gesetzt und verproviantirt.. Auf dem Stephans­thurm ist vom Studenten-Comite aus eine eigene Wache be­stellt, die alle Viertelstunden, Tag und Nacht, über den Stand der feindlichen Truppen zu berichten hat.

Auersperg hat seine Truppen, unter welchen Zwiespalt ausgebrochen war, dem Jellachich zugeführt. Die Wiener Bevölkerung ist der Art zum Kampfe entschlossen, daß sie nur durch den strengen Befehl des Reichstags von einem Angriff auf die Croaten zurückzuhalten ist. Viele Feig­linge, die nur im Ueberfluffe zu schwelgen als ihre Pflicht erkennen, haben die Stadt, haben ihre Brüder verlassen; sie sind geächtet. In der Stadt herrscht die vollkommenste Ord­nung und Gesetzlichkeit; das Volk beweist aufs Unwiderleg- lichfte, daß frei zu sein verdint.

Wieü, 12. Oktobers (Aus dem Reichstage.) Vom Grafen Auersperg kam gestern die Nachricht, daß die Ungarn anrücken; er fragt den Reichstag an:was er thun sollte: ob er sich mit Jellachich verbinden sollte? In die Kasernen würde er sich nicht eher zurückziehen, als biö das Proletariat entwaffnet sei."

Es wurde ihm darauf geantwortet:Die Entwaffnung des Volkes, oder, wie er sich ausdrücke, des Proletariats, würde nicht stattfinden. Er, Graf Auersberg, solle dem Ba­nus, der ihm doch als erster General untergeordnet sei, be­fehlen, abzuziehen."

Auersperg antwortete darauf, daß er darüber mit Jel­lachich conferiren müsse.

Heute früh kam ein Schreiben von Auersperg an, in welchem er seinen Rückzug meldet: Er wolle keine feindlichen Schritte thun, um sich die ihm in jeder Weise erschwerte Ver- proviantirung zu verschaffen; er habe aber noch andere Gründe zum Rückzüge.

Dieser Rückzug glich einer Flucht; es bleiben bedeutende Vorräthe an Munitwn, an Proviant zurück, ja sogar das meiste Gepäck der Offiziere wurde zurückgelassen. Alle vom Militär verlassenen Punkt werden von der Nationalgarde be­setzt. Ein an den Kaiser abgeschickter Reichstagdeputirter ist zuruckgecommen, ohne vorgelassen worden zu sein. Ungarische Truppen sollen bereits nahe sein.

Der Ausschuß stellt im Namen des Ober-Commandos der Nationalgarde einen Antrag zur besseren Organifirung der jetzt Bewaffneten. Es sollen zu dem Ende alle waffenfähigen Männer sich bewaffnen und den betreffenden Bezirkschefs un­terzuordnen sein, und diese wieder dem Nationalgardcn-Ober- commando untersteh, n.

Präsident verliest eine telegraphische Depesche von Brünn Die Deputation ist um 9 Uhr dort angekommen und erfährt, daß der Kaiser heute Mittags in Selowitz entreffen werde. Die Deputation begibt sich dahin.

Es wird ein Brief Doblhof's vorgelesen, in welchem dieser anzeigt, daß er sein Minister-Portefeuille nicht behal­ten könne, da seine Gesundheit zerüttet ist und da auch die Politik des zu bildenden Ministeriums eine andere sein werde, als die jenes Ministeriums welchem er angehörte und die er für das Wohl der Monarchie nöthig erachtete.

12., Mittags. Die Allarmtrommel ruft; die Sturm­glocke tönt; an der St. Marrer Linie, heißt es, wird gekämpft. Ich verlasse den Reichstag, um dahin zu eilen.

12., Abends. Die Allarmtrommel die unö vom