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Beiblätter

zur Nassauischen Allgemeinen Leitung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

M 183.

Dienstag den 17. Oktober

1848.

bin Geheimniß.

(Fortsetzung.)

Die Herzogin, welche an so viel Arglist nicht glauben konnte, dankte Gott für den Irrthum, der ihr Ehre und Leben rettete. Auch die Königin Hortense, die edelmüthige Vertraute ihrer Freundin, theilte eine Sicherheit, die so grausamen Schreck­nissen folgte.

Als der Marschall nach Paris kam, hatte er zuerst an -das Hotel von Montaran gedacht, wo das Stück des Briefes, das ihm geblieben, die Enthüllung eines Geheimnisses zu ver­sprechen schien; er hatte aber ganz einfach erfahren, was Je­dermann bereits wußte: die Heirath des Prinzen mit Blanche, dm Ankauf des Hotels für die junge Gattin und das ruhige md eingezogene Leben, das die Bewohner führten.

Der Herzog, der nur noch seine Hoffnung auf den Zufall setzte, hatte sich, obgleich noch sehr schwach, auf den Ball des Herrn Grafen von Frochot begeben, wo man ihn zum erstenmale seit seiner Rückkehr aus Spanien öffentlich mit der Herzogin sah.

Die heftigen Bewegungen, die Stephanie seit einigen Mo- naten empfand, verriethen sich auf ihrem schönen Antlitze durch eine weiße Marmorfarbe, zu der ihre schönen schwarzen Augen einen ungewöhnlichen Kontrast bildeten.

Nachdem Odoart seine junge Gattin dem Kaiser vorgestellt hatte, der sie auf die liebenswürdigste Weise empfing, nahm er den Arm von Blanche unter den feimgen und that so einige Schritte in die Salons, den Prinzen Kourakin suchend, dem ohne Zögern seine Gattin vorzustellen wichtige Gründe ihn Migten, wie Woronzoff dem Ritter gesagt hatte.

Aber diese, die ihre Freude nicht hatte bergen können, als jße Odoart kommen sah, als sie sich von ihm berührt fühlte, 'alsendlich, um uns so auszudrücken, ihr schöner weißer Arm, Gerdas Herz des Prinzen berührte, alle Schläge dieses Her- ! Ms zählte, das ihr gesagt hatte: Ich liebe dich... empfand einigen Augenblicken ein peinliches Gefühl der Furcht, der Verwirrung und Unbehaglichkeit, das ihr Glück störte und das H" überwinden ihr nicht gelingen wollte.

Odoart selbst schien beengt und genirt; statt der brennen­

den und zärtlichen Blicke, die er in der Kirche der heil. Eli­sabeth ihr gespendet, schien sein kaltes und gleichgültiges Auge kaum Die zu bemerken, welche Tausende von Augen bewun­derten!... Der süßen und zärtlichen Stimme des Prinzen in der Kapelle war der Ton der Achtung und der Zeremonie gefolgt.

Diese plötzliche Metamorphose berührte die junge Prin­zessin so schmerzlich, daß sie das Wiedersehen Desjenigen ge­reute, der auf diese Weise durch seine Kälte alle die schönen Blüthen ihrer theuren Erinnerung knickte.

Odoart hatte jedoch nur dem Scheine nach diese eisige Gleichgültigkeit.

Seit seiner Heirath, besonders seit seiner letzten Zusam­menkunft mit seiner jungen Gattin, hatte sich sein Herz der­jenigen ergeben, aus der er nur ein Werkzeug seiner geheimen Pläne hatte machen wollen.

Die Gewissensbisse wegen des Unrechts, das er dieser so reinen und keuschen Engelsseele anthat, daß man noch nicht gewagt, ihr die fremde Rolle, die sie in diesem unbekannten Drama spielte, zu enthüllen, das tiefe Mitleid, welches das unschuldige Kindchen einflößte, hatten in ihm allmählig bei tieferem Nachdenken eine zärtliche Neigung für die Prinzessin erweckt.

Mit lebhafter Freude ergriff Odoart die Gelegenheit (eine' Gelegenheit, die durch Gründe gefordert ward, welche wir später aufdecken werden), Blanche auf diesem Ball wiederzu­sehen, aber kaum hatte er einige Schritte mit ihr gethan, als er sich von Erstaunen und Schrecken erstarrt gefühlt hatte.

Er hatte die Marschallin d'A. . . erblickt und war davon in solche Unruhe und solchen Schmerz gerathen, daß die Worte, die er eben an Blanche richten wollte, auf seinen Lippen er- starben.

Der Prinz hatte die Herzogin seit der Rückkehr des Mar­schalls kaum gesehen, und obgleich er über Das, waS zwischen ihr und ihrem Gatten vorgegangen war, sich beruhigt hatte, würde er doch niemals daran gedacht haben, daß sie zu diesem Feste kommen würde.