kusfion der ersten §§. des Entwurfs vom Reich und der Reichsgewalt zu hintertreiben. — Wenn jedoch nicht unvorhergesehene Jnzidenz-Fälle kommen, so dürfte die National-Versammlung nächsten Dienstag, den 17., endlich an das Werk gehen. Die Berliner Versammlung hat die Berathungen über Titel 1 der preußischen Verfassung bereits am 12. begonnen, und so dürften wir das nicht uninteressante Schauspiel erleben, die in innigster Beziehung stehenden Arbeiten beider Versammlungen zugleich, vielleicht nicht ohne sofortige Wechselwirkungen, fort? schreiten zu sehen. Dem Vernehmen nach bereitet das Reichsministerium eine Note vor, welche der schweizerischen Ungebühr auf das Entschiedenste begegnet. In der That bemerkt man in den Maßregeln, die die Schweiz, bereits getroffen hat, deutlich das stillschweigende Zugeständniß, daß das Verhalten bor dem Einfall doch nicht so recht in der Ordnung war, wie man es in gereizter Empfindlichkeit und mit nicht gerade allzu skrupulöser Sophistik in der ungebührlichen Entgegnungsnote gern hätte darstellen mögen.
München, 13. Oktober. (A. Z.) Der scheußliche Mord des greisen Latour hat bereits unsrer schändlichen Flugblattliteratur Gelegenheit zu den niederträchtigsten Zeichnungen, Aufrufen und Mahnworten gegeben. Mit wahrhaftem Ekel und Empörung mußte man sich gestern von den fliegenden Buchlâden an allen unsern Straßenecken wegwenden, an denen unter der Aufschrift: „allen Volksverräthern zum abschreckenden Beispiel" die Gestalt eines Mannes an einem Galgen aufgehängt mit den Worten; „Die Nemisis sie ist erwacht, und hat den Garaus ihm gemacht; und jeden Büreaukratenzopf nimmt man auf diese Art beim Schopf," um einen Kreuzer verkauft wird. Unter dem Motto: „Hier ruht Latour, der erste Grenadier" wird die Art und Weise des Mordes hingestellt, derselbe als ein Akt der Nothwendigkeit angepriefen, und dieses Machwerk unerhörter Perfidie mit den Worten geschloffen: „Wir wollen sehen, ob Latours Tod für andere Minister, namentlich für die Reichsminister in Frankfurt, ein abschreckendes Beispiefl war, oder ob sie nach ähnlicher Ehre geizen." Ist das Preßfreiheit? Wohin soll es kommen, wenn solcher zügellosen Frechheit, die jeder Moral, jedem sittlichen Gefühle offen Hohn spricht, nicht energisch gesteuert wird?
Nach Thüringen sind neue Truppen von Hamburg herbeigerufen. Nur durch rasche Truppenbewegungen können Die' aufgeregten und widerspenstigen Bauern im Zaume gehalten werden, welche unter Republik nichts Anderes verstehen, als Steuerfreiheit.
Königsberg, 10. Okt. Die Cholera wüthet hier dermaßen, daß selbst die Streitigkeiten der Parteien für den Augenblick schlummern. Leider ist auch unser Oberbürgermeister Krah von der Seuche hingerafft worden.
Wien, 12. Oktbr. Nachmittags 3 Uhr. Zum Kampf ist es noch nicht gekommen. Auersperg's auf Entwaffnung des Proletariats gestellte Forderung wurde zurückgewiesen. Der Graf hat sich mit Jellachich vereinigt. Um die ganze Stadt sind Barrikaden gebaut, hauptsächlich in der Wiedner Vorstadt. Von dem Stephansthurm will man im Rücken der Kroaten brennende Dörfer und den Rauch von Kanonen wahrgenommen haben, was auf ein Gefecht zwischen den Ungarn und Kroaten schließen läßt. Löhner hat telegraphirt, daß er noch an dem. selben Tage eine Audienz beim Kaiser haben werde. —- Einem Schreiben aus Prag zufolge soll Windischgrätz von den Pragern aufgefordert worden seyn, gegen Wien zu marschiren.
Frankreich.
□ Paris, 14. Okt. Das Stillschweigen des Moniteur an diesem Morgen erregt großes Aufsehen.
Das Larmartinesche Bien pubhc veröffentlicht darüber folgende Notiz:
„Mitternacht. Man meldet uns so eben, daß die Mini- sterkombination, wie sie gestern Abend festgestellt schien, wieder in Frage gestellt ist. General Cavaignac sey durch die Aufregung erschüttert worden , welche die gestrige letzte Liste unter der republikanischen Partei der Nationalversammlung hervorgebracht habe."
12 Uhr Mittags. So eben erscheint ein außerordentliches Supplement zum Moniteur mit folgenden Dekreten:
I. Französische Republik. Freiheit, Gleichheit, Bruderschaft. Der mit der Exekutivgewalt beauftragte Konseilspräsident beschließt:
Die Demission der Bürger Senard, Minister des Innern, Rekurt, Minister der Staatsbauten, Vaulabellel, Minister des Unterrichts und Kultus, ist angenommen.
Paris, 13. Oktbr. 1848.
(Gegengez.) (gez.) A. Cavaignac,
Marie, Justizminister. Konseilsprâsident rc.
II. Französische Republik. Freiheit, Gleichheit, Bruderschaft. Der rc. Konseilsprästdent beschließt: Ernannt sind: 1) der Bürger Dufaure, Repräsentant des Volks, zum Ministerstaatssekretär des Innern, 2) der Bürger Vivien, Repräsentant des Volks, zum Ministerstaatssekretär der Bauten, 3) der Bürger Freslon, Repräsentant des Volks, zum Ministerstaatssekretär des Unterrichts und der Kulten.
Paris, 13. Oktbr. 1848.
(Gegengez.) (gez.) Cavaignac,
Marie, Justizminister. Konseilpräsident.
III. In Folge der im Ministerium vorgenommenen Anordnungen, ist das Kabinet zusammengesetzt aus den Bürgern: 1) Maire, Justiz, 2) Bastide, Auswärtiges, 3)deLamo- riciere, Krieg, 4) Verninac, Marine und Kolonien, 5) Dufaure, Inneres, 6) Tourret, Ackerbau und Handel, 7) Freston, Unterricht und Kultus, 8) Goudchaut, Finanzen, 9) Vivien, Staatsbauten.
Die Zögerung des Moniteur kam von den Bedingungen her, welche Dufaure und Vivien stellten. Sie verlangten, daß der Belagerungsstand aufgehoben werde u. s. w.
Jetzt (11% Uhr) versammeln sich die Abtheilungen der Nationalversammlung, um die Kommission zu ernennen, die sich mit Cavaignac in Verbindung setzen soll, um über Aufhebung und Fortdauer des Belagerungszustandes zu berathen. Dufaure wird eine Art Glaubensbekenntniß auf der Bühne ablegen.
Die Volksklubbs werden wieder organisirt.
Am 1. November soll hier in Paris ein allgemeiner demokratischer Zeitungskongreß stattfinden. Alle demokratischen Organe werden eingeladen.
Von allen Seiten regnet es Demissionen. Ducour und Trouva-Chauvel, Präfekte, Perree, Maire des 3. Bezirks u. A. haben gestern erklärt, ihre Aemter niederzulegen.
Die Arbeitseinstellungen unter dem Proletariat häufen sich. Seit vorgestern arbeiten auch sämmtliche Schlosser nicht mehr!
Laut des heutigen Moniteur werden täglich 200,000 FrS. in den Wohlthätigkeitsbureau's vertheilt. Die durchschnittliche Zahl der einlaufenden Bittschriften versteckter Armen beläuft sich täglich auf 100 bis 150. Versteckte Arme nennen M nothleidende Bürgerfamilien.
Straßburg, 10. Oktober. (D. Z.) Die lächerlichen Projekte, mit welchem einige Flüchtlinge und andere, die nicht landesflüchtig sind, um sich werfen, nach welchen das.Elsaß und Lothringen in der nächsten Zeit mit dem erstandenen deutschen Reiche vereinigt werden sollen, haben eine Demonstration hervorgerufen, deren Großartigkeit wohl die neuesten Zustande jenseits des Rheines erklären. Die sämmtlichen Städte deS Elsaßes werden vereinigt die zweite Jubelfeier deS Westphâli- schen Friedens feiern, durch welchen diese Provinz, von Oesterreich verrathen, durch jesuitische Kniffe, und von dem Reiche verlassen, mit dem Frankenland verbunden worden. Strasburg, obgleich seine Kapitulation erst 1681 abgeschlossen worden, wird der Zentralpunkt dieser Manifestation werden, welche beweisen soll, daß politische Sympathien mehr als Sprache und Abstammung vermögen. Diese Feier des 24. Oktobers wird wohl auf Deutschland einen ungünstigen Eindruck machen: möge sie zur Warnung dienen, daß nie ähnliche Mißgriffe wiederkehren, wie sie ja noch in neueren Zeiten den rheinischen Bund möglich gemacht haben. Es ist übrigens nicht leicht, sich einen Begriff zu machen von dem für Deutschland nachtheiligen Eindrücke, den Flüchtlinge und Freischärler unter den hiesigen Bürgern verbreiten.
Großbritannien.
* London, 13. Okt. (Abends.) Die City- und Börsen- welt zeigte sich nach dem Eintreffen der Wiener Berichte natürlich nicht spekulationssüchtig, indessen nahm sie das Ereig- niß weit ruhiger auf, als man hätte glauben sollen. Sie hofft, der italienische Knoten werde sich jetzt leichter, vielleicht ganz von selbst lösen.
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Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schcllenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.