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yi Nachkommen des Hauses Hohenzollern sich auf dem Throne Men, aber wir wollen nicht einen König, der durch mensch- M Willkür auf den Thron gesetzt worden. (Bravo rechts.) Der Abg. Siebert führt an, wie sich in Folge der glorreichen Revolution vom 18. und 19. März daS Bewußtseyn festgestellt habe, daß der König nur ein Sechszchntel - Milliontheil der Bevölkerung ausmache, ebenso wie jeder Taglöhner auch. Der König müsse sich viel glücklicher fühlen, seine Krone durch das Balk zu tragen, als durch einen Aberglauben, den kein Mensch mehr mit ihm theile.

Der Minister Eichmann nimmt das Wort, um sich, wie er sagt, in Vieser hochwichtigen Verfassungsangelegenheit Na- Nns der Regierung zu äußern. Es sey Pflicht des Mini­steriums, sich bei dem Verfassungswerke als Vermittler zwischen 1er Krone und dieser Versammlung aufzustellen. Diese Pflicht Mde es gewissenhaft für das Recht des Volks ausüben, so weit ihm damit auch das Wohl des Volks verbunden scheine. Gen so würde es aber auch das Recht der Krone zu wahren haben. Man habe bei den betreffenden Worten der Verfassungs- urkunde den Einwand geltend gemacht, daß die Versammlung in den Fehler des Unkonstitutionalismus verfallen würde, wenn e die alten Titel des Königs bestehen ließe; aber dasjenige Zoll, welches uns so oft als Muster der staatlichen Freiheit orgestellt worben, die Engländer, habe seine Könige nie anders alsvon Gottes Gnaden" bezeichnet. Es sey nicht zu bezwei- eln, daß auch das Volk von Gottes Gnaden sey, aber es sey ion uralter Zeit her eine Bezeichnung der Könige gewesen und habe einen Vorzug bedeutet, der zugleich mit hohen Pflich- en verbunden, und die Könige aufgefordert habe, sich demüthig u erinnern, daß sie Gott verantwortlich wären. Es erscheine aber dieser Titel nicht allein in der Verfassungsurkunde, son­dern er sey bereits in vielen Gesetzen, welche die Versammlung berathen, aufgeführt worden. Dieser Titel sey ein Eigenthum und Besitz der Krone, und was könne es der Versammlung »elfen, der Krone diesen Besitz, welcher Niemandem etwas lhade, abzunehmen? Er empfehle daher der Versammlung, ae Bestimmung beizubehalten. Eben so sey es mit der For­mel König der Preußen. Wenn sich der König von Preußen nenne, so nenne er sich damit auch zugleich König der Preußen, und man könne sich glücklich schätzen, daß unsere Sprache Bei­des so treffend in demselben Worte bezeichne. Der Abg. Hil- denhagen erklärt, daß es durch Wegnahme der Formel nicht Darauf abgesehen sey, den König zu erniedrigen, sondern viel­mehr, ihn zu erhöhen, damit er, während er bisher nur durch Aberglauben getragen, künftig durch seine innere menschliche Tüchtigkeit emporgehoben auf den Herzen seiner Völker stehe. Die Oesterreicher, welche wir sonst durch das bekannte Land- Hrmlied verhöhnt, wären darin schon vorangegangen, und wir Preußen müßten uns jetzt vorsehen, daß wir nicht in jenem Hilde künftig an der Stelle der Oesterreicher sigurirten. Wenn dir nicht ganz brächen mit der alten Zeit, würde die neue 3iit ganz mit uns brechen und mit allen Nationalversamm- imgm dieser Tage. (Beifall und Zischen.)

Der Abgeordnete Schulze (aus Delitzsch) bemerkt: wenn "ne Firma bankerott geworden, so sey es Pflicht, sie nicht in drs neue Geschäft mit hinüber zu nehmen (starkes Murren); duz sey mit der Formel des alten Absolutismus der Fall, kDerAbg. Dallmann (ein Bauer) führt an, es sey in sei- « Kreise unter Zehn nicht Einer, welcher nicht den alten Titel des Königs beibehalten wünschte. Der Abg. Waldeck entgegnet hierauf, wie die bezeichnete Stimmung des dortigen Wahlkreises dadurch berichtigt werden müsse, daß er von dort Di Mißtrauensvoten gegen Dallmann erhalten. Dieß erregt eeße Mißbilligung in der Versammlung, und ^er Abgeordnete Estermann theilt mit, wie jene Mißtrauensvoten nur deß- ftlb ergangen, weil der Abg. Dallmann sich bisher zur Linken halten habe. Unter großem Tumult und Klatschen der Rech- Ilii bemerkt der Abg. Waldeck, dies sei nur ein Schreibfehler Heesen, denn wenn man jene Adresse lese, so würde dem Ab- âkttbneten darin wegen seiner jetzigen Stellung auf der Rech­ts ein Vorwurf gemacht. (Tumult und Lachen.) Der Abg. pfrer erzählt, er habe auch ein Mißtrauensvotum erhalten, 'er nur von 91 Personen unter 15,000; die Andern wollten

blos Brod haben,aber von solchen Fickfackereien wollten Juchts wissen." (Lärmen und Gelächter.) Ein Abgeordneter , Zentrums erinnert an die Würde der Versammlung, die M doch gerade beim Beginn der VerfassungSberathung besser Brecht erhalten solle.

Ueber die Formelvon Gottes Gnaden" kommt es zur Amtlichen Abstimmung, und es wird mit 217 gegen 134 ""wen beschlossen, diesen Ausdruck von dem königlichen Titel

wegzustreichen. Das AmendementKönig der Preußen" wird einstimmig von der Versammlung angenommen.

Deutschland.

Vom Taunus. In den Händen der Bevölkerung Wiens, einheimischer sowie eingewanderter, befinden sich gegen­wärtig an 100,000 Gewehre und eine Anzahl Kanonen. Die Masse ist muthig durch den wiederholten Erfolg und dreifach erbittert durch den dreimal hervorgerufenen und glücklich be­endeten Kampf um Freiheit und Nationalität. Die Frage muß,nun entschieden werden, ob das deutsche und magyarische Element dem slavischen untergeordnet und dadurch die Inter­essen der hohen Aristokratie aufrecht gehalten werden sollen, oder ob die Deutschen Oesterreichs deutsch zu bleiben und die Ungarn, Deutschlands natürliche Verbündete *), unsere fernere Vormauer gegen den Osten zu bilden haben. Von unserem Standpunkte besteht kein Zweifel darüber, wie wir dieses be­antworten müssen. Mögen die Ungarn allerlei Fehler began­gen und gut zu machen haben, das darf uns nicht bekümmern. Sind wir praktische Politiker, so dürfen wir Deutsche nur an unsere Interessen denken, und lassen uns davon, die Erziehung der Magyaren zu vollenden. Durch Schulmeistern und die Allerweltsfreundschaft macht man sich aus Freunden nur Feinde. Die deutschen Regimenter, welche nicht gegen Un­garn fechten wollten, die Bedrohung Wiens durch Jellachich, den Apostel der Südslaven, welcher so zweideutig zwischen dem Czaar und der Kamarilla des kaiserlichen Hauses steht, haben den Weg gezeigt, welchen die Zentralgewalt Deutschlands eiligst und fest einzuschlagen hat. Schreitet diese ungesäumt ein, so wird Oesterreich von einer Revolution und für Deutschland ein verbündeter Nachbarstaat gerettet. Wo nicht, so werden die 100,000 Gewehre in Wien und die Truppenmassen in der Um­gebung namenloses Unheil stiften und der äußerste Süden un­seres Vaterlandes den Todesstoß erhalten. Noch geht bis jetzt alles erträglich, und schon beginnen Emigrationen^ ähnlich denen im Anfänge der ersten Schreckenszeit Frankreichs. Die Gebildeten und Reichen und durch Genuß Erlahmten entziehen sich dem Dienste des Landes und der Schwerpunkt der Gewalt wird dadurch allmählig in die Hände der rohen Massen ge­spielt. Mag es Mangel an Theilnahme am allgemeinen Besten oder Gewissensangst seyn, jedenfalls ist es der schlimmste Dienst, den diese sich selbst und dem Volke erweisen. Die Volksge­schichte lehrt offen handeln, zu rechter Zeit nachgeben und aus­harren, an Beispielen ähnlicher Zustände ist kein Mangel, lei­der auch nicht an Folgen von deren Nichtbeachtung.

§ t Vom Fuße des Westerwaldes, 12. Dft Es ist gewiß eine irrige Ansicht, wenn man in neuster Zeit die Kirche ganz unabhängig vom Staate hinstellen, ihr keine andere Bedeutung beilegen will, als jede Korporation im Staate hat.**) Beide bedürfen einander, der Staat kann ohne die Kirche, die Kirche ohne den Staat nicht gedeihen. Der Staat sucht das Rech tsv erh ä l tn der Menschen unter einander zu verwirklichen, kann dieses aber nicht vollständig ohne die in das Leben eintretende Sittlichkeit, welche von der Kirche gepflegt wird, sowie auf der anderen Seite die Kirche ohne die Rechtsverhältnisse des Staates für sich in Anspruch zu nehmen, nicht mit Erfolg zu wirken vermag. Beide haben das Ziel, die Menschen zur Erreichung ihrer menschlichen Zwecke zu befähigen , aber sie gehen verschiedene Wege, indem der Staat vorzugsweise durch das Prinzip des Zwangs, die Kirche durch das Prinzip freier Selbstbestimmung wirkt. Wollte man dieses verkennen und den Staat in der Kirche oder die Kirche im Staate aufgehen lassen und das Eine oder Andere würde bei gänzlicher Trennung beider früher oder später geschehen beide hätten die üblen Folgen zu tragen, (Mittelalter, protestantischer Polizeistaat) und eine spätere voraussichlich unheilvolle Zeit die Menschheit eines Besseren belehren. Mit Recht sagt Ullmann: Staat und Kirche werden (für die Zukunft) nicht bestimmt seyn, dua-

*) Bisher sind aber doch die Magyaren die neuesten Phrasen abge­rechnet gar zweideutige Freunde der Deutschen gewesen!

Die Redaktion.

**) Das Priuziv der Unabhängigkeit der Kirche vom Staate ist in den, Entwürfe des VerfaffungSausichusseS der Frankfurter Na­tionalversammlung nicht ausgesprochen. wenn gleich bet den Verhandlungen über §. 12 und 14 des Artikel III. der Grundrechte (Jeder Deutsche ist unbeschränkt in der gemeinsamen häuslichen und öffentlichen Uebung seiner Religion u. s. w."Neue Religions­gesellschaften dürfen sich bilden, einer Anerkennung ihres BekennruiffeS durch den Staat bedarf es nicht") sich die Mehrheit dafür erklärt«. Eine Inkonsequenz, die nicht ohne tiefere Bedeutung ist!