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nannt, und Feldmarschalllieutenant Fürst Reuß (Kommandant der mährischen Truppen) und Ban Jellachich seyen unter sei­nen Befehl gestellt. (Prag. Z.)

Wien, 11. Okt. Jellachich steht mit ungefähr 20,000 Mann hungeriger Truppen und Horden bei Simmering, eine Stunde vor Wien, wohin er gestern in den Nachmittagsstun­den Vorgerückt ist. Auf ein von den Studirenden vom Ste- chhansthurm aus gegebenes Signal, daß der Ban heranrücke, wurde in der Stadt und in den Vorstädten Generalmarsch ge­schlagen, in den Vorstädten wurden Barrikaden errichtet, die sämmtlichen Linien Wiens , mit Ausnahme der Belvederelinie, verrammelt und mit Rationalgarden stark besetzt. Niemand durfte die Linien mehr passiren. Abends waren die Stadt und die Vorstädte beleuchtet. Etwa um 12 Uhr Nachts wurde wiederholt Allarm geschlagen und auf sämmtlchen Thürmen die Sturmglocken geläutet. Es hieß, die Truppen wollten einen Angriff gegen die Stadt unternehmen, was sich aber als unwahr erwies. Die Vertheilung von Waffen dauert ununter­brochen fort; mehr als 60 Kanonen aus dem Zeughaus sind schon auf den verschiedenen Basteien und Plätzen aufgeführt. An Munition ist Ueberfluß, da sämmtliche leer stehende Ka­sernen geplündert wurden. Gestern Nachmittag wurden vier mit Kisten bepackte Wägen von den Studenten auf der Haupt­mauth in Beschlag genommen. Man fand darin Gewehre, welche zur Wegsendung bestimmt waren. Aus Brünn sind heute früh 600 Nationalgarden mittelst der Nordbahn hier an­gekommen. Heute Abend erwartet man noch eine gleiche An­zahl. Heute um 10 Uhr Vormittags wurde in der Stadt ein Spion mit Briefen aufgegriffen, er wurde auf die Aula ge­führt. Es heißt, daß auch General Graf Recsey sich gefangen auf der Aula befindet. Von keiner Seite fand bis jetzt noch ein Angriff statt. Mit Spannung erwartet man die heutige Nacht. (Allg. Z.)'

So eben, in ungewöhnlich später Stunde schreibt die Allg. Ztg. erhalten wir noch die neueste Post aus Wien, vom 11. Okt. Wir können nur mit wenigen Worten das Re­sultat zusammenfassen. Graf Auersperg hatte verweigert, die Truppen zurückzuziehen, aber versichert, daß er nicht mit Jella­chich in Verbindung stehe. Jellachich hatte den Abgeordneten des Reichstags erklärt, er sey entschlossen, für den Kaiser und die Einheit der Monarchie das Aeußerste zu wagen. Löhner entgegnete: auch das Volk von Wien sey zum Aeußersten ent­schlossen. Der Kaiser hatte dem Minister Hornbostl so wenig Vertrauen gezeigt, daß dieser glaubte, seine Entlassung eingeben zu müssen, die er denn auch dem Reichstage zusandte. Löhner wurde nun zum Kaiser geschickt, suchte ihn aber in Brünn, wo er (noch?) nicht war. Eine Deputation von je zwei Abgeordneten aus jeder Provinz sollte sich zu dem Kaiser begeben. Von der Armee des Banus entwerfen die meisten Briefe ein eben so klägliches, als abschreckendes Bild. Er selbst scheint mit großer Energie sich benommen zu haben: als Staatsbürger habe er der Anarchie entgegenzutreten, als Soldat sey er dem Donner der Kanonen gefolgt. Aus Pesth verkündigte man, die Magyaren wollten, 16,000 Mann stark, auf Dampfschiffen nach Wien kommen. Zu 16,000 Man hatte man aber wohl keine Schiffe.

Wien, H.Oktbr. (Lithogr. Tagesbericht.) Gestern Abends kriegerische Bewegung in der Stadt; Allarmschlag, Sturmge­läute. Gallopins melden, daß die Kroaten von Meidling ge­gen Mariahilf ziehen und bereits mit der Garde handgemein geworden; Alles eilt auf seinen Posten. Zwei ungarische Reichstagsdeputirte, der ungarischen Armee unter Messaros beigegeben, erscheinen in dem Studentenkomite mit der Mel­dung, daß 30,000 Magyaren, reguläre Truppen, den Wienern zu Hülfe kommen würden, daß diese sich nur zwei Mal 24 Stunden halten möchten, und daß nur Ermattung der Trup­pen ihr Eintreffen bis jetzt verhindert hätte. Um 11 Uhr ge­rathen eine Patrouille Mariahilfer Nationalgarde und eine Patrouille Nassau aneinander; letztere wird arg mitgenommen.

Breslau, 12. Okt. (Schles. Z.) Auch heute ist der Mlttagszug von Wien ausgeblieben. Das Ausfallssignal war richtig in Oderberg eingetroffen. Ein Reisender, der von Ra­tiber kam, wollte wissen, daß Jellachich jetzt über eine Armee von 120,000 Mann (?) zu verfügen habe. Ein andrer Rei­sender berichtete, man habe die Brücke über die Donau bei Wien abgesteckt; vielleicht liegt hierin die Ursache, weshalb der heutige Eisenbahnzug von Wien ausgeblieben ist.

Abends 10 Uhr. Auch mit dem Abendzug der ober­schlesischen Bahn sind die Nachrichten aus Wien ausgeblieben. Das Ausfallssignal war wiederum rechtzeitig in Oderberg cingetroffen. Nach Gerüchten soll Wien bombarhirt werden;

die Eisenbahnschienen sind fünf Meilen weit aufgerissen die Nationalgarde soll den Grafen Auersperg angegriffen haben. (Auch dieBresl. Ztg." wiederholt diese Gerüchte uni fügt hinzu, man sagt, daß Auersperg im Verein mit Jellachich und Windischgrätz Wien bombardire.)

Der preußische Landtag über die Formel von Gottes Gnadeu."

Da die Versammlung der Volksvertreter in Berlin noto­risch eine frappante Aehnlichkeit mit unserer nassauischen Volks­kammer hat, so dürfte eine ausführliche Mittheilung ihrer Ver­handlungen über den oben bezeichneten Gegenstand nicht ohn! Interesse seyn.

Es kommt das Amendement des Abg. Schneider zur Ver­handlung, anstatt der Worte:Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen" zu setzen:Wir Friedrich Wil­helm, König der Preußen". Der Abg. Schneider führt zur Begründung dieses Amendements, welches er derZartheit" des Gegenstandes wegen bedauert, aus, wie der Ausdruckvon Gottes Gnaden", als Begriff des gestürzten absolutistisch pa­triarchalischen Regierungssystems, der Zeit der politischen Fin­sterniß entstamme, wo der König der Herr, der Unterthan sein Sklave gewesen. (Murren und Beifall.) Die Revolution habe aber bewiesen, daß auch das Volkvon Gottes Gnaden" sey (Bravo), weshalb man dem Fürsten das ausschließliche Rech!, sich so zu bezeichnen, nehmen müsse.

Gegen den AusdruckKönig von Preußen" bemerkte der Redner, wie die Zeiten vorüber seyen, wo das Land als Ei­genthum der Fürsten gegolten und damit Handel und Raud getrieben worden sey, welches allerdings bis in die neueste Zeis bis zur Einverleibung von Krakau 2 t. geschehen. Ein konsti­tutioneller Monarch sey aber ebenfalls Staatsbürger geworden und gehöre ebenfalls zum Volke.

Der Abg. Walter spricht für die Beibehaltung beider Be­stimmungen. Wenn man König der Preußen sagen wolle, müsse es im Sinne des Amendements auch weiter heißen, Großherzog der Posener und näher, der Posener Polen, und noch genauer, der Posener Polen und Deutschen. Man könne diese Formel beizubehalten wünschen und doch ein aufrichtiger Freund der konstitutionellen Staatsform seyn. Den Ursprung der Formelvon Gottes Gnaden" sucht der Redner in einer authentischen Erklärung, welche der Reichstag von 829 unter Ludwig dem Frommen zuerst darüber gegeben und die dem liegt:Kein König solle denken, daß er sein Reich bloö seinen Vorfahren habe, sondern er solle es so ansehen, daß ei nur durch göttliche Fügung regiere." So werde in diesem Dokument auch der Name des Königs nur vom richtigen Han­deln hergeleieet (rex a recte agendo nominatur). Man sönnt daher diese Formel durchaus nicht in Zusammenhang bringen mit dem Absolutismus, gegen welchen gerade ein Protest darin enthalten sey, indem der König dadurch von Gott und feinem Gewissen abhängig gemacht werde. Diejenigen, welchen eS Bedürfniß sey, den Fürsten mit den Banden beö Gemüths unl der Religion zu umfassen, und er gehöre zu diesen, würden eS freilich auch noch nach Abschaffung dieser Formel thun. Ab« im Interesse der Völker liege es, diese Formel beizubehalten, durch welche sie, wenn sie ihren Fürsten auch für unverant­wortlich erklärten, ihn doch verantwortlich gegen eine Höhen Macht hinstellten. Der Abg. Weichsel erklärt dem vorige« Redner als einefaktische Berichtigung", daß das ganze Hal­ler- Metternich'sche System in der Formelvon Gottes Gna­den" liege. Der Abg. Borchhardt spricht gegen die Formel, die am allerwenigsten für eine Konstitution passe, welche M das Volk durch sein Blut erworben. Denn am 19. März habe es vom Volk abgehangen, ob der König noch fortregieren stlle oder, nicht. (Murren auf der rechten Seite.) Daher sey der König nicht mehr von Gottes Gnaden? sondern regiere nur durch das Volk.

Der Abg. v. Daniels sagt, der vorgeschlagene Ausdruck; König der Preußen, führe ihn in die wüste Zeit des barbari­schen Völkergetümmelö zurück, wo man Könige der Vandalen, der Heruler, der Angelsachsen re. gehabt, wogegen man in ge­bildeten Zeiten nur Könige von Frankreich, von Großbutan- men 2c. finde, denn es sey nöthig, daß die königliche begrenzt werde durch das Staatsgebiet. Eben so verhalte e° sich mit dem Ausdruckevon Äottes Gnaden", der erst tw." gebildeten Staatsbewußtseyn an gehöre, denn Attila seyGei­ßel Gottes", aber nicht von Gottes Gnaden genannt worvem Wir wollen, schloß der Redner, eine erbliche Monarchie, sovap