stadt. So eben wurden drei Wagen mit Munition, vonWin- dischqrâtz an Jellachich geschickt, aufgefangen und an die Universität gebracht. So eben, 3 Uhr, allgemeiner Allarm; es wird ein Angriff erwartet. '
Wien, 10. Oktbr., 3% Uhr Nachmittags. Eine Unzahl Menschen eilt zum kais. Zeughause nach Waffen. Es scheint, als sey vom Reichstage die Bertheilung derselben, die bereits eingestellt war, wieder bewilligt worden.
Wien, 10. Okt. Mittags. Ich schreibe schnell aufs Ge- rathewohl einige Zeilen, ohne zu wissen, ob eine Post abgehen wird, und welche Ereignisse in nächster Stunde eintreten. Graf Auersperg steht mit der Garnison im Belvedere und Schwar- zenberg's' Garten. Das Volk, die Legion und die Garde will ihn dort nicht dulden. Schon gestern wurde hin uud her par- lamentirt, daß der kommandirende General seine Position verlasse.
Wien, 10. Okt. 5 Uhr Abends. Eben führt man wieder auf allen größern Plätzen Kanonen zur Sicherung der Stadt auf und überdies an jedes Thor zwei Geschütze. Trotzdem die Stadt von den Barrikaden, welche die Kommunikation hindert, frei ist, schließt man doch die Thore, die zum Theil aufgemacht wurden, wieder zu.
6% Uhr Abends. ES hat sich noch nichts Erhebliches in der Stellung des Ganzen geändert, nur erfahre ich nachträglich, daß die demokratischen Vereine ein Komite gebildet haben, welches die Landbewohner auffordert, uns zu Hülse zu eilen.
7Vi Uhr Abends. Man beleuchtet die Stadt zur Sicherheit. Die Aufregung ist entsetzlich, und alles flüchtet sich.
Prag, 11. Okt. Nach einer heute um 10 Uhr angelang- ien Nachricht des Telegraphenamtes von Wien nach Prag ist der Feldmarschalllieutenant Baron Jellachich gestern Abend mit einer bedeutenden Heeresmacht bei Wien angekommen. In der Stadt steigen viele Signalraketen unter Sturmgeläute in die Höhe. Zwischen den Vorposten wurden einige Schüsse ge- wechselt. Vom k. k. Landespräsidium. Mecsery, k. k. Gu- bernialpräsident.
General Meßaros ist Jellachich mit 30,000 Man auf der Ferse. Man sagt, daß von Seiten der Militärmacht ein Manifest erlassen worden sey, daß, wenn in 24 Stunden die Studentenlegion und die Arbeiter nicht entwaffnet seyen, die Stadt von allen Seiten bombardirt würde. Fürst Windisch- Grätz ist heute nach Wien abgereist. Graf Schlick wird mit 50,000 Mann aus Galizien dort erwartet. Von Böhmen aus sind 18,000 Mann nach Wien abgegangen.
Prag, 11. Okt. Allgemein ist hier davon die Rede, daß Fürst Windischgrätz zum Oberbefehlshaber der Truppen in Oesterreich und Ungarn ernannt werde; Jellachich soll unter seinem Befehl agiren. Wer aber ertheilt hierzu die Vollmacht? DerKaiser kann es nicht ohne die konstitutionelle Kontrasignatur eines verantwortlichen Ministers; der Reichstag wird eS nicht thun. Von wem also soll Windischgrätz zum Oberbefehlshaber ernannt werden?
Niederlande.
Das „HandelSblad" meldet, daß sich in Amsterdam einzelne Fälle der asiatischen Cholera ereignet haben.
Frankreich.
□ Paris, 12. Oktbr. Eine Verordnung des Unterrichtsministers stellt das Studium der Geschichte der Revolutionen Europas und insbesondere Frankreichs, seit 1789, auf das Programm sämmtlicher Schulen der Republik, von wo es bisher geschloffen war. Mit Eröffnung des so eben beginnenden Schuljahres ist damit der Anfang zu machen.
Hr. Bernays, ein junger Deutscher, den die ehemalige Erekutivkommission unserer Gesandtschaft in Wien beigesellte, traf vorige Nacht als außerordentlicher Kourier von dort hier ein. Er bringt der Regierung eine vollständige Darstellung der dortigen Ereignisse vom 6. und 7. Okt., die uns indessen mit den Breslauer und Berliner Zeitungen fast gleichzeitig zuging. Sie schließt mit der Flucht des Kaisers nach Linz/
So eben versammelt sich der Ministerrath, in welchem die aus Wien eingetroffenen Depeschen den Hauptgegenstand der Berathung bilden sollen. Sind wir gut unterrichtet, so sey das Kabinet entschlossen, jetzt dem Marschall Radetzky etwas die Zähne zu zeigen.
Den zweiten Gegenstand wird der gestern Abend gefaßte Beschluß der Nationalversammlung bilden, wonach der Dur- ri en'sche Vorschlag: „dem Erekutiv-Chef bas Recht der Journalsuspension selbst während des Belagerungszustandes nicht länger zuzugestehen," nur mit einem relativen Mehr von vier Stimmen (345 gegen 336) fallen gelassen wurde.
Dieses Votum scheint selbst dem National so bedenklich, daß er sagt: „Eine solche Ziffer kann für keinen Sieg gelten; sie enthält einen Fingerzeig für die Negierung, dem sie Berücksichtigung schuldig ist." Somit werden wir wohl heute oder morgen schon die Journalsuspension aufhören sehen.
Eine gestern vorgefallene Skandalszene in der Vorhalle der Nationalversammlung zwischen dem Konsul Thouars (nicht Thouais) macht heute die Runde. Die Gerichtszeitungen geben sie am vollständigsten. Ihnen zufolge drohte Thouars (ursprünglich Marinemäkler in Algier und von der provisorischen Regierung als Konsul nach Neapel geschickt und dann abgesetzt) bereits vorgestern die Bürger Hetzel, ehemaliger Buchhändler und jetzt Generalsekretär des Auswärtigen, sowie B a st i d e, ehemaliger Holzhändler und jetzt Minister des Auswärtigen, auf der Konkordienbrücke zu erdolchen. Bastide und Hetzel schrieben daher noch vorgestern an den Polizeipräfekten einige Zeilen, worin sie ihm anzeigten, daß sie heimliche Waffen bei sich führen würden. Thouars verschaffte sich gestern eine Journalisten-Eintrittskarte. Sich eigentlich nur an Setzel wendend, rief er beim Anblicke der gegen ihn gerichteten istolenläufe überrascht aus: Wie? zwei bewaffnete gegen einen unbewaffneten Bürger, der seine Rechte reklamirt? Man durchsuche mich genau, damit man sich überzeuge, daß ich keinerlei Waffen bei mir führe re. Bastide war nämlich dem Hetzel beigesprungen und zog ebenfalls eine Pistole gegen den Schreier.
Diese Szene wird sehr vielfach besprochen und dürfte leicht zu neuen Schwierigkeiten des Eintritts in die Räume des Sitzungsgebäudes führen.
Die Partei Levru- Rollins (Andere sagen auch die Proud- hon'sche und kommunistische Partei) bereitet in aller Stille ein Manifest vor, das bereits Tausende von Unterschriften trage und mit welchem sie plötzlich vor die Nationalversammlung treten wolle. Dieser ganze Coup de main wird sehr geheimnißvoll betrieben.
Der National erhielt eine Post aus Konstantinopel vom 25. September, die ihm die Stimmung der Donaufürstenthümer als russenfeindlich und türkenfreundlich schildert.
Von Lamartine kündigt das „Bien public“ zwei interessante Broschüren als Lockspeise für seine Abonnenten an: 1) Briefe über das Eigenthum, 2) Geschichte der Revolution von 1848 (24. Februar bis zum Sturz der Erekutivkommission, am 22. Juni) und der Gründung der Republik k.
Ungarn
Pesth, 7. Oktober. (D. A. Z'.) Nachmittags 1'/, Uhr. In der eben geschlossenen Sitzung des Repräsentantenhauses wurde ein königl. Reskript von einem gewissen Recsey (Kapitänlieutenant der ungarischen Leibgarde in Wien) als Ministerpräsident kontrasignirt, verlesen, m welchem Jellachich an der Stelle des Grafen Lamberg zum königl. Kommissär über Ungarn und die Nebenländer ernannt, der Landtag aber für aufgelöst erklärt wird. DaS Haus erklärte dieses Reskript für eine lächerliche Komödie. Es kennt keinen Ministerpräsiventen Recsey. Der ungarische Ministerpräsident muß dem Gesetze gemäß in Ofen-Pesth wohnen. Koffuth, welcher gestern Abend von seiner Reise zu.rückkam und heute in der Sitzung erschien, wurde mit unbeschreiblichem Jubel begrüßt. Er erzählte, daß 50,000 Mann ihm folgen, und daß es nur eines Wortes des Hauses bedürfe, und es werde 300,000 Mann unter den Waffen haben.
Sprechsaal für Stadt und Land.
Wiesbaden, 14. Oktbr. Was der Einsender des Artikels im Sprechsaal der Beilage zu Nro. 183 d. Bl. mit der Hindeutung auf eine andere Behörde, vor welche seine Sache gebracht werden könne, sagen will, verstehen wir nicht. Wir wollten blos unsere Ansicht dahin aussprechen, daß das zeitungslesende Publikum über den Gegenstand nun wohl genug habe. Angriffe, wie der in Nro. 178 d. Bl. richten sich von selbst; sie brauchen nicht gerichtet zu werden. — Was übrigens die angeführte Autorität Lange's betrifft, so verhält es sich damit ohngefähr eben so, als wenn Jemand sagte: Mittermaier oder sonst ein namhafter Jurist hat gesagt, das liche und geheime Verfahren in Kriminalsachen sey ein Unrecht gegen die bürgerliche Gesellschaft, eine Verletzung ihrer heiligsten Garantieen rc., und nun daraus folgerte, also begehe das Hofgericht in N. täglich schweres Unrecht.
(Mit dieser letzten Erwiederung glaubt die Redaktion die Akten über den vielbesprochenen Gegenstand schließen zu müßen.)
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.