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Allgemeinen Zeitung.

Beilage zur

M 184, Montag den

Uebersicht.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Fr ankfnrt (Wien soll bombardirt werden). Köln (Soldaten und Bürger). Wien (Herr­schaft des Proletariats. Flucht der Besitzenden. Jellachich. Die Stadt bewaffnet sich aufs Neue).

Niederlande. Amsterdam (Cholera).

Frankreich. Paris (Die Wiener Ereignisse. Skandal in der National- versammlnug. Vermischtes).

Ungarn. P e st h (Die königlichen Verordnungen. Koffuth).

Deutschland.

* Wiesbaden, 14. Dft. (Ständeversammlung.) (Schluß.) Hierauf wird noch über den Gesetzentwurf, die provisorische Ein­führung der zu Leipzig vereinbarten Wechselordnung so wie einer Wechselprozeßordnung betreffend, Bericht erstattet. Da dieser Entwurf den Zweck der Allgemeingültigkeit für ganz Deutsch­land verfehlen würde, wenn in einem einzelnen Lande auch nur etwas kleines daran geändert werden sollte, so ist auch nur im Allgemeinen über Annahme oder Verwerfung abzu­stimmen. Da die Reichsgesetzgebung sich auch demnächst mit dem Erlaß einer Wechselordnung beschäftigt', so gilt. dieses Gesetz nur provisorisch. Der Berichterstatter Raht trägt dar­auf an, den Entwurf des Wechselrechts unverändert anzuneh­men, welches auch einstimmig geschieht. Bei der hierauf vor­genommenen Wahl der Ausschüsse, welche in der Beurlaubungs­zeit die Vorarbeiten vollenden sollen, fiel die Wahl

I. für das Strafgesetz auf: v. Eck, Hehner, Jung, Raht und Wenckenbach II.

II. für die Domänenfrage auf: Creutz, v. Eck, Hehner, Lang und Wen ckenb a ch il.

III. für die Verwaltungsorganisation auf: Wenckenbach L, Creutz, Hehner, Iusti, Müller II.

Frankfurt, 14. Okt. (D. Z.) Aus Berlin erfahren wir> daß dort am 11. Okt. Abends alle Blätter und Korresponden­zen aus Wien ausgeblieben sind, daß jedoch Reisende die Nachricht bestätigt haben: Wien werde bombardirt.

Köln, 11. Oktober. (W. Z.) Mit jedem Tage wird hier das Verhältniß zwischen Soldaten und Bürgern schroffer. Wäh­rend die demokratisch-republikanische Partei Alles aufbietet, die Soldaten zu gewinnen, während sie sogar die in der letzten Zeit stattgehabten Reservisten-Versammlungen begünstigt und sonst keine Mittel unversucht läßt, das Militär ihrer Sache geneigt zu machen, ist man von Seiten der Militärbehörde nur darauf bedacht, die Soldaten von den Bürgern zu trennen, die Scheidung zwischen beiden Ständen immer größer zu ma­chen, unter dèm Vorwande die Soldaten vor den Republikanern zu warnen. Vorgestern wurde so unter andern beim Parole- Befehle der Garnison bekannt gemacht, daß unter den abge­gebenen Flinten der Bürgerwehr viele auch mit Nägeln und gehacktem Blei geladen gewesen und das handhoch. Die Kund­machung wurde von der Bemerkung begleitet, die Soldaten könnten daraus entnehmen, was ihnen von den Demokraten und Republikanern, die sich ihnen jetzt so freundlich zu nähern suchten, in der Nacht des 22. Sept, zugedacht gewesen. Solche unsinnige Demonstrationen der Militär-Behörde müssen den Haß der Soldaten anregen und reizen und so haben wir in der Nacht vom 9. auf den 10. wieder eine blutige Schlägerei in einer Kneipe gehabt. Die Soldaten machten zwar Gebrauch von ihren Waffen, zertrümmerten Alles im Hause, zogen aber den Kürzern, so daß sie sich zuletzt über Gartenhecke^ Hznd Zäune flüchten mußten. Die Untersuchung ist eingeleitet: doch sind die Soldaten der Ueberzeugung, wenn es sich um eine Keilerei gegen Bürger handle, würde von ihren Behörden nicht so streng gegen sie verfahren.

Hadersleben, 6. Oktbr. Es kehren fortwährend deutsche Geschäftsreisende, die sich nach Jütland und Fühnen be­geben haben, von dorther zurück und stimmen alle darin über­ein, daß man sich ungefährdet dort nicht aushalten könne. Einer mußte sich zu Fuß von Bogense aus dem Staube ma­chen und erhielt in Odense von dem Polizeimeister, Kammer­junker Klaumann, die Weisung, sich sofort aus der Stadt zu begeben, da die dortige Polizei "sich nicht im Stande sehe, ihm

16. Oktober 18^8.

Schutz zu gewähren. In Aarhaus mußten mehrere Reisende des Nachts aus dem Bette heraus, um nicht ein Opfer der gegen sie gerichteten Pöbeldemonstrationen zu werden. Mehre Geschäftsreisende sind dadurch bewogen worden, theils auf hal­bem Wege wieder umzukehren, theils von hier aus nicht wei­ter zu reisen. In Naskov fand man des Morgens den Kauf­mann Schüler aus Lübeck todt im Bette liegen, nachdem man ihn den Abend zuvor dadurch zu ärgern gesucht hatte, daß man ihm eine, als Boot geformte Gurke mit der deutschen Tri­kolore en miniature präsentirte. Von einigen Jachien, die hier im Hafen liegen, sah man heute früh, am Geburtstage des dänischen Königs, dänische Flaggen wehen, die jedoch sehr bald, nach dem Einschreiten des Bürgermeisters, wieder gestri­chen wurden. Patrouillen werden fernern Demonstrationen vorzubeugen wissen.

Der heute Nachmittag ausgebliebene Wiener Anschlußzug, schreibt dieSchles. Ztg." aus Breslau, 10. Okt. 10 Uhr Abends, ist mit dem oberschlesischen Abendzuge angelangt, und mit demselben angekommene Reisende berichten uns, daß Wien bei ihrem Abgang zwar noch ruhig, aber in banger Er­wartung der kommenden Ereignisse war. Alles, was fliehen kann, flieht. Gegen 1500 Personen drängten sich gestern nach dem Elsenbahnhofe der Nordbahn, und auf diese Weise ver­spätete sich der Zug.

Das sämmtliche Proletariat Wiens und der Umgegend befindet sich in der Stadt, vollständig bewaffnet; in jedem Au­genblicke kann es sich auf die Besitzenden werfen und die Anar­chie auf die schrecklichste Spitze treiben. Darum ist auch die Stimmung der Wiener Radikalen eine äußerst gedrückte. Sie sehen sich inmitten eines Sturmes, den sie heraufbeschworen haben, ohne ihn bemeiftern zu können.

An das Zustandekommen eines Ministeriums ist noch gar nicht zu denken, da bisher Alle, denen man ein Portefeuille antrug, es zurückwiesen , und zwar in der Ueberzeugung, daß im Augenblick jeder Minister unter dem Strange steht. Der übrige Theil der Bevölkerung, zunächst die Besitzenden, blicken mit hoffnungsvoller Erwartung so weit ist es gekommen auf die Geschützmündungen, die jede Minute den Schrecken der Belagerung in die Stadt schleudern können. Und in der That wird das Bombardement erwartet. Die Verbindung der Stadt mit den Vorstädten soll aufgehoben und die Thore sollen geschlossen seyn. Dadurch dürfte sich die Nachricht von der Rückkehr der übergegangenen Soldaten zu ihren Fahnen min­destens zweifelhaft stellen.

Der Kaiser ist zwölf Meilen westlich von Wien, bei Klo­ster Mölk, von den Bauern umlagert und dringend gebeten worden, Oesterreich nicht zu verlassen. Er soll die Bitte ge­währt und den Minister Hornbostl zu sich beschieden haben, der beim Abgänge des Zugs noch nicht nach Wien zurückge­kommen war.

Wien, 9. Okt. (O. P.-A.-Z.) Wir leben hier unter der tyrannischen Schreckensherrschaft. Der Mord bleibt unge­straft, der Mörder rühmt sich in großer Versammlung seiner That, fragt zweimal,war das nicht recht?", und Niemand wagt es, mitNein" zu antworten. Das Gleiche kann jeden Augenblick wieder geschehen, wir hängen rein von der Gnade des bewaffneten Pöbels ab, der schon jetzt anfângt, nach Personen zu suchen, die ihm mißliebig sind. So sind bewaffnete Arbeiter in die Häuser der Mitglieder des konstitutionellen Vereins gedrungen. Diese Mitglieder gehören bekanntlich zu den achtbarsten Personen Wiens. Aber grade diese sind am meisten verfolgt. Jeder Besitzende, ja fast jeder Gebildete wird mit dem NamenSchwarzgclb" belegt und dann hält man ihn für vogelfrei; jeder Ehrgeizige, leder Wühler legt die deutschen Farben an und glaubt damit Rohheit und Verbrechen zu heiligen. O mir blutet das Herz, den deuffchen Namen so entweiht, so mißbraucht zu sehen!

Wien, 10. Okt. (P.-T.) Hinter den 2000 Kroaten sind nach zuverlässigen Angaben 13,000 Sereczaner. So eben wird im Reichstage gemeldet, daß 15,000 Magyaren sich bei Preß­burg einschiffen'lassen, um dem Wiener Volke, wenn es nöthig, zu Hülfe zu kommen. Nationalgarden von Brünn , Baden, VöSlau und den umliegenden Ortschaften rücken in die Haupt-