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thor besetz, indem sie zugleich die Patrouille für die Umgegend dieses Thores und der Friedrichsstraße abgaben. Das Garde- regiment Kaiser Alexander war in einzelnen Abtheilungen ver- theilt, die ihre Plätze öfters wechselten, doch hielten sie im Ganzen die Königsstadt inne, während das Garderegiment Kaiser Franz sich nach dem Potsdamer Thore und der Wil­helmsstraße hin vertheilte. Das Regiment Garde-du-Corps hielt den Schloßhof besetzt und die innern Gänge und Säle des königlichen Palastes. Das Regiment Gardeschützen hatte die öffentlichen Gebäude, die Bank, die Seehandlung u. a., zur Bewachung erhalten, und die fliegenden Korps der Garde- Uhlanenregimenter zeigten sich bald hier, bald dort, um zu re- kognosziren, und Rapporte abzustatten. Offiziere der höheren Grade durchritten mit ihren Begleitern die Stadt nach allen Richtungen. Es herrschte auf wenige Stunden am Vormittage eine dumpfe, unheimliche Schwüle inmitten dieser aufgeregten Bevölkerung.

In diesen Stunden war es, wo der König sich entschloß, mit seinen freien Institutionen hervorzutreten.

Es sollte die Konstitution dem Volke gegeben werden.

Die Freiheit der Presse sollte gewährt werden, das Recht, Versammlungen zu halten, das Recht der freien Rede, die Bolkswahlen.

Diese Entschlüsse waren schon lange in der Seele des Königs gereist, der sich zur Aufgabe gestellt hatte, die Zusagen seines Vaters der Nation zu erfüllen.

Der Ministerrath war auf dem Schlosse versammelt, die Prinzen des königlichen Hauses, die obersten Würdenträger der Waffenkorps. Im Laufe des Tages füllte sich das Schloß immer mehr. Je bedrohlicher die Zustände wurden, um desto mehr fühlte sich der ächte Patriot gedrängt, in der Nähe sei­nes Königs zu seyn. Viele aber suchten auch Schutz unter der Aegide des königlichen Hauses.

Aus den Provinzen langten Deputationen an.

Die Verwirrung innerhalb des Schlosses wuchs, je lär­mender sich die Auftritte außerhalb gestalteten.

So kamen die ersten Stunden des Nachmittags heran.

Eine unzählige Menge hatte sich auf dem Platze vor dem Schlosse versammelt, und zwar stauten sich die Massen beson­ders nach der Seite der Kurfürstenbrücke zu. Von der Brücke her flossen immer neue Ströme zu. Ein summendes, dunkles, verwirrtes Gedränge ein Hin- und Herbewegen einzelner' Theile dieser ungeheuren Mosaik von Menschenköpfen, aus denen hier und da ein Mann zu Pferde hervorragte, von dem man nicht wußte, ob er zu dieser Masse gehöre, oder ob er in seinem Vordringen hier mit Gewalt zurückgehalten werde. Ein­zelne Männer wurden auf den Schultern ihrer Nachbarn em- porgehoben, und man sah die auf diese Weise erhöhten Gestal­ten sich zu der Menge wenden und Worte, von leidenschaft­lichen Gebärden begleitet, sprechen, die man nicht verstand,

weil der dumpfe, grollende Lärm immer stärker anwuchs. 2 kolossale Kandelaber, der ein Bouquet von Laternen trägt u sich auf der Mitte des Platzes erhebt, war bekleidet mit ein traubenartigen Behänge von an einander haftenden Mensch körpern, die sich anklammerten, um den Platz zu übersehen l das Schloß im Auge zu behalten. Alle Fenster der Hân am Platze, selbst die Dächer waren mit Köpfen besetzt.

Der König erschien auf dem Balkon.

Eben ein dumpfes, dem fernen Donner gleiches Getöse jetzt eine athemlose Stille.

Diese Tausende von Augen richteten sich alle auf eh Punkt, diese Tausende von Ohren strengten sich an, den le sten Laut zu vernehmen, der von jenem Punkte herkam.

(Fortsetzung folgt.)

Miszellen.

Das berühmteChandosportrait" Shakespeare's das eimi authentische Bildniß des Dichters, das es gibt ist kürzlich auf der A tion der Kostbarkeiten des insolventen Herzogs von Buckingham-ChandoS Stowe, für 355 Guineen (2500 Thaler) an den Grafen v. Ellesmere n schlagen worden, der es als schönste Zierde dem Shakespearezimmer int neuen Bridgewaterhonse int Greenpark zugedacht hat. Die Geschichte di Bildnisses ist bis zu Sir William Davenant, einem jüngeren Zeitgem und Liebling Shakespeare's (als dessen Sohn er sogar von manchen an gest worden), zurückzuführen, der es dem Schauspieler Betterton überlassen, dem es auf die Schauspielerin Barry überging, die eS für vierzig ®uii an den Advokaten Robert Keck verkaufte. Von diesem erwarb es der« Herr Nicholl, dessen Tochter und Erbin der Herzog von ChandoS Heirat seit welcher Zeit es in dieser Familie verblieb und auch den Namen Eh dosportrait erhielt. Der berühmte Maler Kneller hatte dieses Bildniß Jahre 1692 für John Dryden kopirt, der dem Künstler dafür durch seiner schönsten Episteln danket, doch soll weder diese noch eine der vn später gemachten Kopieen, nach welchen die bekannten Kupferß und wie es scheint auch die Stratforder Büste Shakespeare's angestü wurden, dem Originale ganz ähnlich sein. Das auf Leinwand geint Bild ist zweiundzwanzig Zoll hoch und achtzehn Zoll breit. Das Gesicht ernst und gedankenvoll, das Auge voll Feuer und das Haar von schm brauner Farbe; die Brust ist von einem schwarzen Gewände bedeckt, i welches ein weißer Halskragen fällt, dessen Schnüre vorn aufgebunde» ß im linken Ohre befindet sich ein goldner Ring. Das Gemälde scheint einig male restaurirt worden zu seyn und besonders der gelbe Grund, der- Kopf in ovaler Form umgibt, scheint aus Kneller's Zeit zu stammen. 6 Kritiker imAthenäum" ist jedoch der Meinung, daß auch dasChait Porträt" nicht das Original, zu welchem Shakespeare selbst gesessen, fort nur eine für Sir William Davenant veranstaltete Copie sey. Nur scheint unzweifelhaft, daß bis zu den Zeitgenossen des Dichters zurück Ü Bildniß als ein sehr ähnliches angesehen worden.

Theater zu Wiesbaden.

Sonntag den 15. Okt. Preziosa. Schauspiel in 4 Akten - Wolf, Musik von C. M. v. Weber. Gastrolle: Preziosa Frl. FH^ Wagn er.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.