Seine Tante, Vertraute seines geheimen Schmerzes, und fürchtend, daß der schöne Anatole einen Sturz seiner stolzen Hoffnungen nicht ertragen [sönne, wendete geschickt alle ihre höheren Protectionen an, lief zu einer Operntänzerin, die sie in allen neuen Ballets mit Blumen bekränzte, deren Gedächtniß jedoch im Punkte ter Bezahlung wenigstens ebenso leicht war als ihre Beine; und da sie für Guirlanden und Blumenbouquets einen sehr billigen Preis machte, so erhielt sie durch die Gunst, deren die Künstlerin bei einem alten Garde- General sich erfreute, die so sehnlichst gewünschte Einladung sür ihren herrlichen Neffen.
So also erlangte Herr Anatole Simonet die Ehre, mit Sr. Maj. dem Kaiser Napoleon, König von Italien und Protektor des Rheinbundes, einen Abend zu verleben.
Anatole ist jedoch nicht die einzige Person dieser Geschichte, die wir im Hotel-de-Ville wiederfinden.
Ein Mann im reiferen Alter, dessen Züge das Gepräge langer Leiden trugen, geschmückt mit dem Großkreuz der Ehrenlegion und mit den höchsten Insignien der Armee bekleidet, erregte allgemeine Aufmerksamkeit und Neugierde.
Dieser Mann war in Folge eines großen Sieges unter die Zahl der Schlachtopfer des Kampfes gerechnet worden. Paris hatte ihn todt geglaubt, und mit größter Freude sahen alle Freunde des französischen Ruhmes den Marschall d'A... auf dem Balle des Seinepräsekten wieder.
Der Herzog war nach drei Monaten, in denen er genesen war, nach der Hauptstadt zurückgekehrt/ aber während dieser Zeit hatte er tief über die grausamen Ereignisse in Spanien und die ihm gemachten Enthüllungen nachgevacht, deren Beweise nicht mehr in seiner Hand waren.
Er faßte damals einen schrecklichen Entschluß, den nur die Zeit allein zur Ausführung bringen konnte und den nur ein so energischer Geist, als der seinige, fassen konnte . . . Er hatte sich geschworen, die Qualen, die ihn verzehrten, für sich allein zu behalten, nie etwas davon zu äußern, sie selbst den Augen der Herzogin zu verbergen.
Seine Briefe hatten die Herzogin fast wieder beruhigt... er sprach ihr von seiner Krankheit .. . von der Szene bei Astorga, wie von einem fürchterlichen Traume, den er in einem Anfalle heißen Fiebers herbeigeführt habe, wo er sie neben sich sehend, in seinem Delirium. . . die Beute einer furchtbaren Eifersucht, sich von ihr verrathen geglaubt habe, und sich erinnere, wie er sagte, seine Tollheit so weit getrieben zu haben, daß er die Beweise ihrer Schande in ihrer Anwesenheit gesucht habe.
Baptist, sein vertrauter Kammerdiener, Hatch den Befehl empfangen, niemals des Besuches der Marschallin in Spanien zu erwähnen und diese bezahlte späterhin den Diener ihrerseits, damit er niemals dem Herzog ihre heimliche Reise enthüllen solle.
Seit einigen Tagen zurückgekehrt, hatte der Marschall bei
seiner Frau die in seinen Briefen begonnene Rolle fortgespielt und während er äußerlich eine Geistesruhe zeigte, die seltsam mit seinem Innern kontrastirte, sammelte er täglich, ja stündlich Alles, was ihm über den Verrath Gewißheit geben und ihm den Mitschuldigen Stephaniens verrathen könnte.
(Fortsetzung folgt.)
~ Das Vaterland
(Fortsetzung).
Hätte der junge Pfarrer seine Mutter bei sich haben können, wahrlich so würde weiter nichts an seinem Glücke gefehlt haben, als daß sein Vater zur Einsicht gekommen wäre, wie verkehrt er handele, solchen Groll auf einen so guten Sohn zu werfen! So lange aber sein Vater lebte, wm weder an das Eine, noch an das Andere zu denken. Da nun Theodor keine Schwester befaß, die ihm hätte die Sorge des Hauswesens abnehmen können; so mußte er, wohl oder übe!, an's Heirathen denken. That er nun auch manchmal so, als wäre es bloß die reine Nothwendigkeit allein, welche ihn zu diesem Schritte brächte; so betrog er sich in der That seH, denn sein Herz war nicht mehr so frei, als er es dachte. In dem Dorfe wohnte die Wittwe des verstorbenen Pfarrers mit ihrer Tochter, welche, obgleich schon etwas über das Alt«
hinaus, das hcirathslustige Frauenzimmer nicht gerne üben schreiten möchten, doch noch in voller Schönheit blühte. Sie war die einzige Tochter des verstorbenen Pfarrers, welcher in höherem Alter erst den Bund der Ehe geschlossen hatte unl trotz der Kränklichkeit, welche ihn seit den fünfziger Zahm befiel, keine Mühe scheute, um den einzigen Sprößling sei» Ehe in Allem zu unterweisen, was den Geist edler Fram zieret. Die Erziehung in allen andern Erfordernissen der weil» lichen Bildung übernahm die Mutter und zwar mit einem [i günstigen Erfolge, daß Mathilde Frobiger nach einstimmigem Urtheile gleich geschickt war, sowohl in höheren Zirkeln ju leben, als in der einfachen Sphäre eines ländlichen Haushaltes zu wirken. Gesunde, unbeugsame Lebensweise, Bewegmz in freier Luft, innere Zufriedenheit und ein stets hellem Sinn übten aber eine solche erhaltende Kraft über Mathilde» aus, daß ein Jeder sie noch in dem ersten Stadium ihm Entwickelung glaubte und daß so leicht keines Menschen Bilk sich in ihren Augen von untadeligem Blau spiegelte, ohne das er von ihrer ganzen Erscheinung wäre betroffen gewesen.
Theodor, welcher Gelegenheit hatte, Mutter und ToD
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Mathilde und keine andere die Frau sey, welche für ihn passt gra Seinen Entschluß theilte er sogleich seiner Mutter mit, da teré
ihn in einem Briefe, welchen sie vor ihrem Gemahl und ihre» wd Söhnen geheim hielt, durchaus billigte und Gottes Segen aas 'n den Ehebund herabflehte, bei dessen Schließung unabänderliche! ach Verhinderung wegen sie nicht anwesend seyn könnte. ^ ^1