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rett I gegebenen Protest der Minderheit des Verfassungsausschusses I die Erklärungen Beseler's und durch eine heftige Beru- der Linken auf die Geschäftsordnung, wodurch Beseler Wort vor der Abstimmung abgeschnitten wird. Zur An- «ahme gelangten dennoch die Anträge des Verfassungsaus- schusses (Beseler's):

1 den noch nicht berathenen Theil der Grundrechte vorläufig zurückzustellen, damit die Abschnitte über Reich undReichö- gewaltzur Entscheidung kommen;

denjenigen Theil der Grundrechte aber, welcher nachScho- der's Anträge nach der zweiten Berathung verkündet werden soll, zur Revision und zur schleunigsten Vorlage eines Ein- sährungsgesetzes an den Verfassungsausschuß zurückzuweisen. Endlich

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für den vorgelegten Theil der Verfassung, sowie bei den Grundrechten eine zweite Lesung zu beschließen und der Be- mthung, vorbehältlich der Erledigung der Grundrechte, regel­mäßig in der Woche drei Sitzungen zu widmen. Die Be­rathung der Verfassung soll mit nächstem Montag begonnen werden.

Die zweite Nummer der Tagesordnung, daß nach dem Zerschlage des Petitionsausschusses eine große Anzahl von Pe­titionen zu den Akten genommen werden solle, wird durch eine rasche Abstimmung beseitigt, dann folgt die Berathung über Schoder's Antrag auf Verminderung der Zivillisten. Der Verfassungsausschuß (Scheller, Berichterstatter) will dem Wrage keine Folge gegeben sehen, und daß ihn dieß schmerze, verhehlt Schoder nicht, als er das Wort erhält. Seine Liste der Prozente, welche die deutschen Höfe von den Landesein- nchmen verschlingen, vermehrt der Redner um die Angabe, daß in Hessen-Homburg die Zivilliste sogar 33 Prozent der gesaniliiten Finanzen betrage. Es eristire eine bekannte Bro­schüre:das Rechenerempel". Diese mache am meisten für die Republik Propaganda. Die Nationalversammlung solle es nicht dem alten Bundestage nachthun und sich wie dieser in­kompetent erklären, wenn es die Rechte des Volkes zu schü­tzen gälte.

Römer bemerkt sehr richtig, daß sich Schoder eine unnütze Mühe gegeben habe, den materiellen Umfang der Zivillisten ichuweisen. Allein wenn auch die Nationalversammlung den Wunsch hege, diese Ausgaben vermindert zu sehen, so sey sie ch nicht im Stande, ihn durchzusetzen, denn die Zivillisten M eine Angelegenheit der Einzelnstaaten. Radikal könnte Aigens auch die Verminderung der Zivillisten nicht wirken, jmdrrn etwas anderes sey dazu erforderlich: großartige Me- dMißrungen! (Lebhaftes Bravo.)

Vischer von Tübingen spricht für Schoder's Antrag,*) Mn er sehr mild findet.

Michelsen hingegen beweist, es sey eine juristische Verkehrtheit, was Schober fordere. Die Zivilliste sey ein ver- stagswäßig erworbenes Recht, welches man nicht einseitig und Mürlich schmälern dürfe, daher auch Schoder sehr richtig von inet Verzichtleistung gesprochen. Aber auch eine solche Ver- sileistung dürfe man Niemanden abnöthigen wollen, auch chl durch einen moralischen Zwang.

Gottschalk, einer der schreiendsten und unbeholfensten ftner, die bis jetzt int Hause laut geworden, ersucht im Jn- W der Ruhe, der Einheit, des Friedens um einen andern; â ten vom Ausschusse vorgeschlagenen Beschluß. Beziehent­lich stellt er einen Antrag dahin: daß der Gegenstand einem

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neuen Ausschüsse zur Begutachtung übertragen werde, und fchßterlnngt namentliche Abstimmung.

Damit auch der heutigen Sitzung ihre leidenschaftliche rajkzene nicht fehle, benutzt Schlöffel eine Aeußerung Michel- igtxd's vonschlesischem Naturrecht" dazu, die Rednerbühne für ch in Anspruch zu nehmen, als habe er eine persönliche Än- tlegenheit in's Klare zu setzen. Der Präsident entzieht ihm 8 Wort und befiehlt ihm, die Tribüne zu verlassen. Schlöffel Wt darauf, er sey persönlich von Michelsen angegriffen »rden.Es war weder vorher noch nachher von Ihnen die che!« Aber von der Provinz Schlesien!Nun, bei Ott. Sie sind nicht die Provinz Schlesien!"

Nachdem Scheller für den Ausschuß zum Schluffe gespro- in/ erfolgt die Abstimmung. Sie entscheidet sich nach dem

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i »Die Nationalversammlung wolle ihre feste und unumwundene Ueber­zeugung dahin aussprechen, daß in denjenigen Ländern, wo die Lei- uungen des Staates für den Regenten und seine Familie (Civilliste, otadel- und SustentationSgelder, Apanagen it. s. w.) nicht in richti- r - ihm Verhältnisse mit den Kräften des Volkes stehen, eine gleich- tol Ogldig e Verzichtleistung des Regenten und der betreffenden Ange- idjl Origen seiner Familie auf einen entsprechenden Theil der ihnen nach

^11 bis jetzt bestehenden Gesetzen aus der Staatskasse zu leistenden Gelder dringend nothwendig sey."

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Erachten des Ausschusses, daß über den Schoder'schen Antrag zur Tagesordnung übergegangen werde. °

Frankfurt, 11. Okt. Kaum ist v. Vincke als Parteiführer der Rechten aufgetreten und alle Angriffe der Linken richten sich auf ihn; innerhalb und außerhalb der Paulskirche kom­men Invektiven gegen diesen rüstigen Kämvfer. Wie Man­cher schärft jetzt seine Worte zu kleinen Seitenhieben gegen die unerschütterlichen Grundsätze des Mannes, welcher einer der Ersten vor einem Jahre mit Kühnheit vortrat und Worte im Berliner Königsschloffe sprach, die in ganz Deutschland wiedertönten. Damals wurde man nicht so gar leichten und wohlfeilen Kaufs einVolksmann" undFreiheitsheld." Es gehörte noch ein wenig Muth dazu mehr als Mancher von denen, die Alles was rechts sitzt ächten und verdammen möch­ten, besitzen dürfte. Als neulich Herr Schoder sein hochtraben­des Roß bestieg, um so gar feierlich von oben herab alle möglichen leichtsinnigen und böswilligen Absichten dem Führer der Rechten unterzuschieben, welchen er selbst zu persönlichen Aeußerungen veranlaßt hatte, als er eine so gar großartige, erhabene Positur annahm, da fragten wir uns ganz leise: was und wo mag nur dieser große Mann damals gewesen seyn, als Vincke im weißen Saale in Berlin seine Landtags­rede hielt?" (D. Z.)

Berlin, 10. Okt. Unsere Radikalen triumphiren über den bisherigen Verlauf der Wiener Vorgänge, als habe ihre Sache dort bereits einen unbestreitbaren Sieg davongetragen. Die Besonnenen sehen die eigentliche Lösung Knotens noch als bevorstehend an und machen sich auf einM Ausgang der blutigsten Art gefaßt. Von hier aus ftiiT Befehle nach Schlesien gegangen, an der mährischen Grenze ein Trup­penkorps zusammenzuziehen. Truppen aus Pommern und der Provinz Sachsen sollen zum Ersätze der geschwächten Garniso­nen nach Schlesien nachrücken. Auch ist fast allgemein hier die Ansicht verbreitet, daß die an der galizischen Grenze aufgestell­ten russischen Truppen demnächst die Grenze überschrei­ten werden.

Aus Brandenburg wird von einer Soldaten- emeute berichtet. Ein Unteroffizier wurde wegen eines nach der Meinung der Soldaten ihm unverschuldet zur Last geleg­ten geringfügigen Dienstvergehens in Arrest geschickt. Etwa hundert Soldaten zogen vor das Haus ihres Majors und brachten ihm eine Katzenmusik. Ge teral Hanneke kam hinzu und beschwichtigte die aufgebrachten Mannschaften. Sie stell­ten hierauf ihre Forderungen : die Kriegszulage, Entlassung der Reserven, Weglassung des Gepäcks beim Ererziren rc. Der General veranlaßte die Wahl von vier Vertretern, um mit ihnen zu verhandeln, und versprach, sich für die Bewilli­gung ihrer Forderungen höhern Orts zu verwenden.

Der Preußische Staatsanzeiger enthält folgenden aller­höchsten Erlaß vom 9. Okt. 1848, die Amnestie für alle in der Provinz Posen bis zum 1. Juli b. I. begangenen poli­tischen und damit in Verbindung stehenden Vergehen und Verbrechen betreffend: Nachdem die letzte Insurrektion im Großherzogthum Posen völlig gedämpft worden, will ich zum Zwecke der Herbeiführung einer gänzlichen Pacifikation der Provinz und Versöhnung der beiden dieselbe bewohnenden Volksstämme und mit Rücksicht auf die in dem Berichte des

Staatsministeriums vom 9. d. M. hervorgehobenen sonstigen Motive für alle in der Provinz Posen bis zum 1. Juli d. J. begangenen politischen und damit in Verbindung stehenden an­dern, insbesondere die zum Zwecke oder bei Gelegenheit der Unterdrückung des Aufstandes begangenen Vergehen und Ver­brechen Straflosigkeit und Verzeihung hiermit eintreten lassen. Gegen unmittelbare Staatsbeamte sowie gegen Offiziere, Geist­liche und Lehrer an öffentlichen Schulen, welche sich bei der Insurrektion betheiligt haben , soll zwar die gerichtliche Unte^ suchung eingeleitet und beziehungsweise fortgeführt, jedoch keine härtere Strafe als die Dienstentlassung erkannt werden. Sanssouci, 9. Okt. 1848. Friedrich Wilhelm, v. Pfuel. Eichmann, v. Bonin. Kisker. Graf v. Dönhoff. Für den Minister der geistlichen Angelegenheiten: v. Ladenberg.

Prag, 9. Okt. Um halb 2 Uhr in der Nacht ist folgende telegraphische Depesche von Wien eingegangen unv hier veröffentlicht worden: Der Minister Hornb ostl ist von Sr. Maj. zur Gegenzeichnung der allerhöchsten Befehle unter Heu- "----- das Höflager nach Sleghartskirchen berufen

ry, k. k. Gubernialpräsivent. (Sieghartskir-

tigem Tage an das Hoflager nach VlegyartSNrcheu oerusen worden. Mecsery, k. k. Gubermalprasivent. (Sieghartskir- chen, volkssprüchlich Sitzkirchen, liegt 2 Posten westlich von Wien auf der Straße nach St.Pölten.)

Wien, 9. Okt. JmzReichstag erfuhr man erst gestern Abend, welche Richtung der Kaiser eingeschlagen hatte, da der