sich als Geschichtsschreiber, Philosophen, Dichter und Geistliche ausgezeichnet.
Die Gefühle der Eltern waren sehr verschieden, als Theodor von der hohen Schule nach langer Trennung zurückkehrte. Die Mutter dachte an gar nichts anderes, als die Wonne, ihren Liebling wieder bei sich zu haben, der Vater aber machte von vornherein Plane, wie er seinen Jüngsten, trotz dem, daß er den nach seiner Ansicht dummen Streich gemacht hatte, Theologie zu studiren, möglichst gut anbringen wollte. Es dauerte wirklich nicht lange, so hatte er ihm einen Plan gemacht, denn der Graf von L., welcher eine sehr reiche Pfründe zu vergeben hatte, die eben erledigt war, hatte sie demjenigen zugesagt, der die Tochter des verstorbenen Pfarrers heirathete, welche nicht allein hinkte, sondern auch, was bei weitem höher anzuschlagen war, nicht den besten Leumund hatte. Ein darauf hindeutender Antrag, welchen der Vater seinem Sohne machte, war aber in zwiefacher Hinsicht unausführbar; denn eines Theils wollte Theodor durch keine Hinterthür in ein Amt schlüpfen, andern Theils wollte er sein Lebensgeschick nicht an eine Frau fesseln, vor welcher er keine Achtung haben konnte. Er wies also den Antrag mit aller Entschiedenheit von sich, erbitterte aber trotz der höflichen Ausdrücke, deren er sich bediente, den Vater dergestalt, daß er erklärte, einen solchen dummen Teufel von Sohn, dem auf keine Weise zu helfen sey, erkenne er gar nicht mehr als Sohn an und werde seine Hand gänzlich von ihm zurückziehen. Ja, er fügte drohend hinzu: er werde den ungehorsamen Sohn enterben und die Maßregeln so ergreifen, daß seinem jüngsten Sohn nicht einmal das Pflichttheil von seinem großen Vermögen verblieb. Dieser Groll, den der Vater gegen Theodor hegte und der den Sohn wirklich aus dem elterlichen Hause brachte, häufte große Kümmerniß auf das Haupt der Mutter, welche nicht nur ihres Sohnes beraubt wurde, sondern es gar erleben mußte, daß derselbe in seinem Erbtheil auf eine so schmachvolle Weise verkümmert werde. Doch Theodor sprach ihr Trost ein, indem er ihr sagte, daß er nicht nach mehr strebe, als zum Leben erforderlich sey und so viel werde ihm leicht zu Theil werden, und daß er hoffe, in der Nähe eine Anstellung zu erhalten, so daß er also häufig die Mutter in seinem Hause sehen könne, wenn ihm auch der Groll des Vaters verbiete, zu ihr zu kommen.
Wirklich war ihm von dem Grafen R. eine kleine Pfründestelle in der Nähe von Worms angeboten, die er mit Freuden annahm. Nun war er glücklich am Ziele seiner Hoffnungen angelangt. Er konnte jetzt einmal anwenden, was er während so langer Zeit eingesammelt hatte, er konnte jetzt Das aus- sprechen, wovon ihm das Herz so voll war, er konnte für Christenthum und geistige Fortentwickelung der Menschheit begeistern und konnte auf eine Masse von Menschen geistig einwirken, welche mit Freuden seine Rathschläge aufnahmen. An
Eifer ließ er es denn auch nicht fehlen und er bedurfte dessen um so mehr, da sein Vorgänger wegen seines hohen Alters und seiner Kränklichkeit gar manches hatte gehen lassen, wie es konnte. Das Kirchspiel kam aber bald durch die Hingebung des jungen Pfarrers für sein Amt bald zur Einsicht, daß ihm durch denselben kein gering zu achtendes Glück zu Theil geworden und ersetzte durch Liebe und Zuvorkommenheit, was dem Pfarrer etwa an Glücksgütern abgehen mochte. Von den Entbehrungen, welche ein junger Mann, der in guten Verhältnissen erzogen ist, auf einem einsamen Dorfe erdulden muß, zumal wenn das Einkommen gering ist, hatte Theodor keine Vorstellung gehabt. Es kamen ihm die neuen Verhältnisse anfangs etwas ungewohnt vor, jedoch je mehr ihm sein Amt am Herzen lag, um so weniger Gewicht legte er auf Aeußerlichkciten. (Forts, folgt.)
Miszelle«.
— Die in Braunschweig erscheinende „Reichszeitung" erzählt in einem Briefe aus Hannover eine so furchtbare Schandthat, die in dem Kriege mit Dänemark an hannoverschen Soldaten, wahrscheinlich von dänisch- redenden, nordschleswigschen Banern verübt sein soll, daß wir der Erzählung, welche sich auf mündliche Mittheilung der aus Schleswig zurückgekehrtm Soldaten beruft, doch vor der Bestätigung keinen Glauben schenken können, 'Man lese und schaudre: „In den Armeeberichten über das Gefecht am 28. und 29. Mai bei Sundewitt finden sich unter den Verlusten hannoverscher SeitS unter andern vom 3. leichten Bataillon (Goslarsche Jäger) als »ermißt anfgeführt — ein Unteroffizier und sechs Soldaten. — Was meinen Sie nun wohl, wie man sechs dieser Soldaten wieder gefunden hat? Nicht etwa als dänische Gefangene, nicht etwa im Sumpfe versunken, übergerittei ic.? Nein. „Als das Korn gemäht wurde im SchleSwigschen, fand man; diese sechs hannoverschen Soldaten, die Füße zusammengebnnden, die Härte, auf den Rücken gebunden, dabei einen Knebel im Munde, auf daß aM | Hülfegeschrei ihnen unmöglich gemacht werde, todt, ohne Spur äußern Wunden an den halbverweseten Leibern. Also dem jammervollsten Hunger- tode waren sie überliefert worden, unsere Brüder von den Gottlosen, dem sie als Gefangene in die Hände fielen!! Die Meinung aber der Soldatei, die dies hier erzählten, war einstimmig, daß diese Gräuelthaten nicht « dänischen Soldaten, sondern von nordschleswigschen dänischredenden Bauern verübt worden sey, bei denen die Unglücklichen wahrscheinlichals Gefangnul eingesperrt gewesen, und welche dieselben gegen die etwa nachforschen»! Deutschen wahrscheinlich als entsprungen würden auögegeben haben. man aber die Entseelten noch mit ihren Uniformen bekleidet fand, beweitll genugsam, wie hier nur ein Werk des gräulichsten'Nationalhaffes und nsl menschlicher Rache, nicht der Raublust, vollbracht worden. Relata refero.l ich habe jedoch nicht die geringste Ursache an der Wahrheit des Berichts zweifeln.
Theater zu Wiesbaden.
Samstag den 14. Okt. Die Entführung aus dem Serail Oper in 3 Akten von Mozart.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.