Einzelbild herunterladen
 

ten, in welchem wir uns befinden, zwischen aufgehobenem Al­ten und nicht anerkanntem Neuen. Sowie in diplomatischer Beziehung England sich vor Allem am Feststehenden hält, so zögert der englische Kaufmann, einen Handel anzuknüpfen, wo er feine Sicherheit für seine Forderungen findet; er zieht es vor, solide Verbindungen bei konsolidirten StaatSzuständen an- zuknüpfen, als daß er Schwindeleien mit revolutionirten Völ­kern eingeht.

Sehen wir nur auf Sizilien. So lange noch Hoffnung war, daß sich die Regierung durch das Volk befestige, war noch Anerkennung von Seiten Englands zu erwarten. Doch diese, Hoffnung schwand, und schnell anerkannte der Handelsstaat England die abgesetzte neapolitanische Königsfamilic in Sizi­lien durch einen Vertrag, und sorgte nur für die möglichst scho­nende Beruhigung der Insel. , u m ,

Oder glaubt man, weil O'Connel während der Parla­mentssitzung Monstermeetings in Irland abgehalten, es sey dieses dasselbe wie die Versammlung auf der Pfingstwiese in Frankfurt und anderen Orten? O'Connel hat nur zur Peti­tion ermahnt, kein mit Mordwaffen versehener Volkshaufen hielt die Versammlung; es wurde stets Achtung vor dem Ge­setze gepredigt, und "während man das Verfahren der verant­wortlichen Minister geißelte, wurde der Königin Victoria ein Vivat gebracht. Bei uns dagegen wurde mit Flinten und Säbeln Parade gemacht, angetrieben zum Barrikadenbau, zur Vernichtung der von der Nation erwählten Zentralgewalt, zur Plünderung des Eigenthums Anderer und zum Morde der Volksvertreter, und alles dieses durch Mitglieder des Par­laments!

O'Connel wollte auf gesetzlichem Wege ein Gesetz ändern, bei uns suchte man durch Blutvergießen alle Gesetze zu ver­nichten.

Und dieses England, so reich an Gold und Einfluß in allen Welttheilen, weil es, stark in sich durch unbeugsame, frei­sinnige Gesetze, durch ungestörte Ordnung und Regsamkeit seit Jahrhunderten seinen Wohlstand mehren konnte, sollte nicht mitleidig die politischen Stümper und Phantasten unseres Va­terlandes betrachten, welche, durch Zerstörung alles Eigenthums, absichtliche Verarmung aller Klassen der Nation und deren De- moralisirung, ein Paradies der Freiheit, bevölkert mit Bettlern, schaffen wollen?

Leider bleibt uns gegen diese Vorwürfe nur eine halbe Entschuldigung. Wir haben nicht, was die Briten besitzen, eine starke Regierung und Handhabung der Gesetze, welche von der ganzen Nation aufrecht gehalten wird, um Bosheit und Tollheit zu bändigen. Aber daß wir sie nicht besitzen, ist unserer Aller Schuld, weil wenn zu dem, was dem Ganzen Noth thut, nicht Jeder beiträgt, Keiner frei von Vorwurf bleibt. 7

Zu verantworten haben dieses die Furchtsamen, welche überall eine Revolution sehen und sich verkriechen, und die Tobsüchtigen, welche ohne eine solche nicht leben können. Ihnen Allen möchte ich sagen:Wir bedürfen keiner Revolution und haben auch keine."

Es ist nur eine durch die Zeitverhältnisse gebotene Form­veränderung, in der wir uns befinden. Dieselben Kräfte kön­nen und werden auch der Nation bleiben, nur müssen sie an­ders verwendet werden, um sich desto mächtiger zu entwickeln. Nur wer die Zeit in ihrem Laufe gewaltsam aufhalten oder ihr eine verkehrte Richtung geben will, beschwört eine Revolu­tion herauf, welche nur eine Gewalt bekämpfen kann, die aus dem Vereine aller materiellen und geistigen Kräfte der Nation besteht. Diese Gewalt besitzen wir, das deutsche Volk hat sie in's Leben gerufen und sich verbürgt, sie aufrecht zu erhalten, und wird die Achtung vor sich selbst verlieren müssen, wenn es sie nicht anerkennt und achtet.

Wir stehen in diesem Augenblicke im Begriffe, entweder beispiellos wohlfeilen Kaufes zu dem großartigsten Aufschwünge unserer Nation zu gelangen, oder an einer allgemeinen geistigen Überreiztheit zu Grunde zu gehen.

Man säet Zwietracht zwischen Besitzenden und Besitzlosen, brandmarkt den Reichen, weil er reich ist, und spricht den Ar­men heilig, der Armuth halber, lähmt die Kräfte Aller, und dennoch können nur beide vereint der Nation helfen, denn die Nation besteht aus SIHeu und nur durch Alle zusammen kann das Ganze fortbestehen. Diese Vereinigung Aller kann durch nichts anders, als feste Gesetze bewirkt werden und die Hand­haber dieser Gesetze müssen Gewalt haben gegen jeden Wider­stand, den der rechtliche Sinn des Volkes für die wahre Re­volution erklären und mit Gut und Blut bekämpfen wird.

Begrüßen wir deshalb als die Morgenröthe einer glückli­

chen Zukunft die kräftigen Maßregeln, welche unsere Reichs- gewa't zur Beruhigung des Vaterlandes angeordnet hat.

I-zMainz, 10. Okt. Am letzten Sonnabend kam der Ab­geordnete der Stadt Mainz hierher und sogleich begannen wieder von Seiten seiner Freunde und Anhänger Demonstra­tionen. Es sollte ihm ein Fackelständchen gebracht werden, was aber auf Anfragen bei der Polizeibehörde durch das Mi­litärgouvernement untersagt wurde. Dr. Zitz sollte dann im Theater während der Aufführung der Operdie Stumme von Portici" durch ein Lebehoch empfangen werden, was ebenfalls nicht zur Ausführung kam, da man wohl èinsâh, daß dies Izu einer unangenehmen Gegendemonstration führen könnte und gewiß auch dazu geführt hatte. Nun forderte man in einem Maueranschlage am Sonntage früh die Bewohner von Mainz, die an den verhängnißvollen Tagen des 17. und 18. Septem­bers in Frankfurt waren, auf, für Dr. Zitz Zeugniß abzuge^ ben und im Gasthause zum Hahnerhof am Sonntag und Montag das von Zitz Gehörte und Wahrgenommene in einem Protokolle niederzulegen. Kein Vernünftiger sieht ein, was dieß nützen soll. Wird von der Nationalversammlung das Ansinnen des Frankfurter Oberappellationsgerichts, die drei Parlamentsmitglieder in Anklagezustand zu versetzen, geneh­migt, so steht diesen ja die Vertheidigung zur Seite, und jeder Angeklagte hat das Recht, Entlastungszeugen laden zu lassem Was am Abend des 16. Septbrö. vor dem deutschen Hofe ge­sprochen, was an diesem Tage an dem englischen Hofe und der Westendhalle vollbracht, was und in welchem Tone auf der Pfingstweide geredet worden, ist allbekannt. Weniger all-I gemein bekannt ist, daß gerade Mitglieder der Linken am Mor­gen des 18. Sept, das Zurückziehen der Truppen von bei; Paulskirche verlangt, daß Mehrere derselben den Reichsver weser, die Reichsminister und den Präsidenten der National­versammlung aufgefordert haben, die Reichstruppen aus Fran! furt zu entfernen. Was für Gründe konnte man für einen solchen Schritt haben? Am Morgen des 18. hatte man schon die Nationalversammlung mit Gewalt stürmen wollen, gega Mittag baute man Barrikaden und doch verlangte ein Thei der Linken den Abzug der Truppen! Man rühmt sich, bt dem Versuche zum Eindringen in die Paulskirche sey die Lin! ruhig und ohne Furcht aus dem Platze sitzen geblieben! M l ihr Leben in Gefahr? Gewiß nicht! denn man hatte ja an 16. und 17. Hept. nicht gegen sie, sondern gegen dreMigm welche für den Waffenstillstand mit Dänemark gestimmt, bi rohe Masse bethört und aufgewiegelt. Allein auch die Recht blieb ruhig sitzen, der treffliche Gagern mahnte mit kräftig » Stimme die Sitze nicht zu verlassen. Und warum waren bis ' unerschrocken? Weil sie den Muth der guten Sache, Muth des Rechtes in sich trugen.

Frankfurt, 4. Oktbr. DieRH. Volkshalle" brinz von hier folgende Mittheilungen, für deren Wahrheit zu steh« | dem Einsender überlassen bleiben muß: Ich bin im Stand | Ihnen einige Mittheilungen über den Verlauf der Unters» chungen gegen die Aufständischen vom 18. Septbr. zu machet Was man bisher nur aus dem Angriffe auf ein Thor der Paull kirche geschlossen hatte, nämlich daß es auf das Leben â s ober doch der meisten Reichstagsabgeordneten abgesehen M stellt sich jetzt als unbezweifelbare Wahrheit heraus. Wens Tage vor dem Ausbruch des Aufstandes fand eine gehest Versammlung in Frankfurt selbst statt, wo der Beschluß bud ; ging, diejenigen Abgeordneten, welche die Rothen für ihre fährlichsten Feinde hielten, d. h. gewisse Mitglieder der äuß sten Rechten (zu denen unter Andern Lichnowsky und Gc Auerswald gehörten) ohne Weiteres zu ermorden, den übrig! aber mit Ausnahme einiger Wenigen von der äußerß Linken die Wahl zwischen schriftlicher Verzichtung auf st Mandate oder dem Tode durch den Strick zu lassen. 2 r der Nacht vom Sonntag den 17. auf den 18. Sept, wurdei r Bockenheim eine zweite geheime Versammlung gehalten, W ' welcher alle Anwesenden einen Eid leisteten, daß sie best 5 seyen, obige Beschlüsse in's Werk zu setzen. '

Weiler heißt es in demselben Schreiben: Ich mache 6 j auf die Briefe von Struve aufmerksam, welche die 1 Oberpostamtszeitung" seit zwei Tagen bekannt macht. $ sind aus der zu Stauffen von den badischen Truppen erbest i ten Kanzlei Struve s entnommen. Der vorgestern verösfc" lichte zeigt blos, daß Struve und seine Mitverschworenen * den Beistand der Herren Jtzstein, Brentano, Schlöffel nJ d rechneten, ohne jedoch einen unmittelbaren Beweis von * Mitschuld dieser Männer zu liefern. Deutlicher dagegen J das gestern Abend erschienene Schreiben. Unwiderleglich K ® aus demselben hervor, daß der berüchtigte Abgeordnete i