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Nassauische

Allgemeine Zeitung

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Mittwoch den 11 Oktober

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int täalich. Der vierteljährige Pränumenrtwnspreis ist in Wiesbaden S fl., Kurfürstenthums Hessen, der Lanegrafschast Hessen-Hvmbnrg und der freien Stadt

Diè Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich für den Umfang des Herrogthums Nassau, des Großherzogthüms und ..... . M ....... . u ,------ ------

Frankfurt Ä fl. 30 kr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisscheii Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 ft. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

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Uebersicht.

Die Zehntfrage als Glaubensartikel.

Wie fou matt in einem kleinen konstitutionell-monarchi­schen Staat nicht Minister werden.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag. Die Zwangstaufe zu Brambach).

Caub (Brand). Frankfurt (Reichstag). Darm stadt (Auf­hebung des Stempels für auswärtige Zeitungen). Kable nz (Angriff auf eine Schildwache). Mannheim (Schlägerei zwischen preußischen, badischen und nassauischen Soldaten). Nürnberg (Ein gefährlicher Beamter). Zwickau (Militäremeute). Wien (Necsey zum unga­rischen Premierminister ernannt, Jellachich mit unumschränkter Vollmacht für dort bekleidet).

Schweiz. (Nachträgliche Maßregeln).

* Die Zehntfrage als Glaubensartikel

i In der gestrigen Kammersitzung erlebten wir das merk­würdige Schauspiel, daß eine Partei sich weigerte, die Rech- et I nungsnachweisungen der Regierung über die finanziellen Folgen I Zehntablösungsgesetzes überhaupt nur entgegen zu nehmen, zu prüfen, anzusehen, zu würdigen. Denn wenn eine Regie- rungsmittheilung an die Kammer geht, dann hat dieselbe doch 11,1 jedenfalls die Pflicht, alsKammer", .als moralische Person, ff! die Sache in Betracht zu ziehen, nicht aber den einzelnen ni Mitgliedern ad libitum zu überlassen, ob sie sich das Ding einmal an sehen wollen, oder nicht. Dieser formelle Punkt ist 1 in der Sitzung zur Genüge erörtert worden, und es hat uns 1; dabei nur Wunder genommen, daß von unsernAeußersten" W Keiner aufgestanden ist und die Bemerkung des Regierungs- kommissärs, die Kammer möge einenbeliebigen Gebrauch" den seiner Mittheilung machen, dahin ausgelegt hat, daß demgemäß die Kammer auch das Aktenstück sofort in den Papier­korb werfen dürfe.

j Die Sache hat aber auch noch eine andere Seite. Ist das nicht eine arge Verstocktheit, wenn man sich nicht einmal in letzter Instanz belehren lassen will, wenn man die erste, Ä auf ganz authentische Grundlagen gestützte Berechnung in

kiner so hochwichtigen Frage zurückweist, wo doch vorher schon kW ganzes Dutzend schwankender und sich widerstreitender Be­rechnungen zeigte, wie sehr man von beiden Seiten mit der Stange im Nebel Herumschlage! Ich meine, mit dem größ-

N Een Nachdrucke hätte die Mehrheit wie die Minderheit aus die w Wusste Kritik der von der Regierung vorgelegten Berechnung s dringen müssen, ich meine Jeder, welches auch feine Ansicht in

^r Zehutfrage sey, müßte sich freuen, daß nun endlich einmal '"'fester Boden für die Berechnungen gegeben sey! Aber die zur t Zehn,frage ist zur Parteifrage geworden, oder vielmehr, fit . führen. ! b es von Anfang an gewesen, und damit ist das Räthsel ge- I Jede der beiden Parteien betrachtet ihr längst feststehen- I*. urtheil als unfehlbar. Die Linke hat längst eingefeiten,

wie Großes ihr der Zehntbeschluß genützt hat, sie weiß, daß ^ dadurch einen Stützpunkt in der Masse erhalten, der ihr . er fast ganz verloren gegangen war, und die Rechte fühlt, W hier ihre Achillesferse ist. Man erwarte also keine unbe- Ln^f' klare, ruhige Würdigung. Im Gegentheil, wir sehen

r neuen Agitationen entgegen. Es handelt sich hier nicht kyr um Finanzpunkte, nicht um Rechtözustände, sondern um

einen Glaubensartikel. Die Geschichte lehrt, daß man sich in stürmischen Zeiten wohl todtschlagen lasse auf Glaubens­artikel, niemals aber Belehrung darüber annehme.

Die Schuld, welche hier vielleicht noch bis in späte Zeiten abzulösen seyn wird, datirt sich aus den Tagen der Abgeordnetenwahlen. So geht es, wenn man ein rein finanzielles und nationalökonomisches Problem benutzt, um damit die Massen zu bearbeiten, ihre Leidenschaften aufzuregen, ihre Gunst zu erobern. Macht Euch Illusionen so viel Ihr wollt, über den idealen Geist, der seit ein paar Monaten in die Menschheit gefahren, wenn Ihr sie beim Geldbeutel zu packen wißt und das verstanden die Agitatoren seit den Märztagen gar trefflich dann fahren alle Ideale zum Teufel, und der alte Adam bleibt ganz allein übrig!

*«* Wie kann man in einem kleinen kon­stitutionell-monarchischen Staat nicht Minister werden?

Vom Taunus. In größeren konstitutionellen Staaten bilden sich, sobald die politische Freiheit zu fester Begründung gelangt ist, streng geschiedene Parteien im Volk, und cs ist eine allbekannte Sache, daß die Minister aus derjenigen Par­tei erwählt werden müssen, welche sich nadTter Vertretung des Volkes in den Kammern als die stärkste darstellt. Die entschiedensten Männer der Gegenpartei greifen dann in diesen hervortretenden Persönlichkeiten ihre Gegner an, sie billigen nichts, was von ihnen geschieht, finden überall zu tadeln und arbeiten unablässig so länge fort, bis es ihnen gelungen, jenen Männern das Vertrauen bei der Mehrheit entzogen zu haben, was denn die Folge hat, daß die hervorragendsten Per­sönlichkeiten aus der seitherigen Opposition zur Leitung der Geschäfte an die Spitze berufen werden. In den Kammern kleiner Staaten wird sich nicht leicht eine systematische Oppo­sition als Vertreterin einer Partei bilden, was sich eines Theils daraus erklärt, daß das Ministerium eines solchen, in seiner

Eristenz wesentlich durch die Stellung zu anderen Staaten be­dingten Staates die Geschäfte nicht immer streng in dem Sinn einer Partei leiten kann, daher denn auch eine streng geschie­dene Gegenpartei minder grell hervortritt; andern Theils aber darin seinen Grund haben mag, daß die Volksvertreter in klei­neren Verhältnissen häufiger in den Fall kommen wurden, als in größeren Staaten persönlichen und örtlichen Rücksichten, lei­der auch eigenem Interesse mehr Einfluß auf ihre Abstimmung zu gestatten, als es der Fall seyn sollte. , Es möchte nicht schwer seyn, zu Erläuterung dieser Sätze Vorgänge aus den zur Zeit versammelten Kammern verschiedener Staaten anzu-

Wenn demnach in dergleichen Kammern sich nicht leicht eine sogenannte systematische Opposition bilden wird, so stoßen wir in ihnen doch nicht selten auf einzelne systematische Oppo-

Wird nun der Fürst eines kleinen konstitutionellen Staates einen solchen systematischen Opponenten, der eben alles, was von der Regierung ausgeht, schon um deswillen, weil es von ihr ausgehtz nicht gut heißt, wenn ein Wechsel des Ministeri­ums nothwendig werden sollte, zn Leitung der Slaatsgeschäfte berufen können? Wir glauben nicht und es will uns be-