noch in demselben Jahre an die Society of arts in London, die alsbald die sorgfältigsten Untersuchungen darüber anstellen und veröffentlichen ließ."
„Der chemischen Zusammensetzung nach bestehen die gereinigte Gutta Percha aus 86,5 Prozent Kohlenstoff , 12,4 Prozent Wasserstoff und 1,12 Prozent Sauerstoff, und der Kautschuk aus 86,9 Prozent Kohlenstoff, 12,8 Prozent Wasserstoff und 0,9 Prozent Sauerstoff. Das spezifische Gewicht der ersteren ist 0,97 und das des letzteren 0,93; beide sind in Wasser, Weingeist, Alkalien, Essig- und Salzsäure unauflöslich , verkohlen in konzentrirter Schwefelsäure, quellen auf und erweichen aber in Steinkohlenöl, Aether und ätherischen Oelen so stark, daß sie sich darin vertheilen und unvollkommen auf- lösen, und schmelzen beide bei 120° R. Hitze. — Was nun in's Besondere die Gutta Percha betrifft, so oridirt sie in Salpetersäure zu einer gelblichen, harzigen Masse, verwandelt sich im Terpentinöl in eine Helle, farblose Flüssigkeit, aus der man die reine, auflösliche Gutta Percha durch Abdampfen des Terpentinöls erhält."
Die gewöhnlich gereinigte Gutta Percha hat außer den schon genannten noch folgende Eigenschaften:
1) sie hat eine bräunliche Farbe und anfangs einen ziemlich starken Geruch nach Steinkohlentheer, den sie aber sehr bald verliert;
2) sie ist ein Nichtleiter der Elektrizität, wird aber, wie der Harzkuchen, durch Reiben und Schlagen vermittelst eines seidenen Tuches oder eines Katzenpelzes negativ elektrisch;
3) sie pflanzt den Schall ungemein leicht und vollkommen fort;
4) die atmosphärischen Einflüsse äußern nicht die geringste zerstörende Wirkung darauf;
5) sie ist im höchsten Grade brennbar, entzündet sich jedoch erst am Feuer oder bei sehr großer Hitze;
6) im Wasser, Wasserdämpfen oder Luft von 60—75° R. ist sie weich und vollkommen plastisch ohne im Geringsten zu kleben;
7) in der gewöhnlichen Temperatur hat sie die Konsistenz von Sohlleder, ist zähe, leicht biegsam, stark elastisch und nutzt sich beim Gebrauche nur wenig ab;
8) man kann ihr leicht jede beliebige Farbe mittheilen;
9) gebrochene, zerrissene oder zerschnittene Gegenstände von Gutta Percha können dadurch, daß man die Bruchflächen stark erwärmt und bis zum Erkalten fest aneinander drückt, leicht wieder ganz gemacht werden, und
10) man kann ihre Elastizität und Zähigkeit durch einen Zusatz von 3 Theilen Kautschuk auf 6 Theile Gutta Percha, oder 1 Theil Schwefel auf 8 Theile Gutta Percha, oder endlich 2 Theile Kautschuk, 1 Theil Schwefel und 6 Theile Gutta Percha beträchtlich vermehren. (Fortsetzung folgt.)
Miszellen.
— London. DaS „Morning Chronikle" entwirft Vdn der frankfurter National-Versammlung und von der Zentral-Gewalt folgendes Bild: „Die versammelten Abgeordneten erscheinen wie Schatten, die sich im krankhaften Kerzenlichte unserer krankhaften Znstände fortbewegen; der Verweser selber erscheint wie der Schatten eines Schattens: ein kronloser Monarch, dem die Insignien versagt find, und emanzipirt von der Verantwortlichkeit! des Königthums, der mimische konstitutionelle Fürst eines Reiches so luftig, als seine Macht beschränkt und illusorisch ist." Die frankfurter Ereignisse werden auch von dem „Chronikle" ganz Deutschland in die Schuhe geschoben; dieses Blatt schießt sogar: „Nach dem Vorgefallenen wäre es unnöthig, zu verhehlen, daß der große Versuch, ganz Deutschland durch einen einzigen vertretenden Körper verwalten zu lassen, gescheitert ist."
— In der am 27. Sept, stattgehabten -Sitzung des d e m o k r a t sch er Frauenvereins in Berlin unter dem Präsidium der Frau Dr. Heintz war zum ersten Mal auch Männern der Zutritt gestattet. Eigenthümlich; war der Eindruck, weniger der Rednerinnen, als schweigsamme Zuhörerinnen zu finden. Zuerst wurden die Jnterreffen der weiblichen arbeitenden Klassen besprochen und zwei diese betreffende Beschlüsse gefaßt: 1) dahin zu; wirken, daß Näherinnen für die Handlungen besser als bisher bezahlt würden; 2) eine Deputation von drei Frauen zum Grafen Schlippenbach zm senden, damit Suppen für den Winter, die derselbe auszutheilen gedenkt, auch den weiblichen Unterstützungsbedürftigen zu Gute kämen. Der Antrag einer Rednerin, künftig keine Männer bei den Sitzungen zuzulassen, würd! mit entschiedener Majorität verworfen, worauf ein stürmischer Beifall von Seiten der Zuhörer erfolgte. (Rat.-Z.)
— In Dortmund ist der Eisenbahnhofgrade auf dem Feld gebaut, roo, einst die Vehmgerichte gehalten wurden, auf der sogenannten rothen Erde.; Die große vielâstige uralte Linde , unter deren nächtlichen Schatten so manches Bluturteil gesprochen und auf der Stelle vollzogen wurde, fls^fetztin der, Mitte von Wagenschuppen und Kohlenhaufen, umlchwärmt von schnauben-; den, feuerspeienden Lokomotiven. Man hat abstchtlich diesen schönes geschichtlich merkwürdigen Baum als ein Denkmal längst vergangener Zeit stehen lassen und eine Umzäunung schützt ihn vor Beschädigung. Die Linde, des Vchmgerichts auf einem Eisenbahnhof!
■— Madrid, 25. Sept. Auch hier eine Märzerrungenschaft! Wie jveii das in Folge der Revolutionen, welche halb Europa durchbeben, erwachte Bestreben der Vereinfachung von Namen und Titel bereits nach Süden vorgedrungen ist, beweist die am 23. unter großen Feierlichkeiten stattgehabte Taufe'-der Tochter der Herzogin von Montpensier. Gedachte Prinzessin erhielt den Namen: Maria-Jsabella-Franziska v. Asis-Antonia-Luisa-Ferdi- nanda - Christina - Amalia - Philippina -Adelaida - Josepha - Helena - Henriette- Karolina - Justa - Rufina - GaSpara - Melchora - Baltasara - Malta, Herzog» von Port de Sta. Maria.
— Schöner Styl! Die „Berliner Zeitungs-Halle" läßt sich in einem l e ite n d en Ar tik el also drâuend vernehmen: „Schautauf! Unsere Feinde sind schon im besten Zuge, die Zeiten der Karlsbader Beschlüsse, der Mainzer Untersuchungs-Kodnmisfion zu erneuern; schaut auf! die Verräther der Menschheit rüsten sich, die kaum verstummten Seuszerlawinen schauriger Kerkerhöhlen, in denen sie zahllose Volksfreunde versiegen und elend verschmachten lassen, die kaum versiegten Thränenmeere über ganz Deutschland, das sie in eine große Marterkammer abermals verwandeln möchten, aus der Nacht des Despotismus herauf zu beschwören. Schaut aus! Und seid gerüstet, bleibet wach, leistet männlichen Widerstand, Ihr, die Ihr Freunde des Volkes, die Ihr Freunde des Menschenglückes und Freunde der Freiheit seid!"
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.