vermeinten, zurückgezogen; sie haben einer Klaffe von Menschen Platz gemacht, denen, versteht sich mit einigen Ausnahmen, persönliche und namentlich materielle Interessen über Alles geltem Es gibt übrigens auch gar keine Volksversammlungen mehr, sondern nur Parteiversammlungen, und diese leiden denn auch an allen Fehlern der parteilichen Einseitigkeit. Was hier zu sprechen ist, kommt nicht mehr in Frage, wohl aber, wer es am besten und schönsten im Sinne der Partei spricht. Solche Versammlungen sangen nun in unserem Nassau, zumal auf dem Lande, an, einen höchst bedenklichen Charakter anzunehmen. Die Landleute haben ein gemeinsames Interesse, das materielle Wohl, und dieses Interesse wird auf alle Weise und zu ganz verschiedenen Zwecken von den Parteihäuptern ausgebeu- iet. Wir wollen in Einzelheiten nicht eingehen; was wir aber behaupten, wird sich als wahr erweisen, wenn die nächsten Steuern erhoben werden sollen.
Wir erinnern zweitens an die vielen politischen Vereine, die sich seit den Mârztagen gebildet haben. Wäre die Sache nicht zu ernst, so könnte man sich zunächst über die große Zahl mit bitterem Spotte ergießen; denn wahrlich, fast jeder Einzelne bildet bei uns jetzt eine Gesellschaft, wenn auch gewiß nicht immer die beste. Die Witze, die wir über die vielen englischen socicties zu machen pflegten, treffen uns nun selbst. Und was haben alle politischen Vereine bis jetzt bei uns zu Tage gefördert? Lassen wir die Beantwortung dieser Frage dermalen noch ausgesetzt; es würde wieder von volitischer Unreife, Entstellung, Verdächtigung, Lüge u. s. w. die Rede sein, von Dingen, die uns zur Schmach gereichen.
Wollen wir nun das Recht der freien Vereinigung wieder aufgehoben wissen? Nein, aber wir verlangen von den Regierungen, daß sie kräftig einschreiten, wo, sey es in Volksversammlungen, sey es in einzelnen Vereinen, Widerstand gegen die Anordnungen der Behörden oder gar Aufruhr gepredigt wird. Noch haben die meisten deutschen Regierungen neben dem Rechte auch die Gewalt in Händen; mögen sie hören auf die Forderungen des Volkes, aber auch der Anarchie ernstlich entgegenarbeiten. Jetzt ist es noch Zeit; ein längeres ruhiges Zuwarten führt das deutsche Volk sicher zur Anarchie, und diese bringt entweder militärischen Despotismus oder — Fremdherrschaft.
Deutschland.
* Wiesbaden, 4. Oktbr. (Ständeversammlung.) Zoll- mann bemerkt: Es laufen Klagen ein, daß die Auswanderer ihre Verbindlichkeiten gegen die Zurückbleibenden nicht erfüllen. Die Regierung möge darum eine passende Verfügung erlassen, wie auch schon auf früheren Landtagen gewünscht wurde.
Aus der Tagesordnung steht die zweite Abstimmung über das neu revigirte Gemeindegesetz, v. Eck stellt den Antrag, zur beschleunigten Erledigung des Gesetzes möge man beschließen: 1) bei der zweiten Berathung wird ein Amendement nur dann zur Diskussion zugelassen, wenn 10 Mitglieder sich für dieselbe erklären. 2) Im Gegentheile kann der Antragsteller sofortige Abstimmung über das Amendement verlangen. 3) Wenn ein Amendement zur Diskussion gekommen ist, können Gegen- Amendements ohne Weiteres gestellt werden. Dieser Antrag wird angenommen.
Bei 8. 6 wird die früher verworfene Bestimmung der Zahl der Gemeinderäthe nach Verhältniß der Seelenzahl wieder angenommen. Bei den Bestimmungen, durch welche die Unfähigkeit zur Wahl eines Bürgermeisters ausgesprochen wird, wird die „verletzte Eibespflicht" zugefügt. Ueber das Wahlverfahren bei Gemeinderaths- und Bürgermeisterwahlen legt sw Ausschuß ein Regulativ vor. Ueber ein beschränktes Kontrvllirungsrecht der Bürgermeisterwahl ßurch die Regierung nochmals weitläustig verhandelt und das Amendement Großmann angenommen, welches der Regierung das Bestatrgungsrecht einmal zugesteht. (Ein ganz ähnliches Amendement hatte der Abg. Zoll mann bereits bei §. 7 ge# Feldgerichtsschöffen wird im §. 27 die „so- strichen Fällbarkeit" für Führung der Hypothekenbücher ge# m^jP' Wollt ihr in 4 Wochen Russen in Kö- und Breslau haben, dann treibt nur euer Unwesen ^ rothe Republik! Das möchte ich den Musen, welche dem Reichskanarienvogel Der Radetzky ist ein Russischer Gesandter mit einem §?*Ä Md â Silage angetanen, in Neapel hat Thersides Chreptowitsch des Könias Faust und bet?" Metternich ist auch nicht in London, um i großen Winterschlaf anzutreten; wie es in Skandinavien
steht, wissen wir, und daß Frankreich sich lieber seinen Generalen unterwirft, als einem Konvente, ist durch die neuesten Ereignisse bestätigt. Unsere Freiheit, welche wir mit Recht verlangten, werden wir so lange erhalten und ausbilden nach unseren Bedürfnissen, als wir nach allen Seiten hin gerecht sind. Fragen wir einen Einzelnen, ob er eine Freiheit wolle, welche sich auf Raub und Ungerechtigkeit gründe, er wird mit Entrüstung entgegnen, ob man ihn für einen Banditen halte. Und dennoch, was der Einzelne als eine ehrenrührige Zumuthung zurückweist, das verlangt stürmisch die aufgeregte Masse. Wenn nun solchen perfiden Angriffen entgegen die in ihrem heiligsten Rechte verletzten auch einen Uebergriff machen, wer kann es ihnen noch verübeln. Noth bricht Eisen! das sagen schon lange die Ulrra-Radikalen, warum sollten endlich nicht auch ihre zum Aeußersten getriebenen Gegner dasselbe aussprechen.
Die Einheit Deutschlands, die lange ersehnte, läßt sich nicht von den Barrikaden herab in's Leben hinein donnern, sie kann nur durch Einigkeit und Gerechtigkeit zu Stande kommen, und jemehr wir uns unter einander anfeinden, desto größer wird die moralische Zerstückelung unseres Vaterlandes werden. Denn nur so lange hat die Nation Ansprüche auf die Theilnahme und Aufopferung der Edelgesinnten, als sie sich von dem Schmutze der Gemeinheit frei hält. Ist die Ehre eines Landes befleckt, dann geht jeder Einzelne theilnahmlos seinen eigenen Weg, denn — Ehre verloren — alles verloren.
Es ist hart, offen sagen zu müssen, aber es ist so — wir - stehen in diesem Augenblicke an der Schwelle des Abgrundes der, wenn wir so fortfahren, — alles was seit Tacituö Glorreiches von unserem Volke geschehen, verschlingen und uns zum ewigen Spotte der Weltgeschichte überliefern wird. — Und in i dieses namenlose Elend hinein treiben uns Menschen, für.welche das Weltgericht der Weltgeschichte keinen Sinn mehr hat, die j nur, wie Glücksspieler, in der Aufregung wilder Leidenschaften ihre Befriedigung finden, und. die der Untergang alles dessen nicht kümmert, was dem gebildeten Menschen ewig theuer seyn muß.
Sind wir denn wirklich so politisch ungebildet, um nicht einzusehen, daß Deutschlands Einigkeit für uns das wichtigste, für unsere Nachbarn ebenfalls eine Lebensfrage werden muß? hat unsere Nation selbst in der künstlichen Zerspaltung (Zersplitterung?) schon die Besorgnisse des übrigen Europas stets rege gehalten? und Hat dieses öbxige ^royerTt^ unter sich anzufragen, was wird aus uns werden, wenn künftig 45 Millionen wie ein Mann für eine Ansicht in den Kampft treten? Wenn nur der natürliche Schwerpunkt unseres Welt- theiles nun von dem Gelüste des Unruhestifters befallen worden, wer kann den besorgten Nachbaren den Gedanken verwehren, uns zu bekämpfen, sey es auch nur der eigenen Sicherheit halber. Dieser, nennen wir es beim wahren Namen, unausbleiblichen Coalition Europas gegen und., haben wir unter gegenwärtigen Umständen nichts als unsere Uneinigkeit entgegenzusetzen und werden rühmlos unterliegen und für immer; ^um finis Germaniae wird der Kosacke Hurrah schreien, und der Franzose vivo l’einperetir. — Sollen sich aber wirklich über den Rhein hin unsere Feinde die Hände nicht reichen, dann rüstig ans Werk deutscher Kraft und Eintracht. Ein mächtiges Reichsherr stelle sich auf, das Volk setze seine Arbeitskräfte in die alte Thätigkeit, und endlich die Gesetzgeber der deutschen Nation mögen sich einstimmig erheben zur Verkündigung eines Gesetzes, das künftig dem Fürsten wie dem Volke die unwandelbaren Gränzen der Herrschaft und des Gehorsams vorschreibe.
Es ist hohe Zeit, daß wir durch kräftige Gesetze erstarken, damit man an der Seine und Themse nicht länger mehr mitleidig uns betrachten, und auf daß die Bewohner der Steppen die Hoffnung fahren lassen, sich leichten Kaufes unserer blühenden Gauen zu bemächtigen. Noch liegt unsere ganze Zukunft in unserer Hand, und nur allein von der Entwickelung unserer Einigkeit und Kraft hängt die Achtung ab, welche wir dem gebildeten Europa gegenüber anzusprechen haben.
G Aus dem Amte Hadamar, 3. Oktbr. Am vorigen Sonntag sollte eine republikanische Volksversammlung auf dem Knoten bei Mengerskirchen abgehalten werden, wozu sich bekannte Agitatoren aus Weilburg, Obershausen w. eingefunden hatten. Die braven Bauern aus der Umgegend (Mengerskirchen, Hüblingen, Neunkirchen re.) verstanden die Sache aber falsch und jagten die oben bezeichneten Herren fort, und erklärten, sie wollten nichts wissen von den „rothen Republikanern." So geht dem gesunden Sinne des Volkes, das man von Seiten der Anarchisten fast systematischer zu verdummen