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Beiblätter

zur Na^anischen Allgemeinen Rettung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

M 171.

Samstag -en 30, September

1848.

A Ein Geheimniß.

(Fortsetzung.)

Von einer Menschenmauer umgeben, mitten in einem Kreis von Flinten, die auf ihre Brust gerichtet waren, verthei­digten sich diese Tapfern; mit heldenmüthiger Kaltblütigkeit in der Dunkelheit um sich hauend, vernahmen sie die Wirkung ihrer Hiebe nur in dem Geschrei und Tovesröcheln ihrer Schlachtopfer. Aber die Uebermacht mußte siegen.. . und sie siegte über soviel Tapferkeit!

Diese neuen Spartaner fielen sämmtlich in diesen andern Thermopylen von Eisen, indem sie ihrem Führer gefolgt waren! ...

Der Marschall allein saß noch zu Pferd und im Vertrauen auf das außerordentliche Feuer seines Pferdes, welches durch das Getöse und den Pulverdampf noch mehr gereizt wurde, hob er es plötzlich mit einer heftigen Anstrengung in die Höhe. Der edle Renner, mit heftigem Bruststoße die vordersten Feinde zurückwerfend durchbrach die Reihen und trug so den Marschall aus der schrecklichsten Gefahr, die er jemals gelaufen war.

Die erstaunten Spanier sandten dem Marschall in seinem reißenden Laufe eine Wolke von Kugeln nach, von denen ihn aber keine traf....

Noch einmal war einer der besten Generale des Kaiser­reiches gerettet.

Aber der Engel der Schlachten wachte nicht lange über ihm.... Der Mann, den die Vorsehung aus tausend ihn um­gebenden Todesgefahren errettet hatte, mußte von der einzelnen Kugel eines fliehenden Soldaten fallen!

Während der Marschall, von allen Seiten umringt, sein Leben gegen blutdürstige Feinde vertheidigte, hatte sich das Loos der Schlacht noch einmal gewendet.

Die Franzosen hatten sich mit äußerster Anstrengung noch­mals den feindlichen Bajonneten entgegengeworfen, während ihre Artillerie unter General Vergès Tod und Verderben in die dichten Reihen der Spanier schleuderte.

Die Unordnung riß bald ein und ging in völlige Ver­wirrung über.

Ein feindlicher Tirailleur, sich vom Marschall, der mit aller Schnelle seines Pferdes den Seinigen zueilte, verfolgt glaubend, gab Feuer auf ihn, so daß der von der Kugel in die Seite getroffene Herzog heftig zurück prallte und auf einen Haufen von Todten sank, zwischen denen er wie begraben liegen blieb!...

Der Marschall, einige Zeit ohnmächtig, erhielt endlich die Besinnung wieder, aber nur, um das ganze Schreckliche seiner Lage zu begreifen.

Ein blutiger Schleier bedeckte seine Augen; sein Ohr ver­nahm noch aus der Ferne das Wogen des Kampfes, der zu Ende ging, aber dies Getöse, anfangs deutlich, ging bald in ein dumpfes Gemurmel über, das immer mehr seine Gei­steskräfte verwirrte.

Ein einziger Gedanke, ein bestimmter, fester und klarer Gedanke stieg noch in ihm auf, und blieb allein mächtig in den letzten Spuren eines sterbenden Bewußtseyns.

Dieser Gedanken war die Rache! ... Die Rache wegen des Verrathes der Herzogin, wovon er die Beweise auf seinem rachedürstigen Herzen trug und wovon er die näheren Einzeln- heiten eben zu erfahren im Begriffe stand.

Zu den schrecklichen Schmerzen, die er empfand, gesellte sich noch ein anderes Leiden voll Schrecken und Abscheu.

In einem großen Meere von Todten und Sterbenden schwimmend, vermischte sich sein Blut mit dem ihrigen; die letzten Zuckungen der um ihn herum liegenden Sterbenden warfen diese zuweilen auf feinen Körper, und mit unerhörten Mühen und schrecklichen Leiden verhinderte er, daß Jene ihn mit ihrem Gewichte erdrückten.

Die Nacht war beständig dunkel; einige Stunden hatten genügt, Frankreich einen Sieg mehr zu verleihen und den Bo­den mit 500 Leichen zu bedecken!

Es war dem Marschall nach unsäglichen Leiden gegluckt, sich auf seinem linken Arme zu erheben, und sein fast erlosche­ner Blick suchte die Dunkelheit zu durchbrechen, um einen Ret­ter zu entdecken.

Ein kleines Licht erschien am Horizonte dieser blutigen