wird mit einer Liberalität gehandhabt, welche die eben stattfindende Messe in keiner Weise beeinträchtigt. Der Verkehr an den Thoren und in den Straßen der Stadt ist so ungehindert und lebhaft wie sonst. Nur noch an einigen Plätzen ist Militär aufgestellt; die meisten Soldaten sind einquartirt, und die Frankfurter tragen diese Einquartierungölast jedenfalls lieber, als daß sie ohne militärischen Schutz Auftritte sich wiederholen sehen mochten, die ihrer Stadt nicht zur Ehre gereicht haben.
Frankfurt, 27. Sept. (D. Z.) Die Herausgeber der Reichstagszeitung, die Abgg. Blum und Günther, sind wegen eines Aufsatzes, worin den Ministern Peucker und Schmerling das vergossene Blut Schuld gegeßen und das Volk zu neuem Ausruhr gereizt wird, vor Gericht geladen, haben sich aber, unter Berufung auf ihre Eigenschaft als Abgeordnete, geweigert zu erscheinen. Hr. Blum, der sich mit der Mehrheit der Versammlung erhoben hatte, um dem Ministerium die Zufriedenheit mit den von ihm ergriffenen Maßregeln auszudrücken, hat auch die Anklageakte gegen die Minister des Innern und der Justiz unterzeichnet, worin Schaffrath und Genossen, welche eher Ursache hätten, auf Ver- theidigunasschriften zu denken, sich an den Pranger gestellt haben. — Von dem alten Jahn ist eine Schwanenrede im Druck erschienen, welche auf die Gemüther, die noch nicht ganz verdorben sind, Eindruck machen muß, und die weiteste Verbreitung verdient. Jahn war am 16. schon mit dem Tode bedroht, er sollte von dem Dach der Westendhalle herabgestürzt werden, aber er rettete sich durch Geistesgegenwart und Entschlossenheit. Wir entnehmen seiner Schwanenrede folgende Stelle: „Hier der Plan, den sie längst in Malpartus ausgeheckt. Malpartus ist die Burg deS alten Reinecke Fuchs, wo sich von Zeit zu Zeit dle Ränker und Stänker, die Wühler und Wiegler versammeln. So neulich. Da ward ausgemacht, vor Allem den deutschen Reichstag hinzuhalten, auf Nebendinge zu führen, daß er die Hauptsache aus den Augen verliere, beim Volke mißliebig erscheine, als unfähig und böswillig. Die Presse sollte ihn überall schlecht machen, seine einzelnen Mitglieder verdächtigen, andere mit dem Volke verhetzen, und dieses durch jegliches Mittel gegen Weiber und Kinder zu Schrecknissen reizen. So sollten Abgeordnete verscheucht werden, die man durch Andersartige zu ersetzen vermeinte. Die Minister sollten überall durch stete Angriffe geärgert, durch unzeitige maßlose Zwischenfragen gedrängt, als Nichtsthuer, Nichtskönner, Nichlöwoller. der Verachtung M14- gëgeben werden. Würden die Staaten regierungslos — um so besser. Auf jegliche Art und Weise müßte versucht werden, die Reichsgewalt mit den mächtigeren Staaten zu entzweien, hier durch Uebergriffe zur Einheit, dort durch Pflege des Sonderthums. Schlüge dieses im Großen fehl, und hielten, wie löblich und recht, Reichsgenossen, Regierungen und Reichsgewalt fest aneinander, so müßte ein europäischer Krieg entzündet werden. Wenn dann das Reichsheer an den Grenzen, so mache man im Innern Kehraus und kurze Wirthschaft, das Heer würde wohl hinterher genehmigen und sich dem neuen Willen fügen. Das ist die Weisheit des Höll eng arten, wo der mord- und brandrothe Hahn kräht." — So spricht der alte Jahn — er ist gut unterrichtet.
Vom Rhein, 28. Sept. (K. Z.) Am 18. Sept, fand das Frankfurter Attentat statt, am 21. machte Struve seinen Einfall in Baden und hoffte am 25. in Karlsruhe zu seyn; auf dieselbe Zeit war ein Aufstand in Kassel angesagt; am 23. erklärte das würtembergische Ministerium, das Frankfurter Attentat stehe mit verabredeter Schilderhebung ähnlicher Art in Würtemberg, Baden, Hessen rc. zusammen und man erwartete in den nächsten Tagen einen Aufruhr in Stuttgart; auf den 25. war allgemein ein Aufstand in Berlin vorausgesagt; auf den 25. erwartete ganz Wien mit ängstlicher Spannung eine neue Revolution; auf den 28., erklärte der Minister Dobblhos einer Prager Deputation, sey ein Aufstand in Prag angesagt; am 25. endlich wurden in Köln unter Leitung fremder Emissäre Barrikaden gebaut. Ich überlasse Jedem, seine Schlüsse aus diesnn nackten Thatsachen zu ziehen. Wenigstens wäre auf dem Erdboden kein gesetzloseres Volk als das deutsche aufzufinden, wenn jene Fakta in keinem inneren Zusammenhänge ständen.
Karlsruhe, 26. Sept. Die hiesige Zeitung veröffentlicht heute Neueres über die Ereignisse im badischen _ Oberlande und über einen gescheiterten Versuch zu Ruhestörungen in Konstanz. Ein offizieller Bericht des kommandirenden Generals Hoffmann, datirt Hauptquartier Müllheim, 25. Septbr., meldet die Ablieferung der in Staufen gemachten Gefangenen
nach Krotzingen und das Vorrücken der badisch«: Truppes nach Heitersheim und Wettelbrunn, des großherzoglich hessischen Bataillons nach Gallenweiler und Eschbach. Ein dritter, von Karlsruhe eingetroffener Zug Artillerie und eine Pionier- abtheilung wurden in Heitersheim untergebracht. Müllheim wurde am 25. Morgens ohne Widerstand besetzt; die Freifchaaren waren abgezogen und brandschatzten in der Umgegend die Gemeinden, weshalb Truppenabtheilungen gegen sie ausgesendet wurden. Die Freibeuter zogen sich sofort'nach Kandern zurück, ^n Müllheim sind Ausweisungen und Verhaftungen erfolgt und den Freischärlern Blei und Kugeln abgenommen worden. Die Stimmung der Gemeinden ist meistens gegen die sogenannten Republikaner und geht bei Einzelnen so weit, daß sich Bürger dem Militär zur Bekämpfung des Aufruhrs anschließen. —
Baden. Das Mannh. Journ. schreibt: Als Kuriosität erwähnen wir, daß der Redakteur des alten deutschen Zuschauers von den Bauern Kaiser der rothen Republik titulirt wird.
Die neuesten Nachrichten aus dem Oberlande bestätigen die vollständige Auflösung der Freischaaren, die Truppen finden nirgends mehr Widerstand und sind in Müllheim eingerückt. Dort hat General Hoffmann am 26. Sept, für die Amtsbezirke von Achern bis Lörrach das Standrecht „gegen die Verbrecher des Aufruhrs, des Hochverraths und Landesverraths" verkündet. In einem Berichte desselben Offiziers aus dem Hauptquartier Müllheim, den das Ministerium des Innern veröffentlicht, heißt es: Ich werde wohl morgen hier bleiben müssen, um die Gegend vollends von Leuten zu säubern, die, zersprengt, in den einzelnen Orten wie Räuberbanden hausen. Alle meine Truppen, mit Ausnahme einzelner Kompagnien, die in die Umgegend entsendet, sind dahier untergebracht.
So eben trifft die Meldung ein, daß Badenweiler frei ist und daß die Briganden sich nach Kandern gezogen haben.
Die Stimmung hier oben hat sich so sehr verändert, daß von allen Seiten dèr Hülferuf gegen die Freischaaren uns zukommt, und selbst Bürger von Eggenen angefragt haben, oh sie sich dem Militär zur Bekämpfung der Briganden anschließen dürfen."
Im zweiten Berichte ist gesagt, daß einige Bürgerwehrmänner von Schopfheim: Tschira, 'Nägele, ehemalige Artilleristen, welche zum Freischaarenzug gezwungen waren, den Gustav v. Struve, dessen Frau, so wie Karl Blind, Pedro Huzar (Struve's Schwager), Karl Bauer und Georg Jakob Trautmann .ältern in Wehr fefigehallen und, nach..Schopfheim in Gewahrsam gebracht haben.
„Von dort haben diese und andere Bürger, etwa 40 an der Zahl, diese Gefangenen über Eimeldingen nach Schliengen geleitet, wohin ich den Oberlieutenant Miller mit 20 Scharfschützen entgegengeschickt hatte. Dieses Detachement hat die Gefangenen Nacht 7412 Uhr in das Gefängniß abgeliefert."
Ein Versuch, in Konstanz Krawall zu machen, ist gescheitert.
Nachrichten .aus Freiburg vom 27. September zufolge, eristirt im Oberland kein größerer disziplinirter Trupp der Freischaaren mehr; in kleinen Banden ziehen sie im Gebirge umher und machen die Gegend unsicher. In St. Blasien hat man sich der Kriegskasse der Aufrührer mit beiläufig 14—15,000 Gulden bemächtigt. Die Truppenmärsche in das badische Oberland dauern fort.
Die neueste Nummer des „Schwäb. Merkur" berichtet von einem republikanischen Freischaarenzuge in Württemberg. Auf Rau's von Gaildorf'Veranlassung hat die Volksversamm, lung in Rottweil am 24. Sept, einen bewaffneten Zug nach dem Cannstatter Volksfest (28. Sept.) beschlossen und scheint von dort aus Stuttgart bedrohen zu wollen. Die Bewegung hat Rottweil, Tuttlingen, Oberndors und andere Orte mehr oder weniger ergriffen. Die handgreiflichsten Lügenberichte über Siege der republikanischen Freischaaren in Baden werden durch Plakate verbreitet, um Anhang und Zuzug zu gewinnen : Doch scheint der Erfolg nicht besonders zu seyn und auch der württembergische Freischaarenzug kann in seinem Anfang als beendigt betrachtet werden. Die Anzahl der Aufrührer, mit welchen Rau am 26. Abends in der Nähe von Balingen war, wird auf 600 M. angegeben. Die erwarteten Zuzüge bleiben aus und Viele von der Freischaar kehren nach Haufe zurück. Von Rottweil her hörte man am 26. fortwährend die Lärmkanone. Die Regierung in Stuttgart hat kraff tige Maßregeln ergriffen und Truppen marschwen lagen, um den Aufstand zu ersticken.
Stuttgart, 26. Sept. (D. Z.) Heute ist hier wieder ein lebhafter Tag; Staffelten fliegen eine um die andere zur