denn Struve hat für des Volkes Reckte und Freiheit sich erhoben, wurzelt in dem Herzen des Volkes."
Berlin. (Zirkular des Kriegsministers an die Generalkommandos, die Generalinspektion der Artillerie und der Festungen, das Gouvernement hier, die Militärgouvernements in Mainz und Luremburg, die Inspektion der Jäger und Schüßen und den General der Kavallerie v. Wrangel):
„In Folge meiner Ernennung zum Ministerpräsidenten imd Kriegsminister beehre ich mich, einem w. hierbei das Programm des neuen Ministeriums ergebenst zu übersenden. Se. Maj. der König haben sick bereits in dem Armeebefehl vom 1. Mai d. I. über die Stellung auszusprechen geruht, welche vie Armee bei den veränderten Verhältnissen des Staals einzunehmen habe. Auch hat mein Amtsvvrgänger, der Ge- nerallieütcnant Freiherr v. Schreckenstein, wiederholentlich und zuletzt in dem Erlasse vom 13. d. M. erklärt, daß die Regierung Sr. Maj. reaktionäre Tendenzen überall nicht hege und den eingeschlagenen Weg konstitutioneller Entwickelung mit redlichem Willen verfolgen werde. Zugleich ist dabei auf die Nothwendigkeit von ihm hingewiesen worden, in diesem Sinne durch alle Instanzen auf die Untergebenen angemessen einzuwirken.
Einverstanden mit diesen Ansichten und entschlossen, reak, tionäre Tendenzen nicht zu dulden, ersuche ich Ein rc.fi das gute Einvernehmen zwischen Zivil und Militär nach Kräften zu fördern, und wo sich reaktionäre Bestrebungen wider Erwarten bei den wohlvemselben untergebenen Truppen zeigen sollten, denselben entschieden entgegenzutreten. Ein rc. wolle zu dem Ende von meinem gegenwärtigen Erlasse die Wohl- demselben untergebenen Offiziere aller Grade zur Nachachtung in Kenntniß setzen. Dieselben sind sogleich darauf aufmerksam zu machen, daß sie, nach dem von Sr. Maj. der Nationalversammlung vorgelegten Verfassungsentwurse, gleich den Zivilbeamten zur Äufrechthaltung der Verfassung s. Z. eidlich werden verpflichtet werden, und daß mit der Uebernahme solcher Verpflichtung alle anti-konstitutionellen Bestrebungen, -wie sie überhaupt mit der Stellung eines Offiziers in der Armee unverträglich find, im Widerspruch stehen würden.
Je schwieriger die Lage des preußischen und des gesummten deutschen Vaterlandes ist, desto nothwendiger ist ein ein- müthiges Zusammenwirken aller gesetzlichen Gewalten, desto mehr muß selbst der Schein einer Spaltung vermieden werden, um den Feinden des Vaterlandes jeden'Vorwand, jede Hoffnung zu benehmen, um das gesammte Mißtrauen zu entfernen und allen Unbefangenen die Ueberzeugung zu gewähren, daß die von unserem Könige angebahnte freie Entwickelung des konstitutionellen Staals von der vaterländischen Kriegsmacht nicht bedroht, sondern geschützt wird.
Ich erkenne vollständig die Schwierigkeit der Aufgabe, die ich mit dem von Sr. Maj. mir anvertrauten Amte übernommen habe, halte mich aber überzeugt, daß ein rc. sowohl, als die unter wohldessen Befehl stehenden Offiziere bewährt in Treue und Liebe zu König und Vaterland mit mir nach demselben Ziele streben werden." Berlin, 23. September 1848. Der Kriegsminister (gez.) v. Pfuel.
Wien, 24. Sept. Es sind uns aus vollkommen zuverlässiger Quelle Mittheilungen über die Expedition des Banus Jellachich zugekommen. Dix gesammte HeereSmacht, welche der Ban befehligt, beträgt über 100,000 Mann ; darunter befinden sich über nur etwa 39,000 Kerntruppen; die übrigen sind alte, wohleingeschulte Grenzsoldaten, haben aber dem Dienste theilweise schon seit Jahren nicht obgelegen. An Verwegenheit, persönlichem Muthe, Eingenommenheit für den geliebten Befehlshaber und Erbitterung gegen die Magyaren gleichen sich alle. Mit • Ausnahme der bezeichneten wohl montirten Kerntruppen fehlt es der Mannschaft, worunter sich eine Masse vortrefflicher Scharfschützen befindet, an Bayonnetten. Mit Flinten, Pistolen und Handscharen (Messerdolche, welche im Gürtel getragen werden) sind sie gut versehen. Den größten Mangel leidet diese Armee an Kavallerie. Als Jellachich auszog, führte er nur etwa 800 Mann Banderial-Husaren mit sich. Durch den Uebergang eines ganzen Husarenregiments mit dem Grafen von Telecki an der Spitze, hat er eine wichtige Verstärkung gewonnen. Die Stärke aller jetzt auf Seite der Ungarn disponiblen Truppen wird auf etwa 36,000 Mann geschätzt; sie soll größ- tentheils aus Reiterei bestehem Mit Artillerie ist die kroatische Armee reichlich versehen. Es sind höchst bedeutende Sendungen dieser Art über Gratz nach Warasdin fortwährend abgegangen. Da die ungarische Macht sich zu schwach fühlte, um dem
Ban beim sofortigen Einmärsche die Spitze zu bieten, zog sie sich zurück, um sich zu konzentriren.
Frankreich.
□ Paris, 26. Sept Auf Befehl des Kriegsministers de la Moricièrè wurde heute Morgen eine bedeutende Masse Munition aus Vincennes in die Stadt geschafft und unter die Truppen vertheilt. Das 6. Bataillon der Mobilgarde hat den linken Tuilerien-Flügel (Rue de Rohan) verlassen und sich nach Ruel begeben, wo das bonapartistische Fieber am heftigsten wüthet. Zahlreiche Emissäre haben den dortigen Bauern vorgelogen, daß der „Prinz" mit zwei Milliarden baaren Geldes aus London käme, die er auf den Altar des Vaterlandes niederlegen würde und wodurch sie (die Bauern) zwei Jahre von allen Abgaben verschont bleiben sollten. Auf diese Weise wird dem Auslande ihr Enthusiasmus für den demokratischen Kaiser erklärlich.
Es ist nicht wahr, daß die Regierung sich der Rückkehr des Bürgers Louis Napoleon Bonaparte widersetze. Sie hat vielmehr unserem Londoner Gesandten Befehl gegeben, ihm die Pässe sofort verabfolgen zu lassen. Hierauf ist die angebliche Weigerung Gustav de Beaumont's zu berichtigen. Sie ist aber entschlossen, keine Demonstration zn dulden, die auch nur im Entferntesten die Absicht einer Gründung des berüchtigten demokratischen Kaiserthums zum Zweck haben könnte.
Cavaignac äußerte mit seiner gewöhnlichen Dürre zu einigen Repräsentanten: „Daß er die Napoleoniden sammt und sonders (es sitzen bekanntlich 4 Vettern in der Nationalversammlung) einpacken und nach Amerika überschiffen lassen würde, wenn sie sich zu Ruhestörungen verleiten ließen."
Alphons Karr schlägt in seinem „Journal" vor, alle diejenigen wahlfähigen Bürger, die ihre Stimme nicht abgeben, zur Strafe zu ziehen. Daß sey der einzige Weg, wie sich die ungeheure Mehrheit der Bürger eines Staates der Herrschaft einer ehrgeizigen Hand voll Männer entziehen könne.
(Arbeiterbörse.) In der Polizeipräfektur arbeitet man in diesem Augenblicke die Pläne zum Bau dreier kolossaler Arbeiterhallen aus, deren Zweck darin besteht, das alte Her- bergöwesen zu ersetzen d. h. arbeitslosen Gesellen und Taglöhnern zum Versammlungsort zu dienen/ wo sich Arbeitsgeber und Arbeitsnehmer gegenseitig täglich einfinden. Diese Hallen werden gedeckt seyn und sollen außer zu den Arbeitsgeschäften auch noch zu gewerblichen Lehrkursen dienen, welche Staatsprofessoren daselbst halten. 1) Das Faubürg St. Marceau, 2),das Faubourg du Temple und 3) die Rue pépinière werden als die Punkte bezeichnet, auf denen sich die ersten drei Arbeiterbörsen erheben sollen.
Die Nationalversammlung hat gestern das Progressivsteuersystem fast einstimmig (mit 644 gegen 96 Stimmen) aus dem Verfassungsentwurf gestoßen.
Senard, den man vor dem Februarsiege des Voltairianismus beschuldigte, hat bei Ms. Calamette ein Altarbild bestellt. Dieß ist die erste Ermuthigung der Malerei durch den Minister seit dem neuen Regierungswechsel.
Sprechfaal für Stadt und Land.
So eben von Schleswig-Holstein hier angelangt, lesen wir zu unserem Erstaunen einen Artikel von Köln, worin behauptet wird, die Nassauischen Truppen hätten in Köln, über die in Schleswig-Holstein zu Theil gewordene Behandlung sehr unzufrieden sich geäußert.
Wir halten es für Pflicht, diese Angabe für eine Lüge zn erklären und hier öffentlich zu versichern, daß wir in Schleswig- Holstein auf das Freundlichste behandelt und trefflich verpflegt worden sind, daß wir dagegen in Köln nur mit Widerwillen ausgenommen und hungerig, nur mit aufregenden Flugschriften versehen, hier und da überdieß auch noch anderweit arg geprellt, fortgeschoben worden sind, so daß unser kurzer Aufenthalt zu Köln, uns noch lange in unangenehmer Erinnerung bleiben wird.
Biebrich am 27. Sept. 1848.
Die Soldaten des Bataillons.
< O. Gödecke.
Verantwortlicher Redakteur: W. H Riebt. — Druck und Verlag der 8. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.