Einzelbild herunterladen
 

In meine Wohnung? sagte Daquin lächelnd, wir sind dm.t, mein lieber Herr, hier wohne ich."

In diesem Hause?"

Ja wohl, wo ich die Ehre haben werde, Sie einzu­führen."

Bei diesen Worten nöthigte er Herrn von Samt-Laurent auf die verbindlichste und höflichste Weise, ihm vorauszu­gehen.

Der Ritter trat ein.

Ein langer Schweizer in reich galonnirtem Kleide neigte sich respektvoll vor Daquin, der ihn keines Blickes würdigte.

Auf einen Klingelzug erschienen 3 Lakaien.

Hat Niemand nach mir gefragt? sagte Herr Daquin."

Niemand, antwortete ein Lakai, sich bis auf die Erde verneigend."

Es ist gut, fuhr der Alte fort, gehet uns voraus in das Empfangszimmer, und sehet darauf, daß uns Nie­mand störe."

Herr von Saint-Laurent befand sich dann, ebenso wie sein Wirth, am Fuße eper ungeheuren wahrhaft königlichen Treppe von Stein.

Ein reicher Teppich verhüllte sie wieder gänzlich.

Gefüllte Blumenvasen wurden zu beiden Seiten hingestellt, und einige schöne Gemälde bedeckten die Mauern.

Daquin ließ den Ritter mehrere mit größter Pracht aus­gestattete Zimmer durchschreiten, dann folgten sie einer langen und kostbaren Gallerie, wo die bewundernswerthesten Meister­stücke aller Malerschulen der Erde vereinigt waren. Die Gallerie führte zu einem großen Saale, im Style Louis XV. möblirt, dessen Anblick dem armen Ritter Herzklopfen verur­sachte, indem es ihn an die kostbaren und niedlichen Gemächer des letzten Jahrhunderts erinnerte, in denen er die schönsten Stunden seines Lebens zugebracht hatte.

Nun, Herr Ritter, sagte Antoine Daquin, als die Diener sich entfernt hatten, jetzt sind wir allein .... Reden Sie!"

VIII.

Ein nächtlicher Kampf.

Während der Ritter von Saint-Laurent und der alte Daquin in dem prächtigen Zimmer des Hauses in der Straße Saint-Guilleaume über die geheimnißvolle Bedingung unter­handeln, die dem Ritter so viel Angst verursacht, müssen wir uns wieder mit den beiden Personen, deren Bild wir bisher nur geliefert, beschäftigen; es ist der Marschall d'A... und seine Frau.

Wir haben früher das Verhältniß der beiden Gatten be­reits geschildert, beim Beginn dieser Geschichte, als jener Vor­fall im Pavillon in den Gärten der Königin Hortense sich ereignete.

6 Monate waren verflossen, in denen der Herzog in Folge des unruhigen uud kriegerischen Lebens, welches der Kaiser

seinen Generälen auferlegte, nicht ein einziges Mal nach Paris gekommen war.

Der Krieg mit Spanien war ausgebrochen; ein schreck­licher Krieg, wo ein ganzes muthiges und tapferes Volk sein Land gegen Frankreich vertheidigte.

Der Herzog d'A... kommandirte ein neues Armeekorps in diesem Feldzuge.

Napoleon, immer darauf bedacht, mit seinen Feinden bald fertig zu werden, hatte dem Marschall befohlen, sich einen Weg in der Richtung nach Astorga zu bahnen, indem er eine ent­scheidende Schlacht lieferte, und Napoleon befahl niemals ver­geblich den Sieg.

In einer kalten und regnigten Aprilnacht erhob sich inmit­ten eines ungeheuern Bivouak, das eine Quadratmeile Land umfaßte, ein Lagerzelt, in dem die vornehmsten Offiziere der Armee versammelt waren.

Adjutanten gingen und kamen, Befehle überbringend oder mit dem Auftrage, Erkundigungen über die Stellung des Fein­des einzuziehen.

Alles war zu dem Treffen für den folgenden Tag vor­bereitet.

Während die Soldaten sich zur Schlacht rüsteten, wobei sie an ihre Familien dachten, die sie vielleicht nicht mehr Wieder­sehen sollten, oder an ihre Geliebten, die fern von ihnen wein­ten, spielten und tranken die höheren Offiziere fröhlich in dem Zelte des Marschall auf den nahen Sieg.

(Fortsetzung folgt.)

§§ Der letzte Prinz von Condv. 1830.

(Schluß.)

Am 4. September 1830 ward das Herz des letzten Prin­zen von Bourbon-Condo nach Chantilly gebracht. 'Der würdige Abbe Pellier aber in der Todtenrede sprach mit feierlicher Stimme:

Der Prinz ist unschuldig an seinem Tode vor Gott!"

Dieß war das grauenvolle Ereigniß vom 27. August 1830, welches ganz Frankreich in Schrecken und Trauer versetzte.

Die Prinzen von Rohan versuchten einen Zivil- und Kriminalprozeß, aber der vortragende Rath, Herr de la Hu- proin, der sich eifrig bestrebte, die Wahrheit aufzudecken, ward alsbald seiner Stelle enthoben. Vergebens bemühte sich der berühmte Hennequin, der unbestechliche Advokat, der so warm und recht an seinem Eid gehalten, die Sache aufzuklären. Die Leute, welche die Macht ein Händen hatten, thaten Alles, um jeden Versuch scheitern zu machen und sicherten der Frau von Feuchères eine Protektion, deren Skandale zu ausgedehnt wä­ren, um sie hier zu erzählen.

Die Baronin ward alsbald an den neu entstandenen Hof eingeladen und so empfangen, daß ganz Paris darüber erstaunte.