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Beiblätter

zur Nassauischen Allgemeinen Jeitung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

Ji 169» Donnerstag den 28. September 18L8.

Girr Geheimniß.

(Fortsetzung.)

Eines Morgens an einem schönen Frühlingstage durch- wandelte er den Garten der Tuilerien, als er am Ende einer Allee den kleinen Greis zu bemerken glaubte, der ihn in seiner Wohnung besucht hatte.

Beim Anblick des Männchens fühlte der Ritter seinen Zorn wieder erwachen; er drückte konvulsivisch den Knopf sei­nes Stockes, und eilte ihm mit augenscheinlich feindlichen Ab­sichten nach.

Derjenige aber, den er verfolgte, verlor sich mitten in einer zahlreichen Gruppe, die in der Absicht, den Kaiser auf dem Balkon des Pavillon erscheinen zu sehen, sich versammelt hatte.

Herr v. Saint-Laurent kehrte traurig und gedankenvoll zu seiner alten Freundin zurück.

.^Neue Schmerzen erwarteten ihn dort! ... Der an sich schon so ärmliche Saal der Marquise war fast ganz seiner Möbel entblößt.

Blanche eilte dem Ritter entgegen, der voll Erstaunen bei diesem Anblicke stehen blieb.

Meine gute Mutter weiß glücklicherweise hiervon nichts, weil sie weder sieht noch hört."

Der Apotheker, dem wir schon so viel schulden, weigerte sich, die von dem Doktor verordneten letzten Medikamente zu ltefern; Marianne hat mir daher einen Trödler geholt, und wir haben die Möbel verkauft, um unsere gute Mutter noch einige Zeit davon zu unterhalten."

Bei diesen Worten zerfloß Blanche in Thränen.

Der Ritter schloß sie in seine Arme, und mischte seine Thränen mit denen des armen Kindes... Er schlief nicht die Nacht.

Der Anblick so vieler Leiden, die schreckliche Nähe des Elends- welches mit großen Schritten auf seine beiden Freun­dinnen einstürmte, der lebhafte Schrecken, den er dabei em­pfand, alle diese traurigen Ideen brachten eine vollständige Um­wälzung in seinem Innern hervor.

Herr von Saint-Laurent faßte einen Entschluß, einen Entschluß, dessen bloßer Gedanke seine Stirn mit Angstschweiß bedeckte...

Aber sein Entschluß war gefaßt; es schlug 12 Uhr, als er ging, die einzige schlechte Handlung seines Lebens, wie er sich ausdrückte, zu begehen.

Der Ritter begab sich in die Tuilerien, in dieselbe Allee, wo er Antoine Daquin bemerkt hatte... Aber das Männchen erschien nicht...

Acht Tage darauf erwartete ihn Herr von Saint-Laurent an demselben Platze.

Und wieder ging er nach acht Tagen unverrichteter Sache heim, verzweifelnd, den geheimnißvollen Alten wiederzufinden, dessen Wohnung sogar Fräulein Prudence nicht erfahren hatte.

Am neunten Tage, als der Ritter schon seinen Beobach­tungsplatz verlassen hatte, sah er das Männchen kommen, wie immer ..eilig und geschäftig, auf den Pont - National zugehend.

Herr v. St. Laurent eilte ihm schnell nach.

Im Augenblick, wo er ihn erreichte, fühlte er keinen Muth mehr, und begnügte fich, ihm zu folgen, ohne ihn aus seinem Gesichte zu verlieren.

Antoine Daquin ging über die Quais, durch die Straße Saint-Peres, und dann in die Straße Saint-Guillaume, wo er vor einem prächtigen Gebäude stehen blieb, dessen Hauptthor sich auf sein Klopfen öffnete.

Einige Sekunden noch und er verschwand aus den Augen des Ritters,... als dieser ihm mit! großer Anstrengung die Worte zuwarf:

Wollte Herr Daquin mir wohl eine kurze Unterredung bewilligen?"

Der Greis wandte sich um und ^agte mit boshaftem Blicke:

Der Herr Ritter von Saint-Laurent, hier . . . Ei, Herr Ritter, welche Ehre für mich, ein solcher Besuch! Denn ich bin so kühn, zu glauben, daß Sie mir den Ihren machen wollen . . ."

Lassen Sie uns in Ihre Wohnung gehen, mein Herr, erwiderte der Ritter, wir haben einander zu sprechen."