Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^N 168» Mittwoch den 27. September 18L8.
Auf das am L Oktober beginnende neue vierteljährige Abonnement der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung" werden bei allen Postämtern Bestellungen angenommen.
Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden. 3 fl., für den Umfang des Herzoglhums Nassau, des Großher;ogtbums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 3 fl. 30fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungögebietes 8 fl. 40 fr. —Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebe r f t ch t.
Deutscher Eulcnspiegel.
Deutschland. Wiesbaden (Ankunft der Truppen. Adresse au die
Nationalversammlung. Landtag). — Frankfurt (Das Gefecht bei
Staufen), — Gießen (Zug nach Frankfurt). — Alzei (Die rothe
Fahne). — Karlsruhe (Offizieller Bericht über die Niederlage der Rebellen). — Freiburg (Die Vernichtung der Rebellen. Neue Befürchtungen. Die Perfidie der Schweiz). — S tuttg art (Ansprache des Ministeriums. Die Aufregung). — Berlin (Erklärungen des Ministe- rialpräsidenten. Die Bewegung). — Wien (Der Fahnenstreit. Der Kaiser bleibt in Schönbrunn. Gerüchte vom ungarischen Kriegsschauplatz.
Frankreich. Paris (Vermischtes).
* Deutscher Culenspiegel.
III.
(Verständli ch für Viele.) Den Leuten wird's him- melMgst und die Politik eines soliden Bürgers und Familienvaters besteht wiederum darin, keine zu haben.
Man kann nicht wissen, wer Herr wird. Wenn Morgen Struve um sechs Meilen vorrückt, dann werden übermorgen Zweidrittel Konstitutionelle roth gesotten seyn, wie die Krebse. Als man einem Juden, der bei den verschiedenen Territorialveränderungen von 1806—1815 nicht weniger als sechs Mal seinen Landesherrn gewechselt hatte, fragte, wie es ihm nur möglich geworden sey, so rasch jedesmal den nöthigen Vorrath von Treue und Ergebenheit für den neuen Fürsten zu gewinnen, erwiderte er: „Ich attachir' mich an Keinen, dann thut mir's auch nicht leid!" Unterdessen soll bei den „baumwollenen Waarenhändlern" bedeutende Nachfrage in Schlafmützen seyn, welcher Artikel seit der letzten Frankfurter Meßkrisis bedeutend im Preise gestiegen ist.
Auf der andern Seite ist man aber auch nicht müßig; die rothe Feber beginnt wieder lustig aus den Hüten zu nicken und im ganzen Wiesbadener Stadtbezirk sind binnen wenigen Tagen fâmmtlichen Hähnen die Schwänze ausgerissen worden. In Anbetracht diefer Umstände hätte der hiesige Verein für Freiheit, Gesetz und Ordnung beinahe beschlossen, eine Sa- ty re drucken zu lassen, nämlich--das ursprüngliche Ver- zeichniß seiner sämmtlichen Mitglieder.
IV.
Es lebe die deutsche Republik! Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Freiheit! Wir Gustav Struve von Gottesgnaden verordnen: Wer von allen waffenfähigen Männern sein Gewehr nicht nimmt und unserm Zuge folgt, soll standrechtlich behandelt werden.
Gleichheit! Die deutsche Republik beginnt mit Beraubung des Postwagens von Lörrach und der Zollkasse auf Leopoldshöhe. Es sind dies die ersten Anfänge zur allgemeinen Ausgleichung des Besitzes, welcher bisher der eigentliche Urquell aller Ungleichheit gewesen ist. - ■
Brüderlichkeit! Alle zur fürstlichen Partei gehörigen Personen sollen verhaftet und ihr Vermögen mit Beschlag belegt werden.
V.
(Umgesattelt.) Der Phrenolog Struve rückte und tastete den Leuten so lange am Gehirn, bis sich sein eigenes zu verrücken begann; da wurde er Politiker und — Feldherr.
VI.
(Deutsche Einheit en miniaturc.) Die Thüringischen Staaten sind endlich einig geworden! Schon lange verhandelt man bekanntlich über die Verschmelzung dieser vielen kleinen Ländchen zu Einem Ganzen. Die Republikaner wollten eine einige thüringische Republik, die Konservativen ein ernestinischeö Thüringen. Da man nun nach langem Kampfe einsah, daß man auf diesem Wege nicht einig werden könne, so wurde man'ö auf einem andern — indem, man beschlossen hat, — Alles beim Alten zu lassen!
VII.
Da die Dummheiten im deutschen Reiche wie Quecken aufzuschießen beginnen, so wird verdeutsche Eulenspiegel demnächst genöthigt seyn, sich „in Permanenz zu erklärens
D e u t s ch l er n S.
* Wiesbaden, 26. Sept. Heute Mittag ist 1 Bataillon des 2 Regiments, aus Schleswig-Holstein zurückkehrend, hier eingerückt. Dasselbe soll übermorgen nach Baden gehen.
' * Wiesbaden, 26. Septbr. In der gestrigen Generalversammlung der Gesellschaft für Freiheit, Gefetz und Ordnung wurde nachfolgende Adresse an das Parlament angenommen und Namens der Gesellschaft unterzeichnet:
Die heiligsten Rechte der deutschen Nation find verletzt, unsere Nationalversammlung ist bei ihren Berathungen gewaltsam gestört worden. - Unseren tiefsten Schmerz darüber auâ'usvrecken kann und darf uns weder Rücksicht gegen die Frevlers noch Furcht vor einer drohenden Partei abhalten. - Den Mord vollbracht an zwei Abgeordneten des deutschen Volkes, verübt durch eine ruchlose Bande an Wehrlosen, deren Per on der Nation heilig seyn mußte, - ihn betrachten wir “‘* LKL f«Ä^ Trauer des gejammten Deutschlands, und die strengste Gerechtigkeit, welche Verführer von Verführten scheidet, - niemals aber entschuldigen Angesichts der Völker des gebildeten Europas.
Den Beschlüssen unserer freierwahlten Nationalversammlung gaben wir gelobt, uns zu unterwerfen, und als Männer von L müssen wir unserm Worte treu bleiben.
; Dass sich unser Parlament weder in einen blutigen Konvent umwanveln, noch uns dem Despotismus eines Einzelnen überliefern werde, davon haben wir die volle Ueberzeugung.
Deßhalb bitten wir auch eine hohe Nationalversammlung, Viesen Ausdruck des tiefsten Schmerzes über das Vorgefallene, und die Versicherung unseres unbedingtesten
so aufrichtig und bestimmt aufzunehmen, als es von Mannern, venen ihr Vaterland vor Allem am Herzen liegt, zu erwarten ist." . . 1
* Wiesbaden, 26. Sept. (Ständeversammlung.) Müller II. In Höchst, Königstein, Kronberg rc. |iU nicht