NaffWische Allgemeine Zeitung.
^ 167 Dienstag den 26. Septembev 18L8.
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Uebersicht.
General Wrangel.
Deutschland. Von der Aar (Widerlegung). — V om Westerwald (Eindruck der Frankfurter Ereignisse). — Frankfurt (Das Reichs- misterium. Verfügung der Zentralgewalt in Betreff der badischen Unruhen. Reichstag). — Darmstadt (Eisenbahn-Unfall). — A u s dem Oberland (Die Entwickelung des Aufruhrs).— Freiburg (Die Freischaar), Köln (Ein Lebehoch den Mördern Lichnowski/s). — Berlin (Der Umschwung der Dinge. Drohende Krists).
Frankreich. Paris (Drohende Unruhen. Die Frankfurter Ereignisse. Großes Bankett. Vermischtes).
* General Wrangel
Am Anfang war die Zeit der Volksagitatoren, dann kam die Reihe an die Parlamentsredner und Minister, jetzt scheint sie an die Schnurrbärte und Haudegen zu kommen. Zwei Männer sind'S, der Eine im Norden, der Andere im Süden, die zu einer großen Rolle berufen scheinen: General Wrangel und der Banus Jellachich.
In Berlin gehen wunderbare Dinge vor: der Demagoge Held assozirt sich mit dem Prinzen von Preußen, und ein Ministerium Pfuel- Dönhoff wird geschaffen. Das wäre uns vor wenigen Wochen noch wie ein lächerlicher Traum, wie eine blaue Unmöglichkeit erschienen. Aber es scheint, als ob man die Ministerien der Halbheit endlich einmal satt bekommen habe, und da gab es in der That keine andere Wahl, als ein Ministerium Waldeck zu schaffen, oder das nunmehr zusammengesetzte. Ein solches Ministerium würde der bekannten Stimmung der Berliner Versammlung gegenüber eine reine Unmöglichkeit seyn, wenn nicht — General Wrangel im Hintergründe stände — ein Feldherr festen soldatischen Charakters, der an der Spitze ergebener Truppen als Sieger aus einem Feldzug zurückkehrt und, wie es scheint, sein Schwert schiedsrichterlich in die wild aufgeregten Leidenschaften werfen will. Jetzt mögen also, wie Luther sagt, „die Geister auf einander platzen."
Dies zur ersten Befürwortung eines Charakters, der uns wahrscheinlich in der nächsten Zukunst viel beschäftigen wird. Einstweilen möge er sich selber schildern und zu diesem Zwecke lassen wir wir hier seinen berühmten Armeebefehl folgen, der die Berliner so arg in Harnisch gebracht hat.
„Se. Maj. der König haben mir einen neuen Beweis seiner Gnade und seines Vertrauens gegeben, indem Sie mir mittels allerhöchster Kabinettsordre vom 15. d. M. den Oberbefehl über die sämmtlichen in den Marken stehenden Truppen ertheilt haben. Meine Aufgabe ist, die öffentliche Ruhe in den Landen, da, wo sie gestört wird, wieder herzu stellen, wenn die Kräfte der guten Bürger hierzu nicht ausreichen. Die Aufgabe ist schwer und mit großer Verantwortung verknüpft, das verkenne ich nicht, aber sie wird ausgeführt werden : dafür bürgen mir bas gegenseitige Vertrauen zwischen dem Soldaten und seinem Offizier, seinem Führer, durch welches sich die preußische Armee, so lange sie besteht, immer rühmlichst ausgezeichnet hat, sowie die Liebe
und die treue Hingebung für den König, von der wir Alle gleich erfüllt sind. Ich gebe mich indeß der bestimmten Hoffnung hin, daß ich keine Veranlassung erhalten werde, mit der militärischen Macht einzuschreiten, denn auch mein Vertrauen zu den Bürgern, baß sie ebenfalls nur das Gute wollen, steht fest; es ist ja ihr eigner Herd, den sie und ich beschützen sollen. Es sind jedoch im Land auch Elemente vorhanden, welche zur Ungesetzlichkeit verführen wollen, sie sind zwar nur gering, aber desto kräftiger treten sie hervor, während die guten Elemente sich zurückhalten. Diesen legern will ich fortan zunächst eine moraliche Stütze seyn, um ihnen die Erhaltung der öffentlichen Ordnung zu erleichtern, ohne die keine gesetzliche Freiheit möglich ist.
In Potsdam habe ich schon die erfreulichsten Beweise erhalten, wie dessen Bewohner mit der ganzen Bürgerwehr sich zu diesem Zwecke gerne um mich scharen. Dies war mir um so erfreulicher, um so werthvoller, als es schon am ersten Tage meiner Uebernahme des Oberbefehls in den Marken geschah; cs erfüllt mich deshalb mit Hoffnung und Vertrauen für die Zukunft. Soldaten! laßt euch nicht irre leiten von den Reden und Proklamationen, welche von euch unbekannten Leuten an euch gerichtet werden; hört nicht darauf, wenn sie auch noch so schmeichelhaft für euch klingen und sie eure Zukunft mit herrlichen Worten auSmalen, sobald ihr die euch gegebenen Rathschläge befolgt. Zu den Versammlungen, wo dergleichen Rèden an euch gehalten werden sollen, geht lieber gar nicht hin; hört dagegen auf meine Stimme, die Stimme eures Generals, sie ist wohlgemeint! Haltet fest an euren Offizieren, wie diese an euch; zwischen beiden darf sich kein fremdes Element erschleichen. Habt ihr gerechte Wünsche, so tragt sie euren Offizieren in der gesetzlichen Weise vor; von Niemand wird euch sicherer geholfen werden als von die,en, denn Niemand kennt eure Bedürfnisse besser als sie, und Niemand ist mehr von dem Wunsche beseelt, euch mit Rath und That bei# wWn Als Beweis, in welchem Grade ich nicht nur für euer Wohl als Soldat, sondern auch für euer häusliches Wohl zu sorgen bereit bin, bestimme ich hiermit, daß die durch Einziehung von Reserven auf die Kriegsstärke gesetzten Infanterie- bataillone sofort auf 900 Mann vermindert werden, und binnen kurzem hoffe ich eine abermalige Verminderung derselben bis auf 800 Mann eintreten lassen zu können. Zu der ersten Entlassung sind zunächst alle Reklamirten und dann diejenigen aus den ältesten Reserven zu bestimmen, deren häusliche Anwesenheit dringend nothwendig ist; nach deren Berücksichtigung hat das unparteiische Loos unter den ältesten Reserven zu entscheiden. Zum Schluß rufe ich euch zu, Offiziere und Soldaten! haltet fest in eurem gegenseitigen Vertrauen und an eurem theuren König! Er lebe drei Mal hoch! Der Oberbefehlshaber in den Marken. (Gez.) v. Wrangel.
Deutschland.
* Wiesbaden, 25. Sept. (Nachmittags.) Soeben geht die Nachricht hier ein, daß in einigen Stunden ein Theil unserer auS Schleswig-Holstein zurückkehrenden Truppen hier ein# treffen wird. Wie man vernimmt, sollen dieselben sofort nach Baden gehen.