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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^ 138. Freitag den LS September L8L8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige PränumeratisttSpreiS ist in Wiesbaden Ä fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfurstenthums Hessen, der lsandgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Ä fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes Ä fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Deutschland und die Politik der fremden Mächte.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Vom Taunus (Die General­synode). Mainz (Feuersbrünste). Karlsruhe (Die Amnestirten).

- München (Adresse nach Frankfurt).Hildburgs hausen (Ent­lassung des Ministeriums). Berlin (Beckerath und Mevissen mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt). Kiel (Zur Charak­teristik der Dänen). Rendsburg (Die Trennung der schleSwigschen Truppen von den holsteinischen). Schleswig-Holstein (Der Rück­zug der Truppen). Wien (Antwort des Kaisers an die ungarische

Deputation. Befürchtungen).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Deutschland und die Politik der fremden Mächte.

(Aus der Deutschen Zeitung.)

Ueber die englisch-französische Politik sind uns auf der politischen Tribune und in der Presse interessante Aufklärungen genug geworden Aufklärungen, wie sie uns nicht unver­hofft kamen, wie wir sie im Gegentheil längst erwarteten und zum Theil voraussagten, zu großem Aergerniß der Ideologen, Schwärmer und politischen Gecken, an denen unser geliebtes Vaterland leider überreich ist, wie immer.

Mit einer gewissen Genugthuung haben wir die Aufsätze der Times gelesen, worin sie den schlagfertigen Korporal der sogenannten französischen Republik, den General Cavaignac, mit Lobeserhebungen überschüttet; nicht ohne Rührung, wenn auch ohne alle (Überraschung, haben wir in den Spalten des National die Sinnesänderung bemerkt, womit er sein lang und oft wiederholteshainc aux Anglais in eine zarte und innige Zuneigung zu demperfiden" Albion umgewandelt hat. Es konnte auch nicht befremden, daß die Stimmführer der Presse in Paris und London gegen Deutschland ganz den gleichen Ton der Feindseligkeit, ja der offenen Schmähung und Drohung anschlugen, daß sie im Mißmuthe darüber, die deutsche Diplomatie diesmal nicht so geduldig und gefügig zu finden, wie sonst, sogar schon aus die Entscheidung der Waffen hinwiesen, diese freundlichen und nachbarlichen Vermittler! Ja, es war nicht einmal auffallend, wenn zuletzt noch der Moniteur eine artige Note gegen Rußland enthielt, um anzu­deuten, daß auch der Czar von der Newa in dies ehrwürdige Konzert für europäische Gleichheit und Freiheit einzutreten im Begriffe soy.

Dies Alles konnte nur den Schwärmer befremden, der sich die menschliche Politik nach Abstraktionen und selbstgeschaf­fenen Voraussetzungen macht, oder den Thoren, der sich durch diplomatische Phrasen und parlamentarische Rechtöfloskeln, oder durch tote bestechenden Stylübungen politischer Poeten und Rhetoren bethören läßt. Jeder Andere mußte von vornherein wissen, daß man in Paris, London und St. Petersburg die Politik nach Interessen handhabt, nicht nach humanen Ideen und Theorien, und daß darüber eine Tradition von Jahrhunderten besteht, die aus dem Kreise der Staatsmänner bis in die populären Anschauungen des Volkes hinabgedrun­gen ist.

England, das sein irisches Volk mit einer Gewalt ge­drückt hat, wie sie in der neuern Geschichte fast ohne Beispiel

ist, verspürt trotzdem sympathetische Anwandlungen für die Freiheit der Italiener, weil es gilt, die hesperischè Halbinsel zu einer Art von Portugal oder Indien zu machen; England, das zweimal innerhalb sechs Jahren mit scheußlicher Gewalt­that den dänischen Wohlstand und die dänische Marine zerstört hat, fühlt gleichwohl den Beruf in sich, Dänemark vor deutscher Eroberungslust" zu schützen, weil es daraus ankömmt, im Norden Deutschlands, an dem Grenzpunkt zweier Meere, uns diese ' offene Wunde zu erhalten und zu nähren. Ganz in derselben Weise sucht Frankreich ohne Feldzug und ohne eigne Opfer, und unter der Firma derNationalitäten," Oesterreich um die Entschädigung zu bringen, für die es kost­baren Besitz am Oberrhein und in den Niederlanden hat hin­geben müssen, und umgekehrt macht es, unter der Firma der­selben Nationalilätstheorie, gemeinsame Sache mit Dänemark, mit Holland, um deutsche Sprache und Nationalität unter das Joch dieser Schattenmonarchien beugen zu helfen.

So haben sie immer gehandelt, von Franz I und Lud­wig XIV. an bis auf Napoleon, Louis Philipp und Cavaignac; so war die Politik der Walpole, Pitt, For bis aus Aberdeen und Palmerston, ohne daß die Schule, Theorie oder Partei irgend einen merklichen Unterschied hätte aufkommen lasten. In dieser Hinsicht ist es eine tiefe und wohlbegründete Wahrheit, die die Times vor einigen Wochen aussprach: es sey einerlei, durch wen diese Grundsätze vertre­ten würden, ob durch Lord P almersto n und General Ca­vaignac oder ob durch Guizot und Lord Aberdeen. So konnte sich die berüchtigte und viel verspottete entente cordiale der Louis Philipp'schen Politik sehr rasch wieder anknü­pfen; vielleicht noch dauerhafter als früher, weil höfische und dynastische Händel nun nicht mehr dazwischen spielen, weil Hän­del, wie die spanische Heirath, außer dem Bereiche der Mög­lichkeit einer republikanischen Politik liegen. Aber das herz­liche Einverständniß ist wieder da; es wird gerade so lange dauern, bis sich der eine Theil vom andernübervortheilt steht, dann wird in der Times und im National der alte Fran­zosen- und Brittenhaß wieder laut werden, wie im Jahre 1840 und später. Denn handelt sich nicht um Ideen und Theo- rieen, sondern nur um Interessen.

Deutschland.

* Wiesbaden, 14. Sept. (Ständeversammlung.) Reg.- Komm. Ler theilt einen Bericht der Landesregierung mit, worin es im Interesse der ärmeren Klassen als nothwendig hingestellt wird, schon jetzt Bewilligung von Chausieebauten pro 1849 zu erhalten, und deßsaUsige Anforderungen gestellt werden, im Betrage von 145,000 fl.

Reg.-Komm. Bertram. Es ist eine Petition bei der Regierung eingegangen, welche um Ernennung einer Kom­mission für das Schulwesen bittet, worüber Auskunft verlangt wurde; die Regierung ist geneigt, diesem Wunsche zu will­fahren. Müller 11 übergibt eine Petition von 150 Weil­burger Bürgern, welche bitten, daß die wegen einer Volks Versammlung eingeleitete Untersuchung nicht von dem Hofge­richt, sondern von einem Geschwornengericht geführt werde. Der Abgeordnete unterstützt diese Petition, und die Kammer vereinigt sich mit ihm. Reg.-Komm. Bertram erklärt, dass die Willfahrung jenes Wunsches vielmehr von der Kammer,