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Der Deutsche Einwanderer kömmt also im Grant sogleich wie­der unter Deutschredende; die Töne, welche ihn in der neuen Heimath zuerst begrüßen, sind die ter Muttersprache, wodurch die Angewöhnung sehr erleichtert wird. Ferner hat, wie jüngst in der Galveston-Zeitung mitgetheilt wurde, die dießjährige Legislatur des Staates TeraS beschlossen, einen Theil der Ge­setze auf Kosten des Staats in die deutsche Sprache übersetzen zu lassen. Diese liberale Handlungsweise, fügt das genannte Blatt bei, beweist, wie sehr die Regierung auf die Wünsche der deutschen Bevölkerung Rücksicht nimmt.

Aus dem bisher Mitgetheilten dürfte wohl Jeder die Ueberzeugung gewinnen, daß, was von Seite Dritter geschehen kann, die Erreichung der Zwecke der Auswanderer zu erleich­tern, was in dieser Hinsicht billigerweise gefordert werden kann, von Seiten der Gesellschaft geboten wird. In Anerkennung dieser Thatsache wünschen wir auch dem neuen Unternehmen >a8 beste Gedeihen. Um eines solchen aber sicher seyn zu kön­nen, möchten wir der Gesellschaft noch zwei wohlgemeinte Rath­schläge ertheilen.

Bei einem Unternehmen wie das in Rede stehende sind die Schwierigkeiten, welche sich in den Weg stellen, zahllose und in ihrer Gesammtheit durchaus nicht vorauszusehende; es gehört daher zu deren Ueberwindung vielfältige und langjäh­rige Erfahrung und genaueste Vertrautheit mit den amerikani­schen Verhältnissen. Beides glauben wir ganz vorzugsweise in einem Manne, in Bromme, dem rühmlichst bekannten Verfasser der vortrefflichen Schriften für Auswanderer, verei­nigt, und möchten daher der Kolonisationsgesellschaft dringend rathen, diesen Mann in ihr Interesse zu ziehen oder am lieb­sten demselben die sogenannte technische Leitung des ganzen Unternehmens zu übertragen, allermindestens aber sich seines Beiraths zu bedienen.

Außer Erfahrung und Sachkenntniß wird zur Ueberwin­dung sehr großer Schwierigkeiten noch jugendliche Kraft und Begeisterung, welche so bald nicht erkaltet, ersordert. Auch diese Elemente muß daher die Gesellschaft, wenn ihr Unter­nehmen gedeihen soll, sich beigesellen. Diese findet sie aber vorzugsweise in einer nicht unbedeutenden Anzahl edler, that­kräftiger, deßgleichen für die Sache der Auswanderung feit Jahren begeisterter, sich vorbereitender und wirkender gebilde­ter junger Männer, namentlich aus dem Darmstädtischen, welche jetzt theils schon in der neuen Heimath mit unge­schwächtem Eifer an der Verwirklichung ihrer Ideale arbeiten, theils ihren Freunden baldigst dorthin nachfolgen wollen. Auch mit diesen Männern in die engste Verbindung zu treten, wird nur zur Förderung des Gelingens der ganzen Unternehmung beitragen.

Wenn in solcher Weise mit gutem Willen, Erfahrung und Sachkenntniß einerseits und jugendliche Kraft und Be­geisterung andererseits sich vereinen, dann wird das Unter­nehmen sicher nicht fehlschlagen. Der Menschenfreund darf

günstiger Resultate im Voraus gewiß seyn : Tausende von Europamüden, welche in der alten Heimath mit des Lebens Drangsal und Beschwernissen gerungen, werden in der neuen Zufriedenheit und Glück finden und den Bemühungen der deutschen Kolonisations-Gesellschaft ein dankbares Andenken bewahren.

Wir haben in dem Vorstehenden vorzugsweise die Vor­theile in's Auge gefaßt, welche der Einzelne daraus ziehen wird, wenn er eine übervölkerte Heimath verläßt und in Amerika eine neue aufsucht; nicht minder groß sind aber auch diejenigen, welche für das gesammte Mutterland aus der Ent­sendung solcher Kolonisten im Großen hervorgehen. In Land­schaften, wo Alles erst im Werden begriffen ist, wo vorerst die Landwirthschaft alle Hände in Anspruch nimmt, da be­hauptet die gewerbliche Thätigkeit noch eine sehr untergeord­nete Stellung und eröffnet sich daher für das Mutterland ein sehr günstiger Markt für Produkte dieser Art. Wird die Aus­wanderung im Großen organisirt, nimmt die neugeschaffene Zentralgewalt, welche sich jedenfalls am besten dazu eignet, diese Angelegenheit in die Hand, schließt dieselbe mit den neu­gegründeten Kolonien, sowie mit den vereinigten Staaten von Nord- und Südamerika überhaupt Handelsverträge ab, so kann sich für die bei uns allerwärts in großer Neberzahl an­sässigen Gewerbsleute Arbeit für den überseeischen Handel er­geben, die Handwerks- und Fabrikarbeiter werden wieder regel­mäßiger Beschäftigung finden, zufolge dieser auswärtigen Ar­beiten wird Nachfrage nach Arbeit entstehen, der Lohn steigen und die Lage der Arbeiter verbessert werden. Umgekehrt wer-- den in den Kolonien Rohprodukte, namentlich Getreide, im Ueberfluß erzeugt, das an Zahlungs Statt für die dorthin ausgeführten gewerblichen Produkte zu uns gebracht werden kann; diese Einfuhr wird den Preis der unentbehrlichsten Lebens­mittel sinken lassen und hierdurch gleichfalls die Eristenz des Arbeiters erleichtern und verb.essern, da gleichzeitig durch die Auswanderung Solcher (Arbeiter) das Ausgebot von Arbeit vermindert wird, während ohne diesen letzteren Umstand ein Sinken der Getreidepreise die Lage der Arbeiter noch nicht ver­bessert, indem darnach jederzeit durch die Konkurrenz derselben unter einander auch der Arbeitslohn fällt. Aus diesen flüch­tigen Andeutungen, welche noch sehr erweitert werden könnten, geht zur Genüge hervor, wie bedeutend und nützlich die Wir­kungen der Auswanderung im Großen für die gesammte Volkswirthschaft sind. Ein Wirken in diesem Sinne ist daher ein viel wohlthätigeres und lohnenderes, als alle Spekulatio­nen über sogenannte Organisation der Arbeit. Zugleich er­scheinen jene Andeutungen als eine sehr dringende Aufforde­rung an sämmtliche deutsche Regierungen und namentlich an die Zentralgewalt, die Auswanderungsangelegenheit mit be­sonderer Wärme zu erfassen, da in ihr allein das Mittel zur gründlichen Verbesserung unserer sozialen Zustände liegt.