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nun folgenden Szene die peinlichen Gefühle wiederfinden, welche sie selbst erduldet haben!

Okoart blickte von seinem dunkeln Verstecke auS unver­wandt nach dem Pavillon und versetzte sich in Gedanken an den Ort, wo so zärtliche Worte und süße Liebkosungen ihn erwarteten... Er sah die Herzogin in ihrer verführerischen Balltoilette, wie sie gezwungen war, leidenschaftliche Worte zu hören, die ihr Grausen verursachten.

Sein durch die ungeheure Gemüthsausregung verfeinertes Gehör ließ ihn verworren die Worte vernehmen, welche in dem Pavillon gewechselt wurden.

Zuweilen glaubte er die rauhe und harte Stimme des Marschalls zu vernehmen, welche dumpf erschallte wie das ferne Rollen des Donners während des Gewitters.

Dann mischte sich eine schwächere beinahe zitternde Stimme in Pausen mit dem tiefen Basse des aufgebrachten Gatten.

Aber plötzlich erblaßte Odoart, das Blut stürmte wild in seiner Brust, er zog aus seinem Busen einen Damasszenerdolch, den er beständig bei sich führte...

Der unglücklich Liebende hatte nämlich durch die Fenster des Pavillons, deren Läden geöffnet waren, bemerkt, daß das Licht aus dem Zimmer verschwand und zwei Schatten sich nach dem Schlafgemache der Herzogin hin bewegten.

Er erkannte diese beiden Schatten: es waren der Marschall und seine Frau.

Jetzt hielt ihn nichts mehr zurück, weder die Ehre der Herzogin noch selbst das Leben der armen Frau, die er durch seine Anwesenheit der Wuth ihres Mannes zu überliefern im Begriff stand...

Schneller als der Blitz stürzte Odoart gegen die Treppe des Pavillons, sprang auf die Stufen, stieß die Thüre auf, welche der Marschall in der Hast nicht geschlossen hatte, und befand sich in dem Vorzimmer, bevor er den gefährlichen Schritt bedacht hatte, den zu thun er im Begriff stand... als die Worte des Marschalls an die Herzogin sein Ohr erreichten und ihm seine ruhige Besonnenheit zurückgaben:

Ich werde dem Kaiser diese geheimen Papiere überbrin­gen," sagte er,welche ich Ihnen, meine Gemahlin, anvertraut habe, und noch in dieser Nacht kehre ich zur Armee zurück."

Nach diesen Worten wollte sich der Herzog, von der Kam­merfrau, die ihm leuchtete, geführt, entfernen; er stieg die in­nere Treppe hinab, welche von dem Erdgeschoß in den ersten Stock hinaufging.

Noch einige Schritte, und er hätte Odoart bemerkt, dessen geringste Bewegung zu entfliehen seine Anwesenheit verrathen hätte.

Aber in dem Augenblicke, wo der Herzog sich umwandte, um die Herzogin zu grüßen, die sich auf das Geländer stützte, sah die Kammerfrau den jungen Mann, und mit jener Geistes­gegenwart, welche die Frauen auch in den schwierigsten Lagen nie verläßt, ließ die gewandte Dienerin ihren Leuchter fallen,

stürzte schnell die Stufen hinunter zu Odoart, stieß ihn in ein kleines Betzimmer, welches auf das Vorgemach hinaus ging, und schloß schnell die schwere Thüre über ihm...

Ein dumpfer schneidender Schrei, obgleich erstickt, erschallte in dem Bctzimmer, wurde aber sogleich von den Verwünschun­gen des Marschalls übertönt, welche derselbe gegen die Unge­schickte ausstieß, welche ihn so in der Dunkelheit ließ...

Als eine halbe Stunde nach diesem Vorfälle alles wieder in Schweigen versunken war, und das sich entfernende Ge­räusch des Wagens, welcher den Marschall davon führte, seine Abreise bestätigte, eilte die Herzogin in das Betzimmer... es war leer...

Ein offenes Fenster nach dem Garten zu hatte ohne Zwei­fel die Flucht des jungen Mannes begünstigt.

Der Tag dämmerte schon, und die Herzogin blieb unbe­weglich vor Furcht und Schrecken, als sie große Blutstropfen an der Thüre entdeckte, welche man über Odoart geschlossen hatte. (Forts, f.)

Die deutsche Kolonifationsgefellschast für Texas.

(Fortsetzung und Schluß.)

Nach den Vorkehrungen, welche dieselbe zum Besten der Auswanderer getroffen hat, läßt sich eine möglichst wohlfeile, bequeme und sichere Uebersiedlung aus der alten Heimath in die neue erwarten. Sowohl aus dem Einschiffungshafen nach Amerika, als auS dem Landungshafen in den Grant wird jeder Zug von Auswanderern durch ein Mitglied oder einen beson­deren Abgeordneten der Gesellschaft begleitet, um den Vollzug der Anordnungen derselben zu überwachen. Im Landungshafen ertheilt die Kolonisationsgesellschaft durch ihr dort wohnendes Mitglied, Hrn. Dresel von Geisenheim, herzogl. nass. Konsul für Teras, jeden gewünschten Rath und Aufschluß, um die Auswanderer vor Betrügereien zu sichern; deßgleichen sorgt sie, wie schon oben angedeutet wurde, dafür, daß dieselben so schnell und wohlfeil als möglich in den Grant gebracht werden. Viele Utensilien und Lebensmittel können von den Auswanderern in den Magazinen der Gesellschaft in Deutschland und Teras in guter Qualität und zu billigen Preisen angekauft werden. Ganz besonders ist noch hervorzuheben, daß die Verschiffung jetzt bis Galveston nicht mehr wie früher blos nach Neuorleans geschieht, so daß also nicht umgeladen zu werden braucht. Ein weiterer wesentlicher Vorzug der Ansiedlung in dem Landbezirk der Gesellschaft besteht endlich darin, daß noch der frühere Be­sitzer derselben, der sogenannte Adelsverein, bei der Regierung durchgesetzi hat, daß die deutsche Sprache als amtliche Sprache für den Grant erklärt wurde, wodurch die Wahrung des deut­schen Charakters und zugleich ein inniger Zusammenhang der Kolonie mit dem Mutterlande nachhaltig gesichert erscheinen.