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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^ 156» Mittwoch den LL September 1848»

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige PränumerationSpreis ist in Wiesbaden « fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, res Greßherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 fr., in den übrigen Länderndes fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes « fl. 40 kr.Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Denkschrift des linken Zentrums über die Waffenstillstands­frage.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag. Von der Weil (Abschaffung

der Grundlagen und progressive Einkommensteuer). Berlin (Die

Abstimmung über den Antrag Stein'S. Rücktritt sämmtlicher Minister.

Der Geist der Armee. Damen-Versammlung. Die Ereignisse in Frank­furt. Der König nimmt die Entlassung der Minister nicht an). Wien (Englisch-französische Noten wegen Venedig. Konstituirende Stände nach

Verona berufen).,

Frankreich. Paris (Die Studirenden. Vermischtes).

Denkschrift des linken Zentrums über die

Waffenstillstandsfrage.

(Schluß.)

Aber sagt man uns, so traurig und entehrend der Waffen­stillstand ist, er muß anerkannt werden, damit Dänemark, das in gutem Glauben gehandelt hat, nicht hintergangen, damit ein Krieg mit den auswärtigen Mächten, welche? sonst ent­stehen würde, vermieden, damit Preußen nicht bloßgestellt und der deutschen Sache entfremdet, damit diejenigen deutschen Län­der, welche so schmerzlich unter den Folgen des Krieges leiden, endlich vor denselben bewahrt werden. Wir wollen diese Ein- 'wendungen der Reihe nach würdigen.

Also die Rücksicht auf Dänemark! Wie viel haben wir Deutsche noch zu lernen, bis wir endlich eine Nation werden. Um Dänemark, das uns durch ungerechten Krieg und hinter­listige Führung desselben unsäglich geschadet hat, das Mißver­gnügen darüber, daß ein für jenes Land vortheilhafter Waffen­stillstand von der zuständigen Behörde nicht genehmigt wird und daher ungültig ist, zu ersparen, wollen wir und einen schimpflichen Waffenstillstand und den Spott Europas gefallen lassen. Hat Dänemark auch nur einen Schein von Recht, von Deutschland Erfüllung des Waffenstillstands zu verlangen? Deutschland ist seit seiner Revolution eine Macht, deren Ge­schick die Blicke der ganzen Welt auf sich ziehen. Ist es Däne­mark unbekannt geblieben, daß in Frankfurt die Vertreter der deutschen Nation zu Feststellung der Einheit Deutschlands ver­sammelt sind, daß die Gesammtregierung für Deutschland in Frankfurt ihren Sitz hat und daß nur letztere und die Natio­nalversammlung über Krieg und Frieden in Deutschland zu entscheiden haben? Wenn Dänemark dessen ungeachtet erklärt hat, daß es nur Preußen als den vertragschließenden Theil ansehe und nur seine Einwilligung verlangt, so hat es sich selbst zuzuschreiben, wenn Deutschland jenen Waffenstillstand nicht anerkennt.

Aber die drohende Haltung der auswärtigen Mächte! Wollen wir eine europäische Macht werden und um dieses anzubahnen, hat die deutsche Nation ihre Vertreter nach Frank­furt gesendet so dürfen wir uns durch auswärtige Dro­hungen von Wahrung unseres Rechtes nicht abbringen lassen. Rußland hat Polen, Frankreich Algier ungerecht unterdrückt; hat es je daran gedacht, durch Drohungen anderer Mächte sich zur Herausgabe bestimmen zu lassen, und sind die Drohungen, an denen es nicUt gefehlt hat, darum ausgeführt worden? Deutschland mit seinen tapfren Heeren, seiner großen Bevöl­kerung und seinen reichen Hülfsquellen ist eine Macht, welche

sich vor fremden Drohungen in seinem Rechte nicht beein­trächtigen zu lassen braucht, wenn es nur einig ist. Aber sehet Ihr es denn nicht ein, diese Einheit und Einigkeit, welche Deutschland schaffen will, ist den fremden Großmächten ein Dorn im Auge; die alte Zwietracht und Unmacht möchten sie wieder zurückführen; darum die Einmischung in unsere Ange­legenheiten, darum die Versuche, Preußen und das übrige Deutschland zu trennen, darum Drohungen, welche nur dem, der Furcht zeigt, gefährlich sind? Will Deutschland die schöne Zukunft, die ihm winkt, nicht preisgeben, will es die fremden Mächte nicht höhnisch triumphiren lassen, so weise es wie Ein Mann die Einmischung und Drohungen derselben entschieden zurück und behaupte, wenn es nöthig ist, sein Recht mit den Waffen! , , . m

Doch hören wir ferner einwenden wir dürfen Preu­ßen nicht bloßsteUen und der deutschen Sache entfremden. Wahrlich es ist kein denkender und edelmeinender Mensch in Deutschland, welcher so thöricht und vermessen wäre, Preußen bloßstellen und der deutschen Sache entfremden zu wollen. Ist denn Preußen und das dermalige preußische Ministerium Ems? Dieses Ministerium hat einen, Deutschland und mit ihm Preu­ßen benachtheiligenden, entehrenden Waffenstillstand mit Ueber# schreitung des ihm von der Zentralgewalt ertheilten Auftrages, somit auf nicht rechtsverbindliche Weise abgeschlossen; durch die Nichtgenehmigung des Vertrages wird, nur dieses Mim- sterium bloßgesteüt, welchem für seine falsche Politik kein ande­res Schicksal gebührt, als welches dem Reichsministerium be­reits zu Theil geworden ist, nämlich das der Unmöglichkeit, länger zu bestehen. Das preußische Volk steht nur um so höher, wenn es, sich anschließend an den Beschluß der Natio­nalversammlung, seine Nichtübereinstimmung mit der Politik seines Ministeriums in einer Weise erklärt, daß dieses seinen Rückzug nehmen muß. Und dieses hoffen wir von der deut­schen Gesinnung und dèr Ehrenhaftigkeit deS preußischen Vol­kes, welches in der Abschließung eines Waffenstillstandes unter solchen Bedingungen nur eine Beleidigung des tapferen preußi­schen Heeres erblicken kann. Wir können es nicht glauben, daß Preußen und die übrigen Länder, welche unter den Folgen des Krieges mit Dänemark leiden, die Befreiung von Diesen Uebeln mit der Schande Deutschlands und seiner Waffen er­

kaufen wollen. , ...

Ganz Deutschland fühlt die Leiden derjenigen deutschen Länder, deren Handel und Verkehr durch jenen Krieg |o be­deutend beeinträchtigt wird, schmerzlich; in der Nationalver­sammlung hat dieses Gefühl beredten Ausdruck gefunden; aber sie ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß durch den abge­schlossenen Waffenstillstand nicht einmal die gehegten Erwar­tungen zur Erfüllung gebracht würden. Schon lesen wir in den Zeitungen, daß Schleswig-Holstein durch die Kunde von dem Waffenstillstände furchtbar erregt und fest entschlossen ist, denselben sich nicht aufdrängen zu lassen; schon hat nach dem Anhänge die provisorische Regierung erklärt, sich nicht aufzu­lösen; schon ist die Landes-Versammlung zusammengetreten, hat sich für parmanent erklärt und dem Waffenstillstand seine Anerkennung versagt. Wird das preußische Ministerium Däne­mark in dem gewaltsamen Vollzüge des Waffenstillstandes un­terstützen wollen und würde das preußische Volk zu derâ- kämpfung seiner in ihren heiligsten Interessen verletzten ^uNwn Brüder die Hand bieten? Wir wissen cs Mi Preuß ich Volk wird das nicht thun. Und wird alsvann Damma t st l, noch an den Waffenstillstand gebunden erachten? tHewiß nicyl,