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und alle männlichen Einwohner haben die Waffen zu ergrel- fen, d. h. Landsturm! An die auswärtigen Mächte sey eine Erklärung zu senden, worin die Treue (!) Ungarns gegenüber der Perfidie Oesterreichs darzulegen sey und wie Ungarn nicht anders gekonnt! Der Kriegsminister, zur Zeit im Lager, habe selbst zur weiteren Führung dort so lange zu verbleiben, bis ein neuer Kommandant ernannt sey, der jetzige sey abgesetzt! Alle diese Beschlüsse wurden mit ungeheurem Applaus ausge­nommen, und Gott weiß, wie das Ende seyn wird.

It a l i e n.

In Triest wurde beim Abgang der jüngsten Post folgendes Flugblatt ausgegeben: Ein eben aus Venedig ankommender Reisender bringt die zuverlässigsten Nachrichten über den bekla- genswerthen Zustand, in welchem sich, theils wegen des in ihr herrschenden Elends, theils wegen der Furcht vor dem Vor­dringen der Cholera, die Lagunenstadt befindet. Als sich neu­lich das Gerücht verbreitete, Radetzky sey in der Absicht, Venedig anzugreisen, bei Malghera eingetroffen, verursachte dies eine solche Aufregung, daß das Volk in Haufen durch die Straßen zog und den Ruf ertönen ließ:Die Waffen weg! Es lebe Oesterreich!" Bereits ist es in den Straßen Venedigs zwischen den verschiedenen Parteien zu blutigem Zusammenstoß gekom­men. Freitags um 1 Uhr nach Mitternacht wurde in der St. Lorenzstraße ein Mordversuch gemacht: vier bewaffnete Nicolotti suchten durch Einschlagen der Thüre in das Haus eines Eisenhändlers zu dringen. Es entstand Lärm, und es kam ein Piket Soldaten; die Nicolotti leistesten Widerstand, so daß das Militär Feuer geben mußte. Einer der Bösewichter fiel, ein anderer wußte sich durch die Flucht zu retten, und die beiden übrigen mußten sich ergeben.

Sprechfaal für Stadt und Land.

Erklärung.

In einem angeblich bei E. Weidenbach in Dillenburg ge, druckten Flugblatte vom 4. Sept. d. I. mit der Ueberschrift:

Aufruf.

Bürger Nassau's!

ist unter andern erwähnt worden:

in einer am 26. August l. I. zu Wiesbaden stattgehab­ten Volksversammlung habe der anwesende Bürgerwehr­hauptmann Buchhändler F. erklärt, daß er, wenn er kom- mandirt werden sollte, seine Kompagnie einen andern Weg führen werde, um der Demonstration (einer auf die hiesige Theater-Angelegenheit bezüglichen Operation) freien Lauf zu lassen!"

Der unterzeichnete Buchhändler und I. Hauptmann der 12. Volkswehrkompagnie erklärt hiermit, daß er der Volksver­sammlung am 26. August gar nicht beiwohnte, jene Aeußerung dort deßhalb nicht abgeben konnte und nicht abgegeben hat, daß sonach der Dillenburger Aufruf nur eine gemeine nieder­trächtige Lüge enthält, welche jedoch nur derjenige gehörig zu würdigen im Stande ist, welchem cs bekannt ist, aus welcher unlauter» Feder der Dillenburger Aufruf geflossen und welcher weiß, daß jener Aufruf im Ganzen Nichts anders als gemeine Entstellungen von Thatsachen enthält, zu welchen ein Ehren­mann sich nicht verleiten lassen würde.

Wiesbaden, den 9. Septbr. 1848.

Louis Friedrich, Buchhändler und I. Hauptmann der 12. Volkswehrkompagnie.

Zur Berichtigung des Korrespondenz-Artikels der Darm­städter Ztg., welcher auch in der Nass. Allg. Zeitung vom 3. d. Mts. übergegangen ist, dd. Mainz 30. v. Mts. halte rch es im Interesse der Wahrheit und zu meiner eigenen Recht- serttgung für Pflicht, hiermit auf mein Ehrenwort zu erklären, daß die Anschuldigung, als seyen von uns bei den jüngsten Wiesbadener Iuli-Erzessen dort zwei, angeblich achtbare Main- zerburger, als Betheiligte denunzirt worden, rein erdich- tet ist- Thue mich über die Quelle und den Zweck dieser offenbar böswilligen Nachricht auszusprechen, wird es dem un- vesangenen und unpartheiischen Leser zur Würdigung des Thatbestandes genügen, daß ich die beiden betreffenden, soge­nannten achtbaren Mainzerbürger, an dem Tage ihrer Verhaf­tung kaum den Namen nach kannte, und aus diesem Grunde eben so wenig Veranlassung, wie in Wiesbaden, wo ich gänz­lich unbekannt bin, Gelegenheit finden konnte, zwei dort

benachbarte also auch sehr bekannte Personen, beyden Behör­den als Theilhaber der dasigen Erzesse zu verdächtigen. W

Wenn diese ehrbaren Mainzer Bürger dagegen, wie és den Anschein gewinnt, vielleicht das ihnen sehr bekannte Attentat auf meine Person vom 29., Abends, in ihrer lieben Vaterstadt hiermit rechtfertigen wollen, so bedauere ich wirklich aufrichtig, daß sie ihren bekannten Einfluß auf den berüchtig­ten dortigen Straßenpöbel, handfesten Bauernknechten und hoffnungsvollen Gamins nicht besser angewandt haben, als einem Fremden, der ruhig auf den Straßen ihrer Stadt ein­hergeht, anzufallen und zu insultiren, weil er ausgeschie­dener preußischer Offizier drei Jahre ruhig und friedliebend dort gelebt, sich von allen Wühlereien gewisser Personen fern gehalten, aber aus Abscheu vor den jüngsten Gewalt- und Gräuelszenen jene Mauern verlassen hat, die leider die Ehre haben, einer westdeutschen Gränzsestung anzugehören.

Ebenso unwahr ist es aber auch, daß ich es sogar dem Schutze jener beiden höchst achtbar sein sollenden Mainzerherren zu verdanken haben soll, daß ich unversehrt in Kastell ange­kommen bin, demungeachtet der eine derselben, ein Hr. Weil- bächer, in dem Augenblicke, als ich militärische Hülfe nach­suchen wollte, mich seines Schutzes versicherte, habe ich weder diesen noch seinen Konsorten, im entscheidenden Augenblicke auf der Brücke gesehen, wahrscheinlich um wieder seinen Ein­fluß auf seine gesinnungstüchtigen Anhänger ausübend, sich aller Verantwortung zu entziehen, und meinen Schutz andern wahrhaft ehrenwerthen Bürgern, denen ich hiermit meinen wärmsten Dank abstatte, zu überlassen.

Da ich übrigens meine Verdâchtiguug hiermit gründlich widerlegt zu haben glaube, so werde ich mich auf keine zweite Vertheidigung einlassen und habe das Vertrauen zu allen ge­ehrten Redaktionen jener Blätter, welche meinen Gegnern ihre Spalten geöffnet haben, daß dieselben auch diese meine gewis­senhafte Rechtfertigung aufnehmen werden.

Biebrich, 5. Sept. 1848.

Eduard Frhr. Wittenhorst-Sonsfeld, Königl. Preuß. Pr. Lieutenant von der Armee.

Bekanntmachungen.

359] In der Buchhandlung von Chr. Wilh. Kreidet in Wies- baden ist soeben angekommen:

Familie« - A«dachtsbNch.

Aus denStunden der Andacht" zum Besten minderbemittèl- ter Personen und Haushaltungen um gearbeitet von deren Verfasser Heinrich Zschokke. Preis 1 fl. 30 kr.

Der Wunsch des Verfassers, gerade denjenigen Familien und Gliedern des Volks, deren weniger begüterte Verhältnisse und ein oft unter drückenden Sorgen dahinziehendes Leben ein erhöhtes Bedürfniß nach Aufmunterung und Belehrung, nach Erhebung im Aufblick zu Gott fühlbar machen, auch den Segen des allgemein geschätzten Andachtsbuchs derStunden der Andacht" zu Theil werden zu lassen, hat ihn bewogen, das hier angekün­digteFamilien - Andachtsbuch" zu bearbeiten. Es ist die letzte schrift- stellerrsche Arbeit des edelmülhigen Verfassers, möge sie nach seinem Sinn und Wunsche reichen Segen bringen.

Besonders die Herren Geistlichen fordern wir auf, zur weitern Verbreitung beizutragen und sind wir gerne bereit, jede mögliche Erleichterung bei Anschaffung größerer Par- thieen zu gewähren.

3601 Zn verkaufen.

Ein am Johannisberg gelegenes Gütchen, bestehend in einem Hause mit 10 Zimmern, Stallung und Remise, einem Garten mit den schönsten Obstbäumen, Trauben­blanken re. und zwei daran stoßenden kleinen Aeckern, wird ganz billig und unter sehr vortheilhaften Bedingungen ab­gegeben. Das Nähere ertheilt das Geschäftsbureau von

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In der L. Schellenberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden ist vorrâthig:

Nieritz Volkskalender auf das Jahr 1849. Mit 3 Kupfer­stichen und 20 Holzschnitten. Preis 36 kr.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.