leien, Säbelhieben rc. Drei Individuen, welche nach einer Patrouille mit Steinen geworfen haben sollen, retteten sich, von österreichischem und preußischem Militär verfolgt, in einen Nachen und suchten so ihren Verfolgern zu entrinnen, welche ihnen mit einem andern nachfuhren und alsbald auf beiden Ufern alle Stellen besetzten, um deren Entkommen zu verhindern. Nach einer förmlichen Jagd, welche mehrere Stunden andauerte, erreichten die Soldaten an der Brücke den Nachen, den sie so lange verfolgt hatten. Die darin befindlichen Leute suchten sich nun durch Schwimmen zu retten, wobei zwei derselben, durch Säbelhiebe verwundet, ertrunken seyn sollen, während der Dritte in die Hände seiner Verfolger fiel und gefänglich eingebracht wurde. Auch in andern Theilen der Stadt fielen ärgerliche Szenen vor, wobei Bürger und Soldaten mitunter schwere Verletzungen empfingen.
Frankfurt, 11. Sept. (Amtlich.) Der Abgeordnete der deutschen Nationalversammlung, Friedrich Dahlmann, von dem Erzherzog-Reichsverweser mit der Bildung eines Ministeriums beauftragt, hat erklärt, diesem Auftrage wegen nicht zu beseitigender Hindernisse nicht entsprechen zu können und sein Mandat zurückgelegt.
Der Reichsverweser hat sohin den zweiten Vizepräsidenten der deutschen Nationalversammlung, Friedrich v. Hermann aus München, zu sich beschieden, um ihn mit der Bildung eines Ministeriums zu beauftragen.
Aus der Pfalz. (A. Z.) Die Getreideärnte ist hier nach Quantität und Qualität vorzüglich ausgefallen. Auch sind Aussichten auf einen guten Herbst vorhanden; allein zur Verwirklichung bedarf cs noch trockener und warmer Tage. Volle Fässer und gefüllte Scheunen haben von jeher ihr Gewicht auch in die Wagschale unserer Politik gelegt, und je mehr wir uns jetzt nach Wiederbelebung des Handels und Wandels sehnen, desto ausrichtiger wünschen wir, daß unsere deutschen Brüder den Ueberfluß gegen ihr gutes Geld uns abnehmen, französische und russische Kriegöheere aber mit ihren hungerigen Mägen und durstigen Kehlen uns verschonen möchten.
In Stuttgart hat der Landesausschuß einen Ausruf „an das Volk und die Vereine in Würtemberg" erlassen, in welcher auf die Bluttaufe deS neuen Deutschlands vorbereitet und zum Kampf für des Vaterlandes Ehre aufgemahnt wird. Alle politischen Vereine in Stuttgart wollen den Würtembergischen Abgeordneten in Frankfurt ihre Gesinnungen in dieser Frage in einer Weise kundgeben, daß diese sagen könnten: „Hinter ihnen stehe der ganze schwäbische Volksstamm." Für den 10. ist wegen des Waffenstillstandes eine große Volksversammlung nach Cannstatt ausgeschrieben.
Berlin, 7. Sept. Jetzt am Nachmiltage (4% Uhr) de- battirt man in der Kammer über die wichtigste aller bisherigen Fragen, von deren Bedeutung alle Parteien gleich durchdrungen sind. Welches Resultat die heutige Sitzung geben wird, ist im Augenblicke noch nicht abzusehen. Die Linke beharrt bei ihrem Beschluß. Ihr Betragen in der Kammer war würdevoll, keinerlei Beifalls- oder Mißfallensäußerungen kamen von ihrer Seite. Ebenso wie der Minister Hansemann krank in der Kammer erschien, so erschien auch der Abg. Schramm (für Striegau) in einem sehr leidenden Zustand in der Kammer, um der Berathung beizuwohnen. In der Stadt herrscht zwar eine äußere Ruhe, doch ist Alles in der größten Aufregung und erwartet das entscheidende Resultat der Abstimmung. Die Bürgerwehr scheint entschieden aus der Seite des Volks ,ju stehen, und hat als Ausdruck ihrer Gesinnung eine Adresse in diesem Sinne an die Nationalversammlung gerichtet und durch ihr Kommando heute Morgen überreichen lassen. Das Militär hat gestern Abend scharfe Patronen erhalten, die Ka- valerie hat seit früh 5 Uhr gesattelt, um, wie versichert wird, bei einem Beginne deS Kampfes die Stadt zum Theil zu verlaffen. Mehrere Bataillone Bürgerwehr sind in der Nähe der Singakademie konsignirt und die Umgebungen der letztem find von Menschenmaffen angefüllt. Die KomiteS der verschiedenen Klnbbs haben ihre Sitzungen den ganzen Tag über abgehalten. Plakate und Proteste gegen das Ministerium werden zahlreich verbreitet.
Beim Herausgehen auS der Singakademie wurden den Abgeordneten der Linken vom Volke Hurrahs gebracht. Den Abgeordneten Stein und Waldeck wurden im Wegfahren die Pferde vom Wagen gespannt und dieser vom Volke die Linden entlang gezogen. (Lith. Nachr.)
Görlitz, 4. Sept. Heute früh ist der Landtag (von 1319!) burch Graf Löben feierlichst eröffnet, aber nach kurzer Zeit als «Landtag" wieder geschlossen worden, weil ein Abgeordneter der Landgemeinden aufstand, den Landtag mit dürren Worten
für gesetzwidrig erklärte und dadurch einen so großen Sturm und Tumult hervorrief, daß der Landesälteste die ganze Angelegenheit wenigstens in dieser Form aufgeben mußte. Er soll nachher, obwohl die Leute durch förmliche Patente einberufen waren, gesagt haben, dies sey nur behufs einer „Besprechung" geschehen. Nur die Rittergutsbesitzer sind heute Nachmittag zusammen gekommen und werden wohl nächstens mit einem Protest an die Nationalversammlung hervortreten.
Unter den amtlichen Berichten meldet die Wiener Zeitung: „Der Feldmarschall Graf Radetzky hat unterm 22. August wiederholt bekannt gemacht, daß es allen jenen politischen Flüchtlingen, welche wirklich österreichische Unterthanen sind, gestattet ist, frei und ungehindert, ohne sich einer gerichtlichen Verfolgung für ihre politische Vergangenheit auszusetzen, in ihre Heimath zurückzukehren."
Wien, 6. Septbr. (A. Z.) Der Zweck der Mission der beiden ungarischen Minister ist also nicht erreicht worden; der Kaiser hat die Sanktion des neuen Militärgesetzes verweigert, und die Erklärungen über das Verhältniß des österreichischen Ministeriums zu der serbisch-kroatischen Bewegung waren nicht zur Beruhigung der Ungarn ausgefallen. Sie stunden daher im Begriff, Wien zu verlassen, und Gott weiß, welchen Beschluß zu sassen! Da kam von Pesth die Nachricht, die De- putirtenkammer habe beschlossen, hundert ihrer Mitglieder als Deputation an den Kaiser zu schicken mit demselben Auftrag, den die beiden Minister hatten. Was wird, was kann das Ende dieses Kampfes seyn? Heute Abend kommen die hundert Deputaten an. Werden sie überhaupt eine Audienz erhalten? Und wie sollten sich seit gestern die Sachen dergestalt geändert haben, daß der Kaiser den Vollmachtgebern eine andere Antwort, eine diametral entgegenstehende Antwort zu geben disponirt seyn könnte, als er gestern den bevollmächtigten Ministern gab? Ein glückliches Treffen, die Wegnahme des Perlaszer Lagers, liegt zwischen gestern und heute — genügt sie zu einer Sinnesänderung des Kaisers? Ohne Zweifel nicht! Die Deputation der hundert Deputirten wird also auch unverrichteter Sache nach Pesth zurückkehren, und der unver, schiebbare Augenblick der Lösung, der Entwickelung der Krise ist gekommen! Ausrichtig — uns bangt vor der Katastrophe.
Schleswig-Holstein. Südwärts auf dem Rückmarsch begriffene hannoversche Truppen sollen in Altona Gegenbefehl erhalten haben. Dagegen dauern die Truppenburchzüge von Norden her durch Rendsburg noch fort. General Wrangel befand sich am 6. in Schleswig und wurde zum 7. in Rendsburg erwartet. Von Itzehoe erfährt man, daß Kammerherr Reedtz und Graf K. Moltke ohne weitere Belästigung nach Hamburg entlassen sind. Der preußische General v. Below ist am 5. September Abends in Rendsburg angekommen und nach dem Hauptquartier weiter gereist, nachdem er eine Besprechung mit den Mitgliedern der provisorischen Regierung gehabt. 50 deutsche Gefangene sind am 6. Abends von Eckernförde in Rendsburg eingetroffen und eine Auswechslung gegen dänische ist sofort erfolgt. In Kiel wurde den Zurückgekehrten der festlichste Empfang bereitet..
S eh w e i z.
Bern, 6. Sept. Tagsatzungsverhandlungen. Nach der Genehmigung des Protokolls theilt das Präsidium eine ihm aus Italien zugekommene Nachricht mit, nach welcher Frankreich dem österreichischen Hose den 4. Septbr. als Frist bezeichnet habe, eine bestimmte und letzte Erklärung über Annahme oder Ablehnung der französisch-englischen Vermittelung abzugeben. In Sardinien wurden nach derselben Mittheilung aufiS eifrigste die Kriegsrüstungen betrieben. (Wie reimt sich das mit der früheren Nachricht?)
Ungarn
Ofen, 4. Sept. (A. Z.) So eben komme ich aus der Sitzung der Repräsentanten, in welcher der Minister des Innern die Einnahme von Perlasz durch die ungarischen Truppen offiziell anzeigte. Hierauf bestieg Kossuth die Tribüne und eröffnete dem Hause, daß das Ministerium unter gegenwärtigen Umständen sich nicht mehr halten könne. Er bittet das Haus, ein Komite zu errichten, welches dem Ministerium als Beihülfe zugetheilt. Ferner wurde eine Deputation ernannt, welche sich sogleich nach Wien begeben und den König ausfordern soll, sich zu erklären, ob er noch länger die Krone Ungarns zu tragen willens sey. Im bejahenden Falle sey der König zu bitten, sogleich mit der Deputation hierher zu kommen, und von hier aus solle er die nöthigen Befehle gegen die Umtriebe der Raitzen, Kroaten re. erlassen. Weigere er sich, zu kommen, fo werde sich das Land als unabhängig (Republik.) erklären