Berathung dürfte der Beschluß anzusehen seyn, unverweilt an die deutsche Nationalversammlung eine Petition des Inhalts abgehen zu lassen, daß in die Grundrechte des deutschen Volkes die Gewährleistung eines einheitlichen Rechtsverfahrens, somit eines einheitlichen materiellen Rechts aufzunehmen sey.
Nordhausen, 24. Aug. (A. A. Z.) Obgleich die politischen Ereignisse vas Interesse an den Kämpfen auf religiösem Gebiete auf einen Augenblick in den Hintergrund gedrängt haben, so hat die hiesige freie Gemeinde doch dadurch nicht gelitten, sie ist unter den Stürmen der Gegenwart von Tag zu Tag großer geworden, und es haben sich bereits verschiedene Filialgemeinden in der Umgegend gebildet.
Berlin, 27. August. (D. A. Z.) Verhaftungen und aus such un gen gehen im großartigsten Maßstabe vor sich, n der vergangenen Nacht hat eine Haussuchung im Lokale des Handwerkervereius stattgefunden. Es fanden sich eine Quantität Pulver und eine Anzahl Patronen vor. Der Oeko- nom des Vereins wurde zu deren Herausgabe genöthigt. Der Handwerkerverein beabsichtigt. eine energische Reklamation; er ist als ein der Bürgerwehr aggregirtes fliegendes Korps zum Tragen von Waffen, mithin auch zur Verwahrung von Munition berechtigt. — Der Verhaftung des Hrn. Dowiat, die in einem Bierhause erfolgt ist, haben sich zwei andere angeschlossen. Der ehemalige Schullehrer Karbe und ein beliebter Volksredner, Hr. Ottensoffer, sind im Laufe der letzten Nacht zur Haft gebracht worden.
Tie Aufregung, welche hier herrscht, ist sehr groß. Die demokratischen Vereine haben alle Minen springen lassen gegen das Aufruhrgesetz. In Villa colonna ist ein festes Zusammenhalten gegen jeden Versuch, die errungenen Freiheiten zu verkümmern, von mehr als 2000 Bürgern eidlich angelobt worden. Da gestern am Schluß der Sitzung in der Singakademie der Präsident Grabow mittheilte, daß, falls das Aufruhrgesetz für die Montagssitzung zur Berathung nicht reif seyn sollte, man das Bürgerwehrgesetz diskutiren werde, so will man hierin einen dem Ministerium angedeuteten Ausweg erblicken, auf welchem sich ein Zurückziehen der Vorlage umgehen ließe. Dessenungeachtet erwartet Alles auf morgen neue Ausbrüche des Volksunwillens. Es wird versichert, daß zehn Bataillone der Bürgerwehr auf morgen Nachmittag konsignirt seyen.
In gut orientirten Kreisen will man wissen, daß in Wien binnen kurzem von der reaktionären Partei ein Schlag ausge- sührt werden soll. Man ist schon lange bemüht, die im Ganzen freundschaftlichen Beziehungen der wiener Garnison zu der Bevölkerung zu stören, um so bei „Vorkommnissen" sicherer auf die Truppen rechnen zu können.
Bis heute, 27. August, Mittags, sind an der Cholera erkrankt 212 Personen (seit gestern 22), davon sind gestorben 148, genesen 22 und 42 noch in Behandlung.
Nach den neuesten Briefen aus Altona vom 27. und Kiel vom 26. war über die Waffenstillstandsverhandlungen nichts Neues bekannt geworden. Nur wird bestätigt, daß eine TH eilung Schleswigs nach der eigenen Abstimmung der Bevölkerung als das Mittel, um zur definitiven Entscheidung der Frage zu kommen, in Aussicht gestellt werde.
Neuesten brieflichen Nachrichten auö Rendsburg zufolge erfahren wir, daß vorgestern noch keine Nachricht über daS Gelingen oder Scheitern der Malmöer Waffenstillstandsunterhandlungen bei der provisorischen Regierung eingelaufen war.
Aus dem Sundewitt, 25. Aug. Gestern hatten wir Gelegenheit, den Oberbefehlshaber der deutschen Bundesarmee bei unseren Vorposten zu sehen. Die aus dem nassauischen, wei- marischen und frankfurter Kontingent gebildete Brigade Alefeld hat jetzt die Vorposten bei Alnoer, Gravenstein und Atzböll und ist dem zehnten Armeekorps unter dem General Halkett zugetheilt. Auf einem trefflich gelegenen Platze bei RinkeniS, von dessen Höhe man mit einem Blicke den Sundewitt, die siensburger Bucht und die dänischen Blokadeschiffe beiHolmnis übersieht, war ein nassauisches und das frankfurter Bataillon M Parade aufgestellt, als der General von Wrangel mit dem m seinem Hauptquartier angcstellten Prinzen Friedrich von Baden, dem General Halkett und einer großen Suite ange- iprengt kam. Nach der Musterung und dem Vorbeimärsche sprach der General v. Halkett seine Zufriedenheit über das Äußere der Truppen aus, besichtigte im Einzelnen Waffen, Munition und Lebensmittel und ließ sich dann die aus den -rolonnen um ihn herum gerufenen Offiziere einzeln vorstellen.
Nun richtete er sich hoch auf im Sattel und sprach leb
haft, klar und eindringlich zu den versammelten Truppen. Leider können wir die vortrefflichen Worte nicht wiederholen, doch war ihr Inhalt: „Ich freue mich, Euch willkommen zu heißen auf dem Kriegsschauplätze, im Kreise der anderen deutschen Bundestruppen. Seyd wie sie brav und gehorsam! Unter dem Befehle des kommandirenden Generals, unter den ich Euch gestellt habe, ist das leicht. Ihr kommt von Nassau, Ihr von Frankfurt und mich sendete der König von Preußen. Darauf kommt es hier aber gar nicht an. Wir Alle sind Deutsche. Deutschland ruft uns in den Krieg. Es lebe unser großes Deutschland! Es lebe der Reichsverweser! Hoch!" Einer der neuen Kommandeure wollte nun mit der Truppe dem General v. Wrangel ein Hoch bringen, doch ließ er dieses nicht zu: „Halt! halt! Jetzt nicht, meine Herren! Wir müssen uns erst näher kennen lernen! Wenn Ihr Leute erst die Bluttaufe bekommen habt, nach dem nächsten siegreichen Treffen unter meinem Befehl, und wenn es hier zu spät seyn sollte, so auf einem anderen Kriegsschauplätze, da könnt Ihr mich hoch leben lassen, da werde ich es mit Dank annehmen ! Versteht Ihr mich?" Eine Stunde später war bei Atzböll ein anderes nassauisches Bataillon, der Rest des Bataillons Weimar, welches die Vorposten hatte, und eine Batterie aufgestellt. Unter Donner, Blitz und Gewitterregen wieder eine schöne Parade über Truppen von echt soldatischer Haltung,, und ähnliche Anreden, wie oben. Wieder treffen wir unsern ritterlichen Bundesgeneral bei Kieding, um in derselben Weise die früher im Süden Schleswigs postirt gewesenen Truppen von der Brigade Ranzow zu besichtigen, nämlich zwei hanseatische Bataillone und zwei hanseatische Schwadronen.
Aus Nordschleswig, 24. August. (O.-P.-A.-Z.) Gerüchte kreuzen sich hier mit Gerüchten, so daß in der That Niemand ganz sicher weiß, woran man ist. ' Den einen Tag heißt es ganz bestimmt, der Waffenstillstand mit Dänemark sey fest abgeschlossen und unsere Truppen würden in kurzer Frist schon in die Heimath abmarschiren, den anderen Tag wieder: es sey jetzt der Entschluß gefaßt: unverzüglich in Jütland einzurücken und die Dänen mit aller Macht, überall wo nW» sie fände, anzugreifen. Die letzte Nachricht erregte einen allgemeinen Jubel unter dem größten Theile des ganzen Heeres, denn nur eine gar kleine Partei ist es, die der Beschwerden des Krieges überdrüssig, sich nach Ruhe und den bequemen Friedenögarnisonen sehnt. Darin stimmen alle aber überein, daß sie eine Veränderung des jetzigen Zustandes sehnlichst wünschen; denn unsere Soldaten haben alles Ungemach des Krieges , ohne dessen Lorbeeren ernten zu können.
Die Quartiere, besonders im Sundewittschen, wo der gefährlichen Nähe von Alsen wegen stets eine sehr große Truppenmenge liegt, sind oft ziemlich schlecht, besonders wo große Massen auf einem Fleck zusammengehäuft sind. Ein einziges Bauernhaus muß oft 40—50 Mann beherbergen, und die Leute müssen oft enggedrängt und ohne frische Streu in Ställen und Schuppen liegen. An Vorpostendienst und nächtlicher Alar- mirung fehlt es dabei nicht; denn selten vergehen ein paar Tage, wo nicht irgend ein Angriff der Dänen vermuthet wird. Besonders von der Secseite her setzen sie uns oft in Alarm und häufig erdröhnen die Kanonenschüsse, welche zwischen ihren Schiffen und unseren Strandbatterien gewechs.lt werden. So hatte nämlich vor einigen Tagen eine hannoversche Batterie ein sehr hitziges mehrstündiges Gefecht mit zwei dänischen Cor- vetten, von denen sie eine stark beschädigte, selbst aber nur einen Mann und eine Lafette verlor.
Der Gesundheitszustand wird in Folge der rauhen, nassen Witterung, die fast beständig herrscht, des vielen Dienstes, der die Soldaten oft 2—3 Tage nicht aus den durchnäßten Kleidern kommen läßt, und der schlechten Quartiere theilweise schon ziemlich schlecht und die Hospitäler füllen sich auf bedenkliche Weise. Besonders die Fieber- und Ruhrkrankheiten nehmen sehr überhand, in letzter Zeit auch als Folge deS Krieges die syphilitischen Krankheiten. Die süd- und mitteldeutschen Truppen werden am meisten leiden müssen; denn die schweren und fetten Speisen, gewöhnlich in Speck und Erbsen bestehend, welche der Soldat hier täglich erhält, die gänzliche Entbehrung des Weines, an dessen Stelle hier der Branntwein tritt, und die windige feuchte Witterung sagt ihnen am schlechtesten zu, da sie alles dessen am wenigsten gewöhnt sind. Am besten vertragen die pommerischen, mecklenburgischen und friesischen Soldaten diese Nahrung und Witterung, die ihren heimathlichen Zuständen am gleichehesten kommt.
Wien, 25. August. Die neueste Wiener Ztg. bringt folgende allerhöchste Entschließung: „Veber Antrag meines Justizministers und nach Anhörung meines Miulsterrathö habe