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O Paris, 22. August. Der Moniteur enthält eine Ver­ordnung, mittelst welcher die Herren Senard und Cavaignac abermals vier Journale unterdrücken. Diese vier Journale beißen: 1) Proudhon's Volksrepräsentant, 2) Père Düchesne, 3) Lampion (royalistisch), 4) Thore's Vraie Republique. Die Motive dieser Maßregel lauten wörtlich:

In Erwägung, daß diese Journale durch ihre Lehren gegen Staat, Familie nind Eigenthum, durch ihre heftigen Aufwiegeleien gegen die Gesellschaft, gegen die aus der Volks- souveränetät hervorgegangenen Behörden, gegen die Armee, gegen die Bürgerwehr und selbst gegen Privatpersonen, von einer Natur sind, daß, wenn man sie länger duldete, sie int Schooße der Cito Aufregung, Unordnung und Kricg^erzeugen würden; in Erwägung, daß sie in Masse und zum Theil un­bezahlt auf den Straßen und Plätzen, in Werkstätten und un­ter die Soldaten vertheilt worden sind und somit zu Werkzeu­gen des Bürgerkrieges, statt der Freiheit wurden:

beschließt der Konseilpräsident nach Anhörung der Mi­nister :

Artikel I. Vom heutigen Tage sind und bleiben die Journale: le Repräsentant Peuple, le Pere Düchesne, le Lampion, la Vraie Republique suspendirt. Artikel II. und III sprechen sich über die Ausführungsförmlichkeiten aus).

So geschehen zu Paris, 21. August 1848.

(gez.) Senard. Cavaignac.

Gestern Nacht wurden wieder 412 Räuber aus den Forts Ivry, Noissy le See und Vauves, drei zu drei aneinander gefesselt, in die Eisenbahnstation Asnieres geschafft und dann nach Havre gefahren, wo sie für Bèlle-Jsle eingeschifft werden. Bei ihrem Austritte aus den Ringmauern von Paris zeigte sich wilde Verzweiflung unter ihnen und Einige stießen Dro­hungen und Verwünschungen gegen dieVerstümmler der Fe­bruar Republik" aus. Auf dem Nämensregister, das der Moniteur veröffentlicht, das aber leider sehr mangelhaft ist, sahen wir einige Deutsche. Nur folgende Namen sind uns aufgefallen: Jakobinski, Ferdinand Morinot aus Trier und Krieger, v. Cormenin, der menschenfreund­liche Vikomte, den die Nationalversammlung zum Gefângniß- Oberaufseher ernannt hatte, hat ihnen Portofreiheit ausge­wirkt.

I t a l t e ii.

DerCorriere Livornese" gibt folgende Szene aus Rom: Gestern (8. d.) verabschiedete der Papst den Grafen Campello mit folgenden Worten:Sie haben mir in wenigen Tagen mehr Proklamationen gemacht, als ein ganzes Ministerium in einem Jahre! Sie proklamiren in wüthenden Edikten den Krieg mit Oesterreich, den ich nicht haben will noch darf! Sie haben mir die tüchtigsten Beamten aus dem Ministerium vertrieben! Ihre ganze Politik ist meinen Prinzipien zuwider und so for­dere ich Sie auf, sich zurückzuziehen!"" Worauf Campello, die Blüthe aller Ehre, antwortete: Er habe das Ministerium aus Aufopferung um des allgemeinen Besten willen übernom­men und nach seinen eigenen wohlbekannten Prinzipien gehandelt; übrigens habe er nie das Brod der Mastai noch der Regierung gegessen, werde deßhalb immer Graf Campello bleiben und mit unverletzter Ehre und heilen Prinzipien aus der Regierung treten können. Der Papst war wüthend. Heute hat das ganze Kabinett abgedankt. Graf Pasolini sagte schon gestern öffentlich:Kein Ehrenmann kann fürder Minister Pio nonos seyn." In diesem Ton ergehen sich jetzt die weiland Ver- götterer.

Rußland.

Die Gerüchte der Breslauer Zeitung vom gleichzeitigen Aufstande in Petersburg, Moskau und Warschau lösen sich schon heute in ihr Nichts auf. Die Breslauer Ztg. selbst bemerkt am 19,: Der gestrige Abendzug der oberschlesst- schen Eisenbahn hat weder eine Bestätigung noch eine Wider­legung der gestern hier angelangten Nachrichten aus Rußland mitgebracht, eben so ist auch von dem eben anlangenden Mit- tagszuge nichts Näheres uns zugegangen, nur hören wir, daß in Warschau, unserer Mittheilung aus Posen vom 16. August entgegen, Alles vollkommen ruhig ist.

Außerdem enthält die Hamburger Börsenhalle folgendes: Sämmtliche Privat-und Geschäftsbriefe von St. Peters­burg und Moskau, erstere vom 16. d. M. mit dem Dampfboot über Lübeck, sprechen mit keiner Silbe von Unru-

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag

hen in einer oder der andern dieser Städte. Die Petersburger freuen sich des allmäligen Verschwindens der Cholera; cs kamen nur noch 14 bis 15 Fälle täglich vor.

Sprechsaal für Stadt und Land.

Berichtigung.

In unserer gestrigen Zeitung ist der Abg. v. Eck unter denjenigen Abgeordneten aufgeführt, welche bezüglich des hie­sigen Theaters für den Antrag von Creutz unv Fresenius gestimmt haben. Dies ist unrichtig, indem v. Eck nur für den Antrag von Justi und Wimpf gestimmt hat; v. Gödecke dagegen für den von Creutz und Fresenius.

Ständeversammlung. Tagesordnung für Samstag den 26. August 9 Uhr.

1) Ministerialbudget. Fortsetzung.

2) Militärerigenzetat. Schluß.

3) Bericht des Prioritätsauöschusses, über den Antrag: Die Aufhebung des Landesgestütes betreffend.

4) Petitions-Bericht.

Bekanntmachungen.

316J Herzoglich Nassauische

Domanial - Weinverstcigerung

Dienstag den 12. September 1848, Vormittags 10 Uhr, werden zu Eberbach int Rheingau die nachstehend verzeichneten Weine öffentlich an den Meistbietenden versteigert:

A. Aus der 1847t Erndte.

sodann:

B. An älteren Weinen aus dem Herzoglichen Cabinets keller daselbst.

Ein halbes Stück Steinberger 1818t Marcobrunner 1811t

. Hochheimer 181 lr

Hochheimer 1835r

Marcobrunner 1835t

Rüdesheimer 1835r

Rüdesheimer 1834t

Hochheimer 1834t

Marcobrunner 1834t

Steinberger 1834t

Marcobrunner 1839t

Hochheimer 1839t

Steinberger 1839t

Ein halbes rheinisches Stück ist gleich vier Frankfurters Ohm. Samstag den 9. und Montag den 11. September können die Proben an den Fässern genommen werden. An dem Versteigerungstag selbst werden solche aber nur in dem zur Versteigerung bestimmten Lokal gegeben. Wiesbaden, den 23. August 1848.

Aus der Canzlei der Herzog!. Nassauischen

General - Domänen - Direktion.

WM DM»»

Heute, Samstag, den 26. August: 31i

Abends 8 Uhr

Réunion dansante»

In der L. Schellenberg'schc» Hof-Buchhandlung in Mies' baden ist zu haben:

Das tausendjährige Reich oder: Merkwürdige Propp zeihungen auf die Vierziger Jahre. Preis 4 kr. , der 8. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.