hatten sich in den Keller deS Wirthes gemacht und zapften den Branntwein und Meth in Eimer. Der Fürst war trotz seines hochfahrenden Sinnes nicht eigen in der Wahl seiner Zechgenossen; sein Stallmeister, seine Trabanten und Knechte waren ihm bei seinen wüsten' Gelagen vornehm genug. So auch heute; ein dichter Kreis seiner Leute hatte sich um ihn am großen Tische der Wirthsstube geschart; er hielt einen großen zinnernen Becher in der Hand, aus dem er in tiefen Zügen trank. — Mein gelehrter Wundarzt! schrie er Plötzlich, würdiger Hüter meines edlen Körpers, warum verschmähst du wieder den edlen, trefflichen Nektar der Polen, diesen goldenen Branntwein Joseph's, des Sohnes Jakob'S, der wieder nicht als Herr, nein, als Knecht in Aegypten wohnt, und den wir nun nach Herzenslust plagen dürfen?
Der Fürst lachte laut über seine biblische Anspielung. Warum trinkst du nicht, Amicc, warum säufst du nicht, du Schüler der gelehrtesten Tochter unserer Mutter Polen, der Universität Wilna?
Ich habe schon zur Genüge getrunken, mein durchlauchtiger Herr, antwortete der Wundarzt bescheiden. Thäte ich des Guten zuviel, ich würde mich ja an unserer großen Kunst, der Chirurgie, versündigen. Wohl führt den Säbel wacker, wer unerschrocken auch den Becher leert; aber das Messer des Wundarztes muß mit leichter, feiner Hand geführt werden. Die Hand, die schröpft, zur Ader läßt, Verbände auflegt, darf nicht zittern; der Branntwein aber ist ein arger Schalk, der seine besten Freunde zum Zittern bringt.
Nun, so trinke mäßig. Es ist wahr, mit sanfter Hand hast du mir manche Wunde, idie ich gegen Moskovitcr und Kosaken oder in Zweikämpfen zu Warschau empfing, verbunden, und ich konnte immer bald wieder mein Roß besteigen und meinen Säbel und mein Faustrohr gebrauchen. Und mehr als Eine Wunde, suhr er prahlerisch fort, wirst du noch zu verbinden haben, mein Lieber, denn Johannes Fürst Rawuzky wird noch als ein echter, adeliger Sohn Polens zu manchem Kampfe ziehen gegen den ungläubigen Türken, den Moskoviter oder den Ungarn'und den dummen Deutschen.
Ein so stolzer, hoher Fürst, als Ihr, durchlauchtiger Herr, seyd, versetzte der Wundarzt geschmeidig, und der Joseph ist Eurem Zorne nicht zu gering? Nicht wahr, Ihr laßt ihn seiner Bande morgen wieder ledig?
Nein, nein! schrie der Fürst zornig, aus der verfluchten Judenbrücke begegnen mir immer schlechte Vorzeichen; zweimal ist mir dort mein Gaul schon gestrauchelt, Md jedes Mal ist mir dann ein Unglück widerfahren. Vor drei Jahren ritt ich das herrlichste Pferd, das je meine Sporen gefühlt; doch strauchelte das Thier auf der Brücke — den andern Abend trank und spielte ich in Mirz mit Edelleuten, und richtig verlor ich gegen den jungen Radziwill zweitausend Dukaten. Und das zweite Mal war mein gutes Pferd wieder auf der verfluchten Brücke gestrauchelt; ich ritt damals, du weißt es ja, zu einem
Zweikampfe mit dem jüngsten Grafen Tobiansky , und — es mußte so geschehen — ich bekam von dem Grafen, der eben erst daS Pagenwamms ausgezogen hatte, den furchtbaren Säbelhieb über die Brust, an dem ich drei Wochen darniederliegen mußte. Heute Morgen, als wir vom Schlosse wegritten, rief mir meine liebe Mutter noch zu: Nimm dich in Acht, nimm dich in Acht auf der Brücke vor Sukowiborg! Und weißt du nicht, du gelehrter Mann, daß tapfern Kriegsleuten stets Unglück begegnet, wenn ihr Pfèrd strauchelt, da sie zu einem Unternehmen ausreiten? Hast du wohl gehört, wie es Rakozy, dem Ungarn, erging? — Der Wundarzt schüttelte verneinend mit dem Kopfe.
(Fortsetzung folgt.)
* Texanische Zustände und Sitten
Loredo am Rio grande, Nueces County, Teras, den 4. Jan. 1848.
(Fortsetzung und Schluß.)
In der Abendstunde wird Toilette gemacht und da wissen sich die Frauen denn auch schon heraus zu putzen, obgleich die Spiegel hier unbekannt sind. Ein Frauenzimmer muß dem andern beim Anzug daher helfen. Gehen die Frauenzimmer in die Kirche, (die einzige Gelegenheit sich öffentlich zu zeigen) so sind sie wahrhaft kostbar gekleidet.
Die Häuser sind meist von Stein gebaut, mit'flächen Dächern. Fußböden und Fenster gibt es hier nicht, und das ist eine Mühe weniger für die Frauen, welche sie auch nicht zu putzen brauchen, Die Wände sind hübsch geweißt und mit Kaliko's bespannt. Ueber dem Bette finden sich viele Heiligen-' bilder, welche die Kranken immer herabnehmen und zu sich nehmen. Ich weiß nun nicht, ob der heilige Antonio meinen Kranken hilft, oder ob es die Arzneien thun. In den Häusern der Reichen findet man viele Kostbarkeiten, aber Schränke und Kommoden sind ganz unbekannt. Kisten und Kasten stehen nie auf der Erde, sondern auf Bänkeu: damit sich keine Schlangen, Skorpionen, Taranteln und dergleichen verdrießliches Vieh darunter bergen kann.
Den 15. April.
Die kleinen Kinder scheinen mir hier nicht so viel zu schreien, als bei Euch. Ueberhaupt sind auch die etwas erwachsenen Knaben und Mädchen manierlicher und das rohe Gassenvolk fehlt ganz. Fch kann übrigens nicht von Meriko überhaupt sprechen, sondern nur von Loredo, das früher dazu gehörte und das ich bisjetzt nur näher kenne. Die Mädchen aus den vornehmen Familien werden mit der furchtbarsten Strenge an Eingezogenheit gewöhnt. Den ganzen Tag sitzen die Töchter, nähen auf Büffelhäuten und Schaffellen, da sie den Gebrauch der Stühle im Hause hassen. Auch sind es die Töchter, welche sich mit Weben befassen, während die Mütter