Gegen das Gesetz: Der Präsident Wirth und die beiden Sekretäre Bellinger (Professor) und v. Schütz, sodann die Abgeordneten: Bertram, Blum, V. Eck, Fresenius, Großmann, Habel, Hatzfeld, Keim, Krämer, Remy, Siebert, Wimpf, und Zollmann. (16 Stimmen.) Abwesend war der Abgeordnete Schlemmer.
□ Hadamar, 19. August. Der am 16. d. M. durch Majorität gefaßte, in verschiedenen Nummern dieser Zeitung bereits besprochene Kammerbeschluß wegen der Zehntablösung, hat hier und anderwärts eine schwer zu beschreibende Aufre-. gung veranlaßt. Aus allen Städten des Herzogthums, aus Vielen Landgemeinden werden energische Prolestationen dagegen bei der Ständekammer eingereicht werden, und Petitionen und Sturmpetitionen werden bei der Regierung darauf dringen, jenen unseligen Kammerbeschluß durch ein Veto vor der Hand unschädlich zu machen und eine anderweite Berathung durch eine neue Kammer zu veranlassen.
Möge die Regierung sich energisch zeigen und darauf ein# gehen!
Wenn von einer Volkskammer solche Beschlüsse gefaßt werden, wenn sie einen Theil des StaatSvermögens, das sie zu erhalten und zu vermehren berufen ist, geradezu verschleudert, wenn sie über Privateigenthum willkürlich disponirt, rechtsgültige Verträge aufhebt und Gesetze mit rückwirkender Kraft dckretirt: dann wahrhaftig stehen wir auf einem Boden, der mehr ist als ein Boden der Revolution, der jedes Eigenthum, jeden Besitz in Frage und in Gefahr stellt! Wir würden uns nicht wundern, wenn dieselbe Majorität alsbald fände, daß die zu einer Zeit, wo die Güterpreise sehr niedrig waren, in's Leben gerufene und bis jetzt unverändert gebliebene Grundsteuer gegen die schon mehrmals erhöhte Gewerbesteuer, zu hoch stehe, daß die Gutsbesitzer seither schlechte Zeiten gehabt und gedrückt, dagegen Handel, Gewerbe und Industrie in blühendem Zustande, in freudigem Gedeihen gewesen seyen und noch seyen, daß man also die Grundsteuer herab-, die Gewerbsteuer aber heraufsetzen müsse!
Ja ihr Alle, die ihr zum Gewerbestande, zu den Handwerkern gehört, die ihr als Taglöhner oder als Bergarbeiter, eure Familien zu ernähren sucht, ihr, die ihr von mitunter kärglichen Besoldungen lebt, — ihr alle möget euch darauf gefaßt machen, daß ihr zu den drei ausgeschriebenen noch drei oder vier weitere. Steuersimpeln für dieses Jahr zu bezahlen habt. Ihr werdet aber darin eine freudige Beruhigung finden, daß man auf eure Kosten den reichen Gutsbesitzern ein großes Geschenk gemacht hat! -
Frankfurt, 21. August. (73. Reichslagssitzung. Forts.) Nach den bereits erwähnten Mittheilungen erwähnt Reichsminister v. Schmerling der bisherigen Bestrebungen im Interesse der Gründung einer deutschen Flotte. Beim Beginn des Kriegs mit Dämemark bereits hatte sich die Nothwendigkeit herausgestellt, dem Feinde auch zur Sèe entgegen zu treten. Die Idee, hierfür zu wirken, haben vorzüglich die patriotischen Bewohner von Hamburg aufgegriffen. Schiffsrheder haben für die Bewaffnung geeignete Schiffe zur Verfügung gestellt. Gooffroy in Hamburg hat eine Reise nach England unternommen, insbesondere um tüchtige und gewandte Offiziere zu gewinnen. Man hat übrigens sofort eingesehen, daß durch Privatleute nur ein Anfang zu erlangen sey. Die Bundesversammlung und der Fünfziger-Ausschuß haben sich mit der Sache beschäftigt; erstere hat dem Marinekomite zu Hamburg 500,000 fl. zur Verfügung gestellt. Es sind gegenwärtig zwei Segelschiffe, drei Dampfschiffe und ein Kanonenboot für den Kriegszweck ausgerüstet in Hamburg. Die Dampfschiffe sind mit dem erwähnten Betrag angekauft. Das Kanonenboot ist von den Bewohnern der Vorstadt St. Pauli in Hamburg «rbaut. Das eine Segelschiff (Deutschland) ist als Fregatte mit 32 Kanonen ausgerüstet. Die Besatzung der Schiffe ist großtentheils aus der Freischaar des Majors Tann genommen.
hMen, daß die Schiffe geeignet seyn werden zu kriege- ârwendungen, wenn es Noth thun sollte. Es handelt sich letzt darum, die Schiffe für die Zentralgewalt zu überneh- Es |inb zur Prüfung der Brauchbarkeit Kommissarien korben, und nach Einlangen des Berichtes wird ■ das Ministerium die feierliche Uebernahme und die Beeidigung
Mamllchaft für Deutschland beeilen.
^tlchskrlegöminister Peucker theilt unter Bezugnahme â „ber Nationalversammlung vom 15. Juli mit,
w reUr-.ele Erhöhung der deutschen Streitmacht auf 2 pEt. v die erforderlichen Einleitungen getroffen wor-
M Jp Durchführung bedarf, wenn sie nicht den Stem- ^heraus; es war ein ergreifender 3 *» cer Mangelhaftigkeit an sich tragen soll, einer längeren j daS Wort und wies darauf hin,
Zeit. DaS Ministerium erachtet es für seine heiligste Pflicht, die Last so viel wie möglich zu erleichtern. Den einzelnen Regierungen ist freigegeben worden, die engeren Grenzen der bisherigen Normen zu verlassen.' Die Kavallerie und Artillerie ist auf das Nothwendigste zurückgeführt. Es ist anheimgegeben, sonst brauchbare Waffen auch "nicht der neuesten Konstruktion zu verwenden. Es werden demnächst Offiziere der verschiedenen Armeekorps zur gemeinschaftlichen Berathung hierher einberufen werden, und die Zentralgewalt wird sich angelegen seyn lassen, von dem Stande der Armee durch Jn- spizirung ic. sich in steter Kenntniß zu erhalten.
Berlin, 18. Aug. Die Cholera macht hier am Orte Fortschritte. Bis gestern sind 69 Personen als erkrankt angemeldet, von denen 45 gestorben, 6 genesen und 18 in Behandlung geblieben sind. Die meisten Fälle sind durch nachweisliche grobe Diätfehler herbeigeführt.
Unser Ministerium soll den katholischen Antragstellern aus dem Münsterlande die Zusicherung ertheilt haben, daß der Oberpräsident Flottwell nicht in seine amtliche Stellung nach Westphalen zurückkehren werde.
Es wird erzählt, ein höherer, unserm Könige persönlich nahestehender Offizier habe in einem an den König gerichteten Privatschreiben die Aufnahme einiger Bürgerwehr-Offiziere in daö den Hof nach Köln geleitende militärische Gefolge als zweckmäßig'empfohlen. Es soll sich, da dieser Vorschlag unbeachtet geblieben ist, auf Nachforschung des Verfassers jenes Schreibens herausgestellt haben, daß der Brief sich noch nach der Abreise des Königs im Besitze des geh. Kabinetsraths 31# laire befindet und zur Kenntniß des Königs gar nicht gelangt ist. " (Lith. N.)
Posen, 17. Aug. Nach Privatmittheilungen aus Warschau war daselbst am 13. ein Au fstand aus geb rochen, an welchem auch ein Theil der Truppen Theil nahm. Nach einem fünfstündigen Bombardement der Stadt "ist derselbe jedoch unterdrückt worden. Ausführliche Mittheilungen über den Hergang fehlen noch, doch scheint dieser Aufstand mit der %or einiger Zeit in St. Petersburg entdeckten Verschwörung des Staniszewsky in Verbindung gestanden zu haben, und in Folge Statt gehabten Verraths und der vorgenommenen Verhaftungen zu frühzeitig ausgebrochen zu sein; denn es soll im eigentlichen Plane gelegen haben, jedenfalls in Petersburg selbst den ersten Schlag zu thun.
Hamburg, 18. Aug. (W. Z.) Es ist erreicht! der heutige Tag bezeichnet den Anfang eines neuen Hamburgs. Der Senat hat vollständig nachgegeben und auch Hamburg wird von nun an, wie Bremen es schon vor einem halben Jahre durchzusetzen vermochr hat, die Republik in Wahrheit seyn, wie sie es bisher nur dem Namen nach gewesen. Doch lassen Sie sich nach der Ordnung erzählen, was sich heute zugetragen hat.
Die Deputation der Vereine erschien diesen Mittag 2 Uhr aus dem Rathhausc, wo sie, nach etwa viertelstündigem Warten, den unten mitzutheilenden Entscheid des Senats, welcher heute in seinem Berathungssaale vollzählig versammelt war, durch Herrn Senator Holler empfing. -- In e er Umgebung der Tonhalle war inzwischen ein sehr zahlreiches Publikum in gespannter Erwartung und mindestens 2000 Vereinsmitglieder füllten wieder den großen Saal des Gebäudes, welches abermals durch Bürgergardisten in Waffen vor jeder Störung geschützt wurde. Die gegen halb 3 Uhr eintretende Deputation empfing im Saale ein von allen Seiten losbrechender, stürmischer Applaus; die heiteren Gesichter der Abgeordneten verkündeten eine erwünschte Botschaft. Sie erfolgte in der That. Als Dr. Baumeister die Sitzung für eröffnet erklärt hatte, gab er nach wenigen Einleitungsworten Kenntniß von dem
Bescheide des Senates. Er lautet:
„Nach sorgfältiger Erwägung der eingegangenen »er# „ sch iebenen Petitionen ist der Senat seinerseits der „Ansicht, daß die Feststellung der künftigen Verfassung „abseiten der zu diesem Zwecke zu berufenden fonfti# „tuirendcn Versammlung unabhängig von Rath „und Bürgerschaft zu beschaffen seyn werde und „wird Er daher seinen Antrag an Erbgesessene Bürger- „schaft dahin richten."
Schon nach den bedeutsamen Worten „unabhängig von Rath und Bürgerschaft" wurde der Vorsitzende vom Jubelruf der Versammlung unterbrochen; er wiederholte sich, nachdem Dr. Baumeister geendet hatte. Das Echo dieser herzlichen Freude ertönte sogleich von draußen und auch von der Straße herauf; es war ein ergreifender Moment. Dr. Wille erhielt ■ — " ' ' " , daß man endlich an dem