reiner und lauterer Mittel zur Erreichung seiner Zwecke bedient. Als einen würdigen Anfang zu diesem schwierigen Beginnen begrüßen wir freudig das kräftige Auftreten der Stadt Herborn, das bald das Land durcheilen und die Gleichgesinnten unter einer Fahne vereinigen wird. Den 15. b. M. unterzeichnete eine, von den Landleutcn namentlich, zahlreich besuchte Volksversammlung in Herborn einen energischen Protest und Forderung an die Kammer in Bezug auf ihre Beschlüsse vom 2. August über das Zehntgesetz. In diesem Protest war die ganze Sachlage mit ihren Folgen ausführlich dargelegt und zum Schluffe unter den sechs Forderungen, Ablösung im 20fachen Betrage und unverändertes Festhalten an den früheren Verträgen verlangt. Da aber mittlerweile durch den letzten Beschluß und die Annahme des ganzen Gesetzes, von Seiten der Kammer nichts mehr zu erwarten, der Protest übrigens mit äußerst zahlreichen Unterschriften aus den Aemtern Herborn und Dillenburg, soviel Einsender bekannt, schon abgeschickt war — so faßte am 17. eine vorberathende Versammlung den Beschluß, eine Petition an das Ministerium abgehen zu lassen, in welcher verlangt wird, daß jener Beschluß der Kammer nicht in Wirksamkeit trete, die ganze Kammer sofort aufgelöst werde und neue Wahlen stattfinden sollen. Zur Begründung dieses Gesuches wurde ein Abdruck des Protestes an die Kammer beigelegt. In einer den 20. zu haltenden großen Volksversammlung werden die letzten Unterschriften gesammelt und alsdann das Ganze fortgeschickt. Zugleich wurde ein Aufruf an die Einwohner Nassau's erlassen, welcher sie zu ähnlichen Schritten auffordert, um vereint den Forderungen ein möglichst starkes Gewicht zu verleihen. — Zum erstenmal also ist der im Land durchaus nicht zweifelhaften Stimmung über die Volksvertreter ein öffentlicher Ausdruck gegeben und hiermit zugleich das ganze Land aufgefordert, ebenfalls seine Meinung in die Wagschale zu legen. Wir fürchten durchaus nicht die Aufregung, die allenfalls durch eine Auflösung der Kammer entstehen könnte; jeder der es aufrichtig meint mit dem Wohl des Vaterlandes, wird ein bald wieder vorüberziehendes Ungewitter unbedingt einem so gründlichen und bleibenden Unglück vorziehen, als die Folgen jenes fabelhaften Gesetzes mit sich führen müssen. —?—
Wien, 14. Aug. (A. Z.) In der heutigen Sitzung der Reichsversammlung fragte der Abgeordnete Löhner den Finanzminister: ob die Regierung nicht gesonnen sey, von dem ehemaligen Staatskanzler Fürsten Metternich Rechenschaft zu fordern über die ihm anvertrauten Staatsgelver. Und da der Redner vernommen, daß Fürst Metternich für die vor langer Zeit von ihm angekaufte ehemalige Staatsherrschaft Plafi in Böhmen den Kaufschilling noch immer nicht erlegt habe, so frage er den Finanzminister, ob der Staatsschatz sein Recht auf jene Besitzung nicht geltend machen wolle, bevor dieselbe mit Schulden belastet werde. Finanzminister KrauS: Mit dem ersten Theil der Frage, inwiefern nämlich der ehemalige Staatskanzler zur Rechnungsablage über die von ihm verwendeten Staatsgelver ausgefordert werden soll, habe er sich schon beschäftigt. In Bezug auf den noch nicht erlegten Kaufschilling für die ehemalige StaatSherrschaft Plaß werde er unverweilt eine Untersuchung anordnen.
Von der Schweizergrenze. Am 11. dieses Monats fand in Baden (Schweiz) eine Versammlung deutscher Flüchtlinge Statt, um über ihr ferner einzuhaltendes Verfahren zu berathen. Hecker, mit welchem die Flüchtlinge unzufrieden und zerfallen sind, war nicht zugegen. Struve hatte den Vorsitz. Die Ueberzeugung, daß für die nächste Zeit keine Aussicht auf Erfolge vorhanden, machte sich, trotz aller sonstigen Selbsttäuschung dieser Partei, denn doch geltend, wozu namentlich Ra- detzky's Siege beigetragen zu haben scheinen. ES ist bezeich- für die Bestrebungen dieser Leute, daß sie, während sie Deutschland keine Hoffnung mehr setzen, ihr künftiges Heil wiederum nur von Frankreich erwarten. Der Beschluß war nämlich: eine neue Umwälzung in diesem Lande sey ab- juwarten, ehe man die Bestrebungen für Deutschland erneuern r Da Frankreich aller Umwälzungen sehr müde zu seyn. che.nt, ja sich so sehr nach Ruhe, Wiederbelebung des ?"dlts und Erwerbes sehnt, daß es sebst dem Einzug Radetz- $? w Mailand friedlich zusieht, so werden sich die deutschen â ge wohl lange Ferien gönnen dürfen. — HeckerS Ge- suudyelt hat gelitten, und seine Stimmung ist gedrückt.
Belgien
^-Brüssel, 16. August. Obschon bisher bei uns keine ernstlichen Unruhen stattgefunden haben, so sind doch zwei große
‘ p olitische Prozesse vorgekommen, welche mit der Ruhe des Landes gar übel kontrastiren. Der eine, vor dèm Assisen« Hof in Brüssel, hat es mit gegen zwanzig Erdarbeitern zu thun, welche vor einer Reihe von Wochen, über ihre Arbeiten vor dem Ninover Thor in Aufruhr geriethen, und, um etwas zu schreien: „es lebe die Republik!" geschrieen hatten. Darüber sind sie nun des Aufruhrs angeklagt und Etliche werden wohl zu Gefängniß oder Zwangsarbeit verurtheilt werden. Der andere Prozeß ist der bekannte gegen etwa 40 Individuen, Einheimische und Fremde, die an dem Putsch von Risquons-tout hauptsächlich betheiligt waren. Diese können zum Tode oder in die Eisen verurtheilt werden, allein in beiden Fällen wird ohne Zweifel die königliche Gnade eintreten. Diese Sache wurde vor die Geschwornen in Antwerpen verwiesen, theils der größeren Sicherheit wegen, theils um die Aufregung in der Hauptstadt zu verhüten.
Die Sitzungen der Kammern sowie der Provinzial- stänbe sind nacheinander im vorigen Monat abgehalten, wobei Alles einträchtig hergegangen ist. Kammern und Senat haben sich in Glückwünschungen ergossen über die im Lande herrschende Ruhe. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß diese Ruhe nicht ein Werk der Legislatur, sondern dem Volkscharakter zu verdanken ist. Die Ersparungsfrage ist sehr ernstlich von den neuen Abgeordneten vorgenommen. Die Regierung wird nothgedrungen sich darin fügen müssen. An die flandrischen Provinzialstände hat der Minister des Innern verschiedene Fragen über die Mittel, der Noth auf dem Lande abzuhelfen, gerichtet. Fortwährend richtet der Typhus in beiden Flandern die jammervollste Verwüstung an. Die Stände haben als das beste Mittel die Kolonisation im Innern angegeben. Zum Glück ist dieses Jahr die Erndte sehr reichlich ausgefallen, die Kartoffeln haben sich, mit geringen Ausnahmen, bis jetzt gesund gezeigt. So werden wir uns auch in diesen schwierigen Zeitläufen wohl weiter durchhelfen, wenn die Nachbarstaaten unsere Industrie nicht völlig erdrücken, wovor wir von Seiten Hollands, Frankreichs, ja Deutschlands noch nicht außer Furcht sind.
In meinen früheren Berichten hatte ich bemerkt, daß die alt-liberale Partei für jetzt zur unbezweifelten Herrschaft gelangt ist. Nun war zu fürchten, daß dieser Sieg der alten Opposition, eben weil er so unbeschränkt war, zu Mißbrauch führen würde. Folgendes ist die politische Lage des Landes. Alle Gesellschaften, wie die (radikale) Alliance, welche dem Altliberalismus entgegenwirkten, sind aufgelöst oder ohne Macht. In den Provinzialständewahlen hat sich eine Neigung zur Reaktion offenbart, viele von der Aristokraten - und Priesterpartei haben sich, wie wir voraussahen, in diese Versammlungen eingeschlichen, wo sie eine mittlere Stellung zwischen den Kammern und Gemeinderäthen entnehmen , um vielleicht zu gelegener Zeit die jetzt unter dem Mantel der Freisinnigkeit verborgenen alten Gelüste wieder hervorzuheben. Die katholische Reaktion hat auf diesem Wege unbemerkt soviel Boden gewonnen, daß wir uns beinahe in den Zustand der falschen Union beider Parteien vom Jahr 1830 befinden, wo der Klerus mit der Aristokratie sich dem Liberalismus anschloß, weil man seiner nicht entbehren konnte. Vielleicht wird der jetzt das Ruder führende Liberalismus noch einmal von jenen düpirt.
Die jetzt herrschende Partei hat sich leider fortreißen lassen, verschiedene Männer von großem Talent und Verdienst auszuschließen, obschon sie sich als Anhänger unserer Verfassung bekannt hatten; so hat der Advokat Roussel in Brüssel dem Mißfallen der Herrschenden weichen müssen. In den Gemeinde- rathswahlen, welche am 22. d. M. für das ganze Land stattfinden sollen, wird sich dieselbe Aengstlichkeit zeigen, dieselbe Furcht vor energischer Opposition; das beweisen die Kandidatenlisten der Altliberalen in der Hauptstadt, von denen sie Männer wie Gendebien (einen bewährten Patrioten, Republikaner von Ueberzeugung, nicht vom Februar her, der aber im Kongreß 1831 im Interesse des Landes für die Monarchie stimmte), Dücpetiuur (den Philantropen und StrafrechtSlehrern Deutschlands nicht unbekannt) und van Meener, Präsidenten am Kassationshofe, einen sehr ehrenwerthen und uneigennützigen Charakter, ausgeschlossen haben.
□ Paris, 18. August. Die Nationalversammlung zeigt sich jedes Mal, wenn es sich um materielle Interessen handelt, höchst ungeduldig. Die Concordates aniiables lasten wie ein Alp auf ihrer Brust. Die „DebatS" schreiben über diesen Gegenstand folgendes:
„Stoßt Ihr den Vorschlag deS Handels-Ausschuhes zurück