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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 137. Dienstag den 22. August 1848.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletriüi'chen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Prânumerationspreis ist in Wiesbaden S fl.t für den Umfang des Herzogthnms Nassau, des Grvßherzogthnms und Kurfürstenthnms Hessen, der Landgrasschast Hessen-Homburg und der freien Stad Frankfurt 8 fL 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltnugsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Allgemeinheit und die Besonderheiten.

Deutschland. Wiest - en (Zuschrift des Reichsverwesers an das Mi­nisterium. Die Drupoenvermehrnug. Vorschläge für das neue Militär­wesen). Vom We.sterwald (Die Zehntfragc). Herborn (Die Dolksstimme über das Zehntgesetz) Wien (Interpellation wegen eines Schuldpostens des Fürsten Metternich).

Schweiz. Von der Schweizergränze (Die Flüchtlinge).

Belgien. Brüssel (Politische Prozesse. Kammern und Prüvinzialstände. Die Parteien).

Frankreich. Paris (Der Präsidentenstuhl der Nationalversammlung.

Vermischtes. Bedenkliche Lage des Kleinhandels).

Sprechsaal für Stadt und Land.

f Die Allgemeinheit und die Besonder­heiten.

In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas. Augustinus.

Vom nördlichen Taunus Mit vollstem Rechts «- olt Gervinus in der Deutsch. Zeit. Nro. 220 vom 9. August bei einem Aufsatze, überschriebenPreußenthum oder Deutsch­thum?" die unlogischen Köpfe, schlagend durch folgende An­fangsworte:Preußenthum oder Deutschthum? Äepfel oder Obst? Welch' ein Gegensatz!" Cicero sagte schon deutlich genug: Genus est quod plures amplectitur partes, ut animal pars est quae subest gencri, ut equus. Am Allerdeutlich- sten lernen dieß die Schulknaben in der Naturgeschichte. Dazu bedarf es keiner langen Demonstration aus den Handbüchern der Logik, z. B. der Hegel'schen,wo Nro. I, 2? S. 150 ff. 2. Auflage das Verhältniß des Ganzen und der Theile" aus­einandergelegt wird. Sätze, wie die folgenden etwa, ergeben sich von selbst:Das wesentliche Verhältniß ist unmittelbar bas Verhältniß des Ganzen und der Theile, die Beziehung der reflektirten und der unmittelbaren Selbstständigkeit, so daß beide zugleich nur sind als sich gegenseitig bedingend und vor- aussetzend. Das Ganze ist das Selbstständige, die Theile sind nur Momente dieser Einheit; aber eben so sehr sind sie auch das Selbstständige und ihre reflektirte Einheit nur ein Moment.

Das Ganze hat sein Bestehen an seinem Entgegengesetzten, der mannigfaltigen Unmittelbarkeit, den Theilen. Das Ganze bestehet daher aus den Theilen, so daß es nicht etwas ohne sie. Die Theile haben ihre Selbstständigkeit nur m der reflektirten Einheit, welche sowohl diese Einheit als auch die eristirende Mannigfaltigkeit ist, d. h. sie haben Selbst- ftandigknt nur im Ganzen, das aber zugleich die den Theilen andere Selbstständigkeit ist." Doch wozu mehr? Wäh-

.Hegel'sche Philosophie, die das Altenstein'sche ânlsterium hegte und pflegte, unter dem E i ch h o r n'schen ^umsienum als unchristlich und unmonarchisch entlassen und h ^r, durfte ein Beamter, aus Furcht vor Zurück- vder Absetzung, ihrer kaum erwähnen. Seitdem aber dem Erz- Hestelianer, dem Universitäts-Professor L. Rosenkranz zu ,^'üsberg, der Stuhl Eichhorn's zur Nachfolge angeboten, r; uach erfolgter Weigerung für die Annahme wenigstens lewen im Ministerium des Unterrichtes ohne Porte- nmlle gewünscht wurde, was derselbe angenommen hat, ist

Hegel und sein System wieder Schutz und Hort, nämlich der konstitutionellen Monarchie, ausgestellt. So dars man also in Preußen und gegen übertriebenes Preußenthum schon wieder mit Verlässigkeit auf ihn, sich berufen. Galiläi und Viele andere vor und nach ihm haben deutlich genug für Zweifler bewiesen, daß die Wissenschaft unaufhaltsam und unbekümmert um Freunde und Feinde ihren sichern Gang gehet. Auch be­dürfen ihre Wahrheiten keines äußeren Schutzes, sie schützen sich selbst; und sie, die im unzugänglichen Olympe des Gei­stes thronende Göttin, können irdische Mächte nicht stürzen. Der Geist aber stehet und fällt nur geistigen Waffen.

Aber Preußens Fürsten und Volksstämme haben um Deutschland schwerwiegende Verdienste aller Art, denn wie Gothe erzählt, der alte Fritz erregte schon während des sieben­jährigen Krieges in der kaiserlichen Reichsstadt wahrhaft deut­schen Enthusiasmus, und so ist Preußen seit einem vollen Jahrhunderte vorzugsweise Repräsentant deutschen Wesens, deutschen Geistes und deutschen Ruhmes. Oesterreich behielt selbst gegen Napoleon, wiewohl verändert, seinen alten Spruch: Bella gerant alii; tu fclix Austria, nube. Doch nahm es Theil an dem großen deutschen Befreiungskriege; nur nachher schloß es sich wieder ab. Gegen die Metternich'sche Alles ver­dunkelnde Nacht glänzte aber das dreifache Gestirn der kaiser­lichen -Prinze« K a r l, Jo h a n n, S t e pH a n und erhielt daS alte Kaiserhaus in ungetrübter Glorie für künftige Tage. Preußen dagegen, als cs nach 1815 seine Schulen, Universi­täten und Beamtenkreise mit Intelligenzen besetzen wollte, trug kein Bedenken, aus Mittel- und Süddeutschland jede Kraft, die es gewahrte, stets an sich zu ziehen. So nannte Cousin Preußen nicht ohne Grund dasklassische Land der Schulen und der Kasernen." Möge es diesen Ruhm noch lange be­wahren. Deutschland braucht jetzt, wenn je, Köpfe und Arme.

Gervinus trat mit seiner deutschen Zeitschrift zunächst für die aufrichtige und volle Realisirung der wahren konstitu­tionellen Monarchie in den deutschen Bundesstaaten in die Schranken, und wünschte diese Staatssorm besonders für Preu­ßen, das er gern oben anstellte. Aber Preußen wollte sie in der Mitte und am Ende des vorigen Jahres noch nicht: so mußte Gervinus folgerecht, wenn nicht gegen Preußen, doch gegen Preußens damalige Regierung kämpfen, die sich dagegen stemmte. Nachdem Preußens König, Volk und Regierung in diesem Frühjahre die konstitutionelle Monarchie, die Gervinus unausgesetzt zu seinem Panier hatte und noch hat, gemeinsam adoptirten, trat er eben so folgerecht wieder für Preußen ein nach seiner innersten Ueberzeugung, wiewohl er unter obwaltenden Umständen, Manchem darin zuweilen etwas zu weit zu gehen schien. Aber er unterschied genau einige vorübergehende Er­scheinungen und Persönlichkeiten von dem Lande und dem Volke, indem er mit vollkommenster Berechtigung den Satz festhielt: ohne Preußen kein Deutschlands Dagegen kämpft er jetzt wie­der gegen alle unverständigen Parteien des spezifisch preußischen Partikularismus, um zu beweisen, daß Preußen eben, weil es durch und durch deutsch ist, auch an und für sich nicht seyn und allein stehen kann und darf. (Schluß folgt.)

Deutschland.

Wiesbaden, 21. Aug. Dem Herzogt. Ministerium dahier ist nachfolgendes Schreiben des Reichsverwesers Angegangen: