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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 136» Sonntag den 20 August L8L8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden « ft, für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt « fL 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes « fl. 40 kr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Der Stand der Parteien in der Neichsversammlung. Deutschland. Wiesbaden (Wer soll mediatistrt werden?) Mainz (Badische Truppen nach Schleswig-Holstein). Datmstadt (Die kirchlichen Fragen beim Reichstag). Kassel (Breitling kurhessischer Kassenscheine). Aus Kur Hessen (Neues Wahlgesetz). Karls- ruhe (Amuestiedekrct). Von der Schweizergränze (Die Eisen­bahn von Schliengen nach Basel). Ans Würtemberg (Amnestie).

München (Katzenmusik für den Erminister Abel). Berlin (Das Ministerium. Amnestie für Posen. Das spezifische Preußenthum. Der Zeitungsstempel aufgehoben. Ministerielles Zentralorgan). Ham­burg (Die deutsche Flotte. Konstituirende Versammlung). Altona (Bericht über den Marsch der Nassauer. Eröffnung der konstituirenden Versammlung. Marv. Gagcrn). Schleswig-Holstein (Die neue Verfassung). Prag (Preßgericht. Das Geldausfuhrverbot). Wien (Eindruck der Rückkehr des Kaisers. Der Reichstag. Finanzielle Ver­hältnisse. Börsengcrücht in Betreff des italienischen Friedens. Prokla­mation des Kaisers).

Italien. Verona (Die Republik soll in Turin und Genna proklamirt seyn. Verwirrte Zustände). Neapel (Das englische Geschwader).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Der Stand der Parteien in der Neichs- Versammlung.

Die Parteien in der Reichsversammlung haben ihre Stel­lung nicht wesentlich geändert; man fängt aber an, sie richti­ger, als bisher, zu beurtheilen. Die Linke kannte ihre Schwäche längst. Nicht mit Unrecht berief sie sich immer auf die Massen außerhalb der Versammlung, die wirklich mehr wiegen, als sie, die Berufenden selbst; nicht mit Unrecht sah sie in den Abgesandten von Außen, die die Gallerien überfüll­ten, einen unschätzbaren Bundesgenossen, um dieses Zentrum ein wenig zu paralysiren, nachdem man einmal durch Lärm und Toben die mangelnde Kraft, den Geist, zu ersetzen be­gonnen hatte.

Auch das scheint uns ein Beweis für 'die offenbar gewor­dene Schwäche der Linken, daß ein Theil des linken Zen­trums sich von der eignen Partei losgesagt, ohne mit der

^ie sie ist, sich zu vereinigen. Sechs und dreißig Mitglieder des Würtemberger Hofes haben eine abgesonderte VLNel gebildet, eine gemäßigte Linke, die in Westendhall sich Geschah dies nicht in dem Gefühle, daß die Unterstützung bedürfe, die Art aber/ wie sie ihr verwirklichen strebt, die Formen ferner, ja die iüis-ns W Verschmelzung mit ihr zweckwidrig erscheinen That, die Linke hat sehr an Boden verloren räum»,.16 Irlich mehr, nachdem die Drohung, die Gallerie endlich einmal verwirklicht und der Reso- ^ durch Verkürzung des Gallericraumes, »kur immer verringert worden. Ob die Partei fCn ^.^^^u ihr diesen Nachtheil vergüten wird, läßt £ bezweifeln. Die Partei des Würtemberger Hofes, Uirck linke Zentrum, besteht fort und hat sich schon dient fV; Zemente verstärkt. Daß sie Berücksichtigung ver- i unJib? V anzudeuten, daß das rechte Zeu- um ihr ein Ministerium (für R. Mohl) und zwei Unter-

staatSsekretariate (für Fallati und Wiedenmann) überlassen hat. Im Uebrigen dürfte die Richtung dieses Klubbs erst schärfer hervortreten, wenn er seine Statuten, womit er sich jetzt beschäftigen soll, neu begründet hat.

Das rechte Zentrum, die größte und wichtigste Masse des Hauses, ist ebenfalls in der Erstarkung begriffen: eS schwankt nicht in dem Grad, wie zurZeit, da die provisorische Reichsgewalt geschaffen wurde, aber noch immer ist es führer­los, und es möchte auch an dem nun und zwar mit größtentheils wackern Bestandtheilen vervollständigten Reichs­ministerium, dessen Ergänzung uns auch diese Woche brachte, schwerlich den Leitstern bekommen haben, dessen es in schwieri­gen Augenblicken bedürfte, da schon die Zusammensetzung die­ses Ministeriums aus verschiedenartigen Elementen nicht die Festigkeit verbürgt, die der Partei noch abgeht.

Das kleinere Häuflein der eigentlichen Rechten steht schon weit fester und gesicherter. Wäre der Führer minder heftig und manchmal würdevoller, ihr Beispiel würde noch wirksamer und die Achtung, die sie selbst bei der Linken ge­nießt, in diesem Betracht noch vollständiger seyn.

(Deutsch. Ztg.)

Deutschland.

* Wiesbaden, 19. Aug. Die neueste Nummer der Ober­postamtszeitung enthält unter dem bekannten halboffiziellen Zeichen einen höchst bemerkenswerthen Artikel mit der drasti­schen Ueberschrift:Wer ist zu mediatisiren?"^ Der Ar­tikel spricht sich dahin aus, daß nicht sowohl die Fürsten der kleineren Staaten zu mediatisiren seyen, als vielmehr die Ständeversammlungen. Denn gerade die Kammern der kleineren Staaten seyen es, die durch ihre nutzlose Spielerei, welche sie mit der Gesetzgebung trieben, ferner dadurch, daß sie gar den Fürsten aus allem Besitz, selbst seines Privateigen­thums, setzten, die erste Kammer auflösten, wohlerworbene Gehalte und Pensionen willkürlich strichen, ja selbst über Privateigenthum verfügten (Vergl. das nass. Zehnt­ablösungsgesetz!) Verwirrung und Unsicherheit in alle Zustände brächten.

Wir werden in unserer nächsten Nummer diesen Artikel mittheilen, sammt einigen Glossen dazu, und empfehlen ihn einstweilen über Sonntag unserer Kammerlinken zum gründ­lichen Studium. Denn es ist schier, als ob sie es sey, die der Reichsministerial-Journalist in seinem Artikel habe abma­len wollen. Vielleicht fühlt sie dann, wie viel sie dem Lande schon geschadet, dadurch, daß sie das eitle Spiel einer kon- stituirenden Versammlung für Nassau auf des Staatsbeu­tels Kosten immer fortspielt.

In der gestrigen Sitzung der Ständekammer wurde der Abg. Wirth zum Vorsitzenden wieder erwählt mit einer Mehr­heit von 28 Stimmen.

Mainz, 18. Aug. (RH. Z.) Heute früh um 8 Uhr sind 3 reichbeflaggte Dampfschiffe mit Großherzogl. Badischer In­fanterie hier vorübergekommen, welche über Köln nach Schles­wig-Holstein gehch

Aus Darmstadt, 12. Aug. schreibt man dem Mannh. Journal, daß der dortige vaterländische Verein an die Na­tionalversammlung eine Adresse des Inhalts beschloßen hat: daß dieselbe zur Vermeidung kirchlicher Streitigkeiten die kirch­lichen Fragen gar nicht in das Bereich ihrer Verhau r um-