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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

LLS Samstag den 19* August 18L8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden S fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hegen, der Landgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Berwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellcnberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Zu Deutschlands nationaler Zukunft.

Spezialvotum des Abg. Habel in der ZehntablösungSfragc.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Düsseldorf (Die Vorfälle bei Ankunft des Königs von Preußen). Berlin (BerzeljuS. Sol­datenversammlung. Der Prinz von Preußen). Altona (Der Zug der Nassauer bis in diese Stadt). Stralsund (Friedensansstchten in Schleswig-Holstein). Apenrade (Ueble Stimmung bei den dänischen Regimentern). Wien (Telegraphische Depesche über den Frieden in

Italien). Triest (Die Lage Venedigs).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Italien. (Armeebefehl Radetzkys).

Ungarn. Pesth (Erzherzog Stephan; eine französische Intervention in Italien).

Türkei. Konstantinopel (Die Vertretung Deutschlands im Ausland).

** Arr Deutschlands nationaler Zukunft.

Zweiter Artikel.

Von der Dill. Um die produktive Arbeit mit den geisti­gen Kräften der deutschen Nation, die in einem offenbaren Mißverhältnisse stehen, in's Gleichgewicht zu bringen, muß Deutschland auf Entwickelung und Erweiterung seiner natio­nalen Industrie in dem schon erwähnten Sinne Bedacht neh­men, d. h. es muß so viel als möglich unabhängig von ande­ren Nationen, sich mit seinen arbeitenden und geistigen Kräften, die dann einen natürlichen Ableiter finden, zu genügen suchen. Hier liegt noch ein fruchtbares, unabsehbares Feld zur Bear­beitung vor! Es ist nämlich nicht allein unsere Produktions­kraft in eignen Rohstoffen zum Selbstbedarf und zum Eintausch unserer auswärtigen Bedürfnisse noch erst'unvollkommen ge­diehen; sondern wir, haben auch noch in auswärtigen Roh­stoffen wie z. B. in Baumwolle die die Produktions- lander noch lange nicht verarbeiten können, reiche Jndustrie- zweige anzubauen.

die, wie jede

Durch den direkten Bezug dieser auswärtigen Rohstoffe und den Austausch unserer Produkte gegen diese und unsere anderen auswärtigen Bedürfnisse, würde auch unser auswär- tlger Handel und unsere Schifffahrt einen entsprechenden Auf- lchwung nehmen müssen, an denen sich dann auf naturgemäße Art me völkerrechtliche Vertretung und Beschützung deutscher Znter^sen im Auslande durch Gesandtschaften, Konsuln und Kriegsmarine hinaufrankt. Diese, im richtigen Verständ- K Düstrer- nächsten Interessen geleiteten Operationen werden '"?glichsten Grad der Handelsfreiheit, die, wie jede werdennie absolut werden kann, führen: d. h. wir bei mder quantitativen Gegenseitigkeit ^ülfetn geltend machen, mit denen wir in Handels- und in dem gegenseitigen Gl eich- W Mittel finden, sowohl unser natio- '"^hen nach Außen zu befestigen, als auch Selbstständigkeit und unseren Na- l a l w o h l ft and möglichsten r d c r n.

â diesen Resultaten nationaler Wohlfahrt und Kraft bedarf es weder großer Geldopfer, noch außer- Eraftanstrengungcn, Wir brauchen nur auf die u achung der kosmopolitischen und die damit zusammen­

hängenden falschen Theorien von den getrennten Interessen der Konsumenten und Produzenten rc. zu verzichten und durch Schutzzölle unserer inneren, sowie durch Dif- serenziaizölle unserer äußeren Industrie auf die Beine zu helfen.

Die deutsche Nation vereinigt wie jede andere in sich zwei Haupteigenschaften, indem sie konsumirt und produ- zirt. Sie konsumirt, weil sie leben und sich das Leben ange­nehm machen will und produzirt, um die Konsumtionen zu bezahlen und auch noch etwas zu erübrigen. Die Nation theilt sich deßhalb aber noch lange nicht, wie es so gerne ge­lehrt und von Vielen gehört wirb, in Konsumenten und Pro­duzenten, denn was sich auf die ganze Nation bezieht, gilt auch für jedes einzelne Glied derselben im normalen Zustande. Es ist deßhalb Jeder Konsument und Produzent; denn es kann Niemand konsumiren, ohne zu produziren, wenn er ein nützliches Mitglied der Staatsgesellschaft seyn will. Es muß daher, wie jedes einzelne Individuum, die deutsche Na­tion auch ein doppeltes Handelsinteresse verfolgen: nämlich ein kaufendes und ein verkaufendes. Die Ver­folgung des einen ohne das andere läßt sich in fortgesetzter Thätigkeit nicht denken; muß doch jeder Staat durch seine Produktionen seine Konsumtionen decken,« wenn er nicht bald zahlungsunfähig werden will.

Stellt man dem Jnteresfe des Freikaufs das des Frei­verkaufs entgegen, das jede Nation ebenfalls nach Kräften handhaben muß, so wird sich das Räthsel lösen und von Jedem leicht die Einseitigkeit der F r e i k aufs th e o r i e und die Nichtigkeit ihrer Argumente eingesehen werden. Es wird dann klar, welches falsche Spiel mit einer hochtönenden Phrase getrieben wird, die nicht mehr Werth hat, als manche andere Kraftsprüche von allen mög­lichen Freiheiten, die nur die Köpfe verwirren, ohne je ver­wirklicht werden zu können.

In dem Wesen des nationalen Schutz- und des kosmo­politischen Freihandels- oder vielmehr Freikaufssystems liegt ein tiefe,r Unterschied, in Ansehung der Folgen, der keinem verständigen praktischen Menschen entgehen kann. Das erstere führt unfehlbar, wie wir an England und Nordamerika sehen, zudem erreichbaren Grade der Handelsfreiheit, Macht, Reichthum und Gesittung und das andere, wie wir ebenfalls an Portugal, Spanien und auch z. Th. an uns sehen können, zur Handels-Despotie, und zu natio­naler Ohnmacht, Armuth und Schmach.

Durch theilweise Anwendung der grundfalschen Freikaufs- Theorie, Beibehaltung der Finanzzölle und Befolgung eines höchst schädlichen Schaukel-Systems, wurden wir nicht allein von allen mit uns verkehrenden Nationen nach Kräften aus- gebeutct, sondern wir verscherzten uns auch noch ihre Freund­schaft, die nur aus gegenseitige Achtung gegründet werden kann.

Würden wir uns dagegen auf den Fuß des gegenseitigen Gleichgewichts mit ihnen setzen, so müßten dieselben gute Han- belssreunbe und mithin auch politische Alliirte von uns werden; während sie bisher unsere träumerischen An­sprüche verachtet und lächerlich gefunden haben, was in dem Leben der Nationen nicht zu verwundern und nicht ihre son­dern unsere Schuld ist: denn es liegt in dem Wesen der Freund­schaft, baß man sich wohl selbst achten muß, ehe mim die Ach­tung und Freundschaft Anderer erwerben kann. Daß aber die deutsche Nation bisher abgehalten worden ist, diese-Sclbstach tung zu erringen d. h. sich zu nationalen Bestrebungen empor-