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gen übergeht, wie dieses von den Regierungskommissären und einigen Kammermitgliedern in der Sitzung vom 16. d. nachge- I wiesen wurde. Von Zahlen sind sie keine Freunde, weil durch i dieselben die Wahrheit zu stark an's Licht tritt. Die rechnen * mit volksbeglückenden und Volksgunst erwerbensollenden Theo- t rien in algebraischen Formeln, wovon aber die hauptsächlichste - ist: 3E für U. Die Füchse! Sie sind gewandt in den freien l Künsten; nur Schade, daß die freien Künste nicht immer schöne ' Künste genannt werden dürfen.
1 Darmstadt, 12. Aug. Gestern früh wurde von Gerichts ■ wegen im Beiseyn des Grafen Görlitz und des aus dem Ar- I resthausc gebrachten, noch immer in Verhaft befindlichen Be- : dienten desselben, Johann Stauss, die Ausgrabung der Leiche der nun bald 14 Monate umgekommenen Gräfin Görlitz vor- genommen und die Leiche einer ärztlichen Untersuchung unterworfen. Die Veranlassung zu dieser, nach so langer Zeit al- I lerdings außerordentlichen Maßregel ist unbekannt, und es gehen darüber verschiedene Gerüchte. (Schw. M.)
Heidelberg, 12. Aug. Seit GervinuS ungefähr vor 14 : Tagen nach dem Süden gereist,. hat sich das Schicksal der deut- ! schen Zeitung entschieden: der Verleger Bassermann hat sie an Reimer verkauft, der sie vom 1. k. M. an in Frankfurt unter Prof. Doysens Redaktion fortsetzen wird. Daß Gervi- s nuS von der Redaktion, mit ihm auch Prof. Heusser ab- < tritt, versteht sich. (Allg. Ztg.)
Köln, 16. Aug. Die Konsekrations-Feier des Domes wurde nach dem Rituale bei verschlossenen Thüren vorgenommen, während die um die Kirche versammelten Schaaren der Gläubigen beteten und sangen. Ein erhabener Anblick war 1 eö, als der Erzbischof an der Spitze der neun Bischöfe, alle in goldenem Ornate, um den Bau-zogen, um die heilige Stätte einzuweihen. In der kirchlichen Feier einer der ergreifendsten Momente, dessen Eindruck eben so erhebend, als zur Andacht stimmend war.
Noch ehe der Zug zum Dome kam, waren der König mit ! dem Erzherzoge und die königlichen Prinzen schon dort ein- getroffen und vom Erzbischöfe empfangen worden. Der Erz- herzog-Reichsverweser fuhr mit dem Könige, beide in Generals- Uniform, in offenem Wagen, und ein fortwährender Freudenruf begleitete sie vom Regierungs-Gebäude bis zum Dome, «dessen westlicher Eingang und Vorplatz durch die Bürgerwehr - gan^ frei gehalten war, wie auch daö Mittelschiff des Lang- ' hauseö, durch welches der Festzug seinen Einzug hielt.
Alsbald erschienen die neuen Würdenträger der Kirche in I Pontifikalibus, die Insul auf dem Haupte, den Bischofsstab in der Linken, begleitet von ihren Diakonen — ein ergreifen- I der Anblick. Langsam schritten die ehrwürdigen Männer vor I unserem Erzbischöfe, der pontifizirte, und ließen sich rechts • dem erzbischöflichen Thronsitze gegenüber in zwei Reihen nieder 5 auf zu diesem Zwecke eigends hergerichtete Sitze, hinter denen die Diakonen sich aufstclltcn. Bei diesem Anblick mußte sich Jeder von der heilig-ernsten Würde des katholischen Gottesdienstes tief ergriffen fühlen, andächtig gestimmt durch die Feier selbst und die schöne Messe von Haydn, die unsere Dom- kapelle mit bekannter Präzision ausführte. In den stillen Momenten drang aus dem Dome selbst ein Brausen, wie Wasser- fluthen, so strömte das Volk noch immer zu. So viele Menschen hat unser Dom im 19. Jahrhundert noch nicht in seinen weiten Hallen versammelt gesehen. Es mochten wenigstens zehntausend anwesend seyn.
Des Nachmittags bei dem Feste auf dem Gürzenich brachte der König ungefähr mit folgenden Worten dem Erzherzog Reichsverweser einen Toast
„Mein Toast gilt einem deutschen Manne, einem Meiner bewährten treuen Freunde, dem Manne Ihres Vertrauens, der auch Meine Liebe, Mein vollstes Vertrauen besitzt. Er gebe uns einige und freie Völker, er gebe uns ewige und freie Fürsten — dem Erzherzog Johann, dem Reichsverweser!"
.."^b bis jUr Neige leerte der König unter einem unbe- ! >^"bllchen Jubel sein Glas und machte dann die Nagelprobe ""Uscher Sitte. Und munter klangen die Gläser in dem zubelnden Sturm der begeisterten Tafelgenossen. Bald darauf erhob sich der Erzherzog auch mit seinem Glase und sprach fester Stimme:
'-Dem Fürsten, der eben meine Gesundheit auögebracht, dem Könige von Preußen I Gott erhalte ihn noch lange, und unsere Eintracht und Ausdauer stehe so fest, wie Kölns Dom!"
Nachgehendö nahm der König noch einmal das Wort. Vein Trinkspruch lautete:!
„Den wackeren Werkleuten am Baue eines einigen Deutschlands, den an- und abwesenden Mitgliedern der National-Versammlung in Frankfurt!"
Daß derselbe enthusiastisch ausgenommen wurde, bedarf wohl nicht angedeutet zu werden, wie auch der folgende Trinkspruch des Reichsverwesers:
„Der Stadt, die uns das Fest bereitet hat; sie wachse und gedeihe, sey gleich ihrem Dome, stark und kräftig!" Im Schlosse Brühl fand Abends ein großes Festmahl statt, zu welchem über dreihundert Personen geladen waren, die bis spät, in heiterster Stimmung vereinigt blieben.
Se. kaiserliche Hoheit der Erzherzog Reichsverweser hat heute früh von Brühl nach Bonn begeben und dort daS Dampfschiff zur Rückkehr nach Frankfurt bestiegen. Se. Majestät der König passirte gegen 9 Uhr unsere Stadt und fuhr mit einem Ertrazuge zunächst nach Elberfeld.
Düsseldorf, 15. August. Mehrere organisirte Rotten höheren und niederen Pöbels waren gebildet, um bei der Ankunft des konstitutionellen Monarchen unsere Stadt zu beschimpfen; mit unglaublicher Gewandtheit und Unverschämtheit terrorisir- ten sie um sich her, richteten sogar Drohungen und Verbote an den Fenstern und Balkönen hinauf; hielten Vorübergehende fest, um ihnen rothe Bänder mit einer Art von Gewalt zu schenken und ihnen Arm oder Hut damit zu schmücken^ Mit unglaublicher Entrüstung sahen wir, wie das — bewundernswürdig ruhige — Militär in oder außer Dienst, wo es möglich war, von diesen Wenigen verhöhnt und geneckt, und dadurch der Bürgerschaft eine verletzende Kränkung bereitet wurde,. welche am 6. August mit demselben fraternisirt hatte. Die Mehrzahl Düsseldorfs — das war entschieden klar- — hat ihren König mit Herzlichkeit empfangen. Der Eifer, diese Herzlichkeit zu zeigen, war übermächtig über die entgegenstehenden Bestrebungen. Auf dem geschmückten Bahnhöfe wurde der König ,mit ungemischtem Jubel empfangen; von da fuhr er durch die Kastanienallee, die Elberfelderstraße, dann an der vom ^Feste des 6. August noch dastehenden Germania vorbei zum Schlosse des Prinzen Friedrich, seines Wirthes. Ueberall wehten aus den Fenstern die Tücher der Damen, welche sich durch Einschüchterungen nicht im Mindesten hatten irre machen lassen.
Am 14. früh sind 800 Mann nassauischer Truppen und eine Abtheilung Artillerie mit 8 Geschützen auf dem Wege nach Schleswig durch Hannover marschirt.
Berlin, 13. August. (Lith. Nachr.) Ein Zug von etwa 100 Leuten begab sich gestern nach dem Monument auf dem Kreuzberge, wo man heute vor 8 Tagen feierlichst die schwarz- roth-goldene Fahne aufgepflanzt hatte. Draußen angelangt, sah man (wie dies auch vermuthet worden war) die deutsche Fahne nicht mehr. Als ein Hr. Müller auö dem Zuge an den Oberst Kaiser, der an der Spitze von 20 30 Konstablern an dem Monumente hielt, herantrat und von diesem sich Erklärung über die Wegnahme der Fahne erbat, ward ihm die Mittheilung, daß die Fahne auf Befehl des Polizeipräsidenten abgenommen worden sey.
Man hat in den demokratischen Klubbs beschlossen, zur Unterstützung der politischen Gefangenen und deren Familien eine Steuer von einem halben Sgr. für den Monat auszuschreiben; eS wird demnächst an alle Demokraten Deutschlands der Aufruf ergehen, eben so viel beizusteuern.
Unser Ministerpräsident Hr. v. Auerswald hat häufige Konferenzen mit dem hier anwesenden Unterstaatssekretär deS Reichsministeriums, Mar v. Gagern. Morgen soll auch der Reichsminister Heckscher hiereintreffen. Es handelt sich um die Feststellung des Verhältnisses der Krone Preußen zum Reichsverweser.
In der Berlinischen Zeitung macht ein Preuße, der die gegenwärtigen öffentlichen Zustände Wiens als Augenzeuge kennen gelernt, folgende Schilderung davon, welche von den gewöhnlichen Vorstellungen darüber bedeittend abweicht. Die Aula mit der sogenannten Herrschaft der Studenten hat einen völlig abweichenden Charakter von Dem , waS man in Berlin so nennen würde. Der Verein der Studenten, wie er bezeichnet wird, ist gegen 8000 Mitglieder stark, und sollte besser der Verein Derjenigen heißen, die studirt haben. Denn alS die alten Zustände stürzten, vereinigte sich Alles, waS wissenschaftliche Ausbildung hatte, zu einem Ganzen, um für die neue Ordnung der Dinge thätig zu seyn. Und so kam eS, daß vorzugsweise alle Diejenigen, welche eine bestimmte Fakultät studirt hatten oder studirten, sich dem Vereine entschlösset^ der mithin alle Juristen, Mediziner u. s. w., allein nicht blos Studirende enthielt, die sich wiederum nach diesen Ab-