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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N 132» Mittwoch den 16 August 1848»

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 8^fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und ârfurstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Pelitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestallungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Wie lange vermögen wir noch dem Staatsbankervtt zu ent- gehen?

8u Deutschlands nationaler Zukunft.

Deutschland. Hattersheim (Die Eisenbahn). Wallmerod (Er­widerung). Frankfurt (Das Zerwürfnis zwischen Norddentschland und dem Rcichsministerium). H o in bürg (Verschmelzung der Land­grafschaft mit Hessen-Darmstadt). Köln (Festbericht über den Empfang des Reichsverwesers beim Dombaufeste). Posen (Die Cholera). Wien (Die Feier des 6. August in Böhmen und Italien).

Donaufürftenthümcr. (Wachsende Verwirrung).

Sprechsaal für Stadt und Land.

§ Wie lange vermögen wir noch dem Staatsbankerott zu entgehen?

! Da man nun doch einmal lustig darauf losgeht, die .nassauischen Staatsgelder zu verschleudern und uns eine Steuerlast, wie wir sie bisher nicht geahnt, an den Hals l tu hängen, so dürfte cs wohl an der Zeit seyn, diejenigen Staatseinnahmen zu überblicken, welche in Zukunft weg fal­len. Dann erst wird man recht einsehen, wie wahnsinnig eS war, durch die widerrechtliche aber von der Volksspeichel- leckerei, der Feigheit, der Beschränktheit und dem Eigennutz - diktirte Entscheidung in der Zehntfrage Tausende aus dem Staatsschätze wegzuschenken! Wenn das Volk in kurzem un­willig werden wird über die neue Steuerlast, welche ihm jetzt dieVolkskammer" aufläd, dann wi rd c s wi sse n , an wen es sich zu halten, wen es zur Verantwor­tung zu ziehen hat!

Voraussichtlich werden demnächst folgende Staatseinkünfte wegfallen:

1) Chaussee- und Brückengeld 35,000 fl.; 2) Salzregal 170,000 fl.; 3) Konfirmationstaren 72,0(10 fl.; 4) Nheinzoll bei Kaub 130,000 fL; 5) Mainzoll bei Höchst 40,000 fl.; 6) Spielpacht 6,500 fl. Hierzu jährlicher Ausfall am Zehnten 250,000 fl.; zusammen etwa 700,000 fl., oder, da das Steuer- stmpel 268,000 fl. beträgt, etwa 2'/2 Simpel.

Die Domäne erleidet dieses Jahr einen Ausfall: 1) am Holze 150,000 fl.; 2) an den Bädern und Brlinnen gegen 50,000 fl.;

am Mainzoll 20,000 fl.; an den Zehnten 230,000 fl., also insgesammt 450,000 fl. Dieser Ausfall bei der Domäne wird theelweise aus der Steuerkasse zu decken seyn.

Also haben wir nun noch 900,000 fl. mit 3 Simpel Steuern auszubringen, lediglich um die Ausgaben für 1848 zu be-

* Zu Deutschlands nationaler Zukunft.

Erster Artikel.

®M» Die Zeit mahnt dringend, eine Frage zu I d" unsere sämmtlichen materiellen und geistigen Ju- Q Ziiiifagend, nunmehr bald bei dem Reichstage zur ^ Entscheidung gebracht werden wird. Von hrit abhängen, ob Deutschlands Ein- w und Kraft auf lange Dauer gesichert bleibt, oder nicht;

denn alle andere Einrichtungen bilden nur die Form, in die der eigentliche nationale Gußd ie künftige Handels­und Gewerbö - Politik Deutschlands" ausgenommen werden soll.

Es wird sich bei der Entscheidung dieser Frage zeigen, ob Deutschland die Keime in sich trägt, um zu wirklicher politischer Reife, zu einer großartigen Entfaltung nationalen Strebens zu gelangen und ob es die klare Mündigkeit des Verstandes erworben hat, auf ein f^tes Fundament seine Zukunft zu erbauen.

In dem Reichstag zu Frankfurt sind schon wieder unsere ewigen Plagen, die wohlmeinenden redseligen Theoretiker aus­getreten und suchen sicher dieser unendlich wichtigen Angelegen­heit, die immer das fruchtbarste Feld für ihre unfruchtbaren Theorien waren, zu bemächtigen und wehe uns, wenn eS ihnen gelingt, Das weltbeglückende Reis ihrer Phantasie auf unsere nationale Einheit zu pfropfen. Friedrich List war der erste deutsche Gelehrte, der in die Wissenschaft der Nati onal- Oekonomie einen unerschöpflich fruchtbaren Keimden na­tionalen legte; obgleich er in dem Namen schon längst vor­handen war. Ihm haben wir es zu danken, daß in dem dunklen, aber wichtigsten aüer wissenschaftlichen Gebiete, vieles Licht und Verständniß geschaffen worden, und der praktische Werth der­selben zum Bewußtsein eines großen Theils der deutschen Na­tion gebracht worden ist. Es muß sich in jedem Vaterlands- Freunde der lebhafte Wunsch regen, daß eine Wissenschaft, die so gewaltig in alle unsere geistigen und materiellen Verhält­nisse eingreift, immer mehr ein Gemeingut aller denkenden Geister werde.

Zur Erreichung dieses Zweckes ist es nothwendig, daß das Monopol, welches bisher in der Wissenschaft der politi- tischen Oekonomie, wie ich sie im Allgemeinen bezeichnen will, eine gelehrte Kaste besessen, mittelst Abschaffung der gang­baren, dunklen und zum Theil grundfalschen Terminologie, so wie der ganz unpraktischen begriffslosen Phrasen, die die unheilvoll­sten Verwirrungen anrichten, und die klarsten Köpfe von ernst­lichen Forschungen abschrecken, vollständig gebrochen werde. Friedrich List, der unermüdliche Vorkämpfer für Deutschlands wahre Einheit und politische Größe, ist zwar nicht mehr unter uns, aber seine mühevolle Saat ist aufgegangen in vielen deutschen Herzen, und sie wird reiche Früchte bringen, wenn sie nicht wieder wie so oft schon mit dem Unkraut kosmopoliti­scher Katheder-Weisheit überwuchert wird.

Es gibt nichts Wahreres als der von List aufge­stellte Satz: daß die politische Oekonomie national behandelt werden müsse, denn der Begriff von Nationa­lität ist ja nur dadurch allein bedingt, daß eine Nation, wenn sie eine solche seyn will, auch ihre wichtigsten Angelegenheiten, wie ihre Handels- und Gewerbs-Politik, im na­tionalen Sinne und Interesse behandelt. Eine Nation, die dieses nicht thut, gibt sich als solche selbst auf, oder ist es dem Namen und nicht dem Wesen nach.

So lange es noch verschiedene Nationen und Abstufungen in der geistigen und materiellen Produktionsfähigkeit derselben gibt, kann von einer Verwirklichung der kosmopolitischen Theorie nicht die Rede seyn; jeder Menschenfreund wird da­gegen alle Ereignisse freudig begrüßen, die auf einer rechtlich- sittlichen Grundlage zur Entwickelung gekommen , die Nationen in ihren geistigen und materiellen Bedürfnissen einander näher bringen. Die Möglichkeit der Vorbereitung solcher Ereignisse liegt aber nur in der verständigen Fortbildung des matertesten