Reg.-Kom. erwidert, daß man den Zug nach Baden, sowenig jwie eS von andern Regierungen geschehen sey, nicht als einen eigentlichen Feldtug betrachtet habe.
v. Schütz interpellier die Regierung wegen mehrer Miß« üânde der Taunuseisenbahn, namentlich wegen der hohen Fahrpreise, und wegen der Pferdebahn nach Biebrich. Bon Technikern ist die Ausführbarkeit einer Befahrung der Zweig- bahn mit Lokomotiven, als möglich erklärt worden. Reg., Komm. Vollpracht bemerkt, daß Verhandlunaen hierüber im Gange seyen, daß übrigens bei der Bahn drei Regierungen mitzusprechen hätten und deßhalb von Nassau einseitig nichts unternommen werden könne. (Schluß folgt.)
$ Eltville, 13. Aua. Der aus einem schön verzierten und beflaggten Dampfschiffe vorüberfahrende Erzherzog-Reichö- verweser wurde von den Bewohnern deS Rheingaues heute festlich begrüßt. Unsere Bürgerwehr hatte sich, weil der Rhein, deS niederen WasserstandeS wegen, auf der Stadt- feite für größere Dampfschiffe nicht fahrbar ist, auf einer Sandinsel zwischen den beiden Auen aufgestellt, so, daß sie gleichsam auf dem Wasser zu stehen schien, welches einen ; besonders großartigen Anblick gewahrte. Einige kleine Kanonen, Pelotonfeuer und Janitscharenmusik unterstützten die : donnernden Hoch's — von den Ortschaften ertönte seier- [ licheö Glockengeläute und von den Thürmen wehten deutsche Fahnen; fünf kurz auf einander folgende Dampfschiffe führten : dem Dombaufeste in Köln eine nicht unbedeutende Anzahl Gäste zu.
Köln, 12. August. (K. Z.) Heute Nachmittag traf auf zwei Dampfschiffen der zweite Transport der nach SchleSwiß- tolstein bestimmten deutschen Truppen hier ein. Es war ein ataillon Nassauer nebst Artillerie und Train. Bei ihrer : Ankunft wurden die deutschen Waffenbrüder von dem Offizier« KorpS der hiesigen Garnison, den biedern Kommandanten, Obersten Engels an der Spitze, bewillkommnet, während ein an der Landungsbrücke aufgestelltes Musik-Ehor des alten Arndt herrliches Lied: „Was ist deS Deutschen Vaterland," den Ankommenden als Gruß entgegen tönen ließ.
In Heidelberg hat die Studentenschaft einstimmig beschlossen, den berühmten Philosophen Ludwig Feuerbach als Lehrer an die Universität berufen zu lassen; in diesem Sinn soll eine Petition an das badische Ministerium des Innern und i ane Adresse an den Philosophen selbst abgehen.
München, 11. August. Wie ich aus ziemlich zuverlässiger | Quelle erfahren, haben nicht nur der Minister veö. Innern und deö Kriegs, sondern alle Minister, auS Anlaß der gegen« über der Bürgerwehr und vereinigten Freikorps erlittenen Niederlage, Sr. Majestät ihre Entlassung einreichen lassen. Man glaubt jedoch nicht, daß der König unter den gegen- ; wärtigen Verhältnissen dieselbe annehmen wird.
Berlin. Die pariser Nationalversammlung hat, wie früher berichtet worden, ein Dekret angenommen, wodurch zur Hebung der gesunkenen Industrie Prämien für gewisse Aus- L suhrartikel bewilligt werden. Die preußische Regierung hat nun, wie wir vernehmen, um die Wirkung dieser Maaßregel zu paralyfiren, den ZollvereinSstaaten einen Entwurf zur An, nähme vorgelegt, nach welchem der EingangSzoll auf solche Waaren, für welche Prämien gezahlt werden, erhöht werden soll. (Nat.-Z.)
Wien, 8. August. (A. Z.) Eine wichtige Nachricht ist die nun in nächster Aussicht stehende friedliche Ausgleichung der ungarisch-kroatischen Angelegenheit. Der ungarische Premierminister Batthyani und der BanuS Jellachich, welche zu diesem Ende von Seite des ungarischen und kroatischen Landtags mit ausgedehnter Vollmacht versehen sind, werden im Laufe der nächsten Tage hier erwartet, um die Ausgleichung abzuschließen. Heute marschirte ein ungarisches Grenadier- bataillon unserer Garnison nebst einem FuhrwesentranSport v», Verstärkung der Armer nach Italien ab.
Frankreich.
D $arii, io. August. Der National schreibt: ,.... Wir verneinen es nicht, daß wir noch an die SRüglidtfeit deS «rieben© glauben; wir schieben den Beginn der Feindseligkeiten noch hinaus; aber gleichzeitig sind wir, wenn es seyn muß, zum Kriege bereit. Diese Eventualität mag nahe bevorstehen und die Regierung ihre Anstalten treffen. Wird daS Wort nicht gehört: weigert sich Oesterreich, durch den Erfolg keiner Waffen vielleicht berauscht, die ihm zu stellenden Bedingungen anzunehmen, wohlant dann zieht man daS Schwert und dir Republik rette Italien!..."
Der bpcctatcur républicain, Bastide'S und nicht selten
Cavaignac's Privatorgan, rechtfertigt die bisherige Unthätig» keit Frankreichs.
DaS Lamartinische Bien public zeigt am „Ein Kurier ist nach Konstantinopel abgesandt worden, der dem General Aupick, unserem dortigen Gesandten, den Befehl überbringt, seine Pässe zu verlangen und binnen vier und zwanzig Stun» den abzureisen, wenn die französische Republik nicht feierlich von der Pforte anerkannt werde."
Die Nationalversammlung hat von 749 Stimmen mit einer relativen Mehrheit von 65 Stimmen (407 gegen 342) das Kautionsgesetz angenommen.
Um in Zukunft alle Arbeiter-Aufstände im Keime zu er» sticken, hat de la Moriciöre einen großen strategischen Plan gefaßt, der darin besteht, in alle Städte zwischen Paris und Lyon mehrere Regimenter zu legen, welche eine Art galvanischer Kette bilden, die sich bei der ersten Bewegung in einer der bei» den Städte in Marsch setzt.
Das Elend ist hier so fürchterlich, daß die Nationalver» sammlung heute abermals 3 Millionen Franken für daS Seine, Departement votiren wird.
Die Herrnhuter haben bei der Erekutivgewalt und der Nationalversammlung um die Erlaubniß nachgesucht, sich in Paris niederlassen zu dürfen, was ihnen die katholische Geist, lichkeit bisher fast unmöglich machte.
Dem National wird auS Konstantinopel, offenbar von einem Gliede der dortigen Gesandtschaft, ein langer Brief geschrieben , der daS Datum vom 25. Juli trägt und neue- Licht aus die Ereignisse in der Moldau und Wallachei wirst. Er bestätigt ferner, daß General Aupick die gemessensten Befehle erhalten hat, auf Anerkennung der Republik zu dringen. Die Pforte, heißt es wieder, hegt entschiedene Zuneigung für Frankreich, aber die Intriguen Rußlands lenken alle ihre Schritte. Ihre einzige Hoffnung, den Russen an der Donau die Spitze zu bieten, besteht in der entschlossenen Haltung der Wallachen. . . Auch wäre es wünschenSwerth, wenn die Ver, treter Preußens, Oesterreichs und Englands sich den ProtestS- tionen Aupick'S sofort und zwar energischer beigesellten, waS um so dringlicher, als Aupick noch nicht anerkannt ist.
Der Effektivbestand des sranzös. HeereS beträgt laut amte lichen Berichten im gegenwärtigen Augenblick 522,127 Mann.
Gestern durchzog unter starkem Militärgeleit ein neuer Transport Insurgenten die in der Richtung der FortS von Romainville liegenden Straßen. Biele von ihnen schritten, trotz der geknebelten Arme, muthig und aufrecht. Die Mehr« zahl sah aber verzweiflungSvoll und leidend aus. Nicht selten hörte man den Ruf auS ihrer Mitte: „Schießt unS nieder, nur verbannt uns nicht in die Kolonie."
Die Verpflegung der Insurgenten kostet der Staatskasse täglich 17,500 Frö.
Der neue englische Geschäftsträger, der Normanby ersetzen soll, wird gegen Ende dieser Woche erwartet. Inzwischen hätt Normanby fleißige Zusammenkünfte mit Cavaignac und Bastide wegen Italien.
Der zweite Theil der gestrigen Nationalversammlung ist außerordentlich wichtig und dient heute allen Journalen alS Gegenstand der Besprechung. Die Einen lachen, die Andern weinen darüber, daß die Nationalversammlung jede ungebührliche Kritik der Religionskulten, des Eiaenthums und der Familie mit Geld- und Gefängnißstrafen belegt hat. Auch ma, chen sich viele unter ihnen über die Lerour'schen Vorlesungen auS MalthuS und anderen engl. Oekonoinen lustig. Die DebatS meinen, sie wollten ja herzlich gerne wieder die Diskussion des Sozialismus gestatten , nur solle man sich damit noch so lange gedulden, bis daS Land wieder so ruhig sey, daß nicht jede Phrase Flintenschüsse Hervorrufe.
Schweiz.
Luzern, 7. August. Die Schweiz wirb streng neutral bleiben, wie auch der österreichisch-italienische Krieg sich weiter gestalten mag. Die gemäßigt freisinnige Partei der Schweiz, an deren Spitze die HH. Hurrer, Kern und jetzt soaar Ochsen» dein stehen, wird sich durch alle UeberrednngSkünste italienischer und französischer Agenten nicht verleiten lassen, diese glückliche neutrale Stellung in irgend einer Beziehung auszugebe«. Weder der Durchmarsch eines französischen Armeekorps noch die Werbung schweizerischer Söldner - Regimenter wird gestattet werden, und selbst die Besetzung der lombardischen Gränze durch eidgenössische Truppen ist noch zweifelhaft.