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Beiblätter

zur Nassauischen Allgemeinen Leitung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

M 130, Sonntag den 13. August 1848»

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Zur Geschichte des Kölner Dombaues.

Drei ausgezeichnete christliche Kaiser hatten auf die Grün­dung der frühesten und späteren Domkirche Kölns großen Ein­fluß auögcübt: Konstantin, Karl der Große und Fried­rich Barbarossa. Als späterhin jedoch Glaube und Be­geisterung lauer geworden waren, schien auch bei weltlichen und Kirchenfürsten diesedeutsche Gotteöburg" in Vergessen­heit zu gerathen. Hätte Erzbischof und Kurfürst Klemens August seit 1722 nicht ungeheure Geldsummen vergeudet, um zweiundzwanzig Fürstenschlösser im Style der Zopfperrücken- und Reifrockzeit aufzuführen, die verschwenderisch ausgestattet wurden, ohne irgend eine Idee des Fortschrittes zu bekunden ^ so würde es keineswegs an Geld gemangelt haben, die Ruine" des Domes nicht länger als solche bestehen zu lassen»

Der Zustand der Schmach währte, bis endlich der jetzige König von Preußen, noch als Kronprinz, bald nach dem Frie­densschlüsse von 1814 das gemeinsame Denkmal des Vater­landes näher untersuchen konnte, diesen aus der Blüthezeit altdeutscher Architektur abstammenden Bau, über den sich da­mals der Trauerflor geist - und gemüthloser Verwahrlosung breitete. Schon durch die Wiederherstellung des Marienburger Schlosses hatte der Fürst sich als Freund und Kenner althei­mischer Baukunst bewiesen. Er verwandte sich mit nachhalti­gem Eifer bei dem König, seinem Vater für die Wiederauf­nahme und Fortführung des unterbrochenen Werkes, und auf den erstatteten Bericht des geheimen Ober-Baurathes Schenkel wurde endlich beschlossen, den Dom seiner Vollendung allmäh­lich zuzuführen.

Die eigentlichen Arbeiten begannen mit dem Jahre 1824 und 1825 und zwar anfänglich nur Dank einem königlichen Geschenke und aus dem Erlös veräußerter alter Baumateria­lien. 1826 wurde der Betrag der Kathedralsteuer zum ersten Male wieder als Baufond verwendet, und seit 1830 begannen die Kollekten und einzelne Geschenke. Der verstorbene Monarch hatte von 1824 bis zum Juni 1840 die Summe von 205,084

Thalern aus der Staatskasse angewiesen; doch erst nach dem Regierungsantritt des jetzigen Königs gewann die Kathedrale ihren eigentlichen Protektor und Schutzherrn. Er verordnete, die Konstruktionen ganz nach der ursprünglichen Anlage durch den trefflichen Zwirner fortführen zu lassen, und sprach bereits damals den Wunsch aus:Die Flamme der Begeisterung für den Dombau möge in den Gauen des deutschen Vaterlandes nicht nur zu vorübergehendem Auflodern angefacht, sondern dauernd genährt werden, damit das mit neuem Eifer begonnene Unternehmen gedeihe und sich vollende, einer großen Vorzeit würdig, j der Gegenwart zum Ruhme und der Nachwelt zum bleibenden Vorbilde deutschen Kunstsinns, wie deutscher Fröm­migkeit, Eintracht und Thatkraft."

Friedrich Wilhelm IV. bewilligte von seiner Thronbestei­gung an jährlich 50,000 Thaler für den Ausbau des Schiffes der Metropole, einschließlich der Portale; außerdem 10,000 Thaler als Beisteuer für die Errichtung des nördlichen Thurmes und nicht minder 1000 FriedrichS'dor für die Ausführung der Wandgemälde in den Gurtbogenfeldern des hohen. ChoreS. Als zu Köln am 4. September 1842 das Fest der Grundstein­legung zum Fortbau des Domes feierlichst begangen wurde, sprach nach Beendigung des religiösen Aktes der König mit weithin vernehmbarer Stimme:

Meine Herren von Köln! Es begibt sich Großes unter Ihnen. Dies ist. Sie fühlen es, kein gewöhnlicher Pracht­bau. Er ist das Werk des Brudersinnes aller Deutschen, aller Bekenntnisse. Wenn ich dieß bedenke, so füllen sich meine Au­gen mit Wonnethränen, und ich danke Gott, diesen Tag zu erleben ....

Das große Werk verkünde den spätesten Geschlechtern von einem durch die Einigkeit seiner Fürsten und Völker gro­ßen, mächtigen, ja, den Frieden der Welt unblutig erzwingen­den Deutschland! . . .

Der Dom von Köln das bitte ich von Gott rage über diese Stadt, rage über Deutschland, über Zeiten, reich an Menschenfrieden, reich an Gotteöfrieden bis an das Ende der Tage!" ...