Nassauische
Allgemeine Zeitung.
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â 129» Samstag den 12. August 18418.
Die Nass. Alla. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige P r anumerat> snsprels ist in Wiesbaven S fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großher;ogthninS unè> KurfurüenthnmS Hessen, der ^'andgrafsthast Hesseii-Hvmburg und der freien Stadt Frankfurt 3 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen VerwaltungSgevicteS S fl. -LV fr. ^>»lera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden ui rer Schellenberg scheu ^>os- Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
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Uebersicht.
Zur italienischen Frage.
Deutschland. Wiesbaden (Eilirücken der Weilburger Truppen. Landtag). — Hadamar (Die Zehntfrage). — Vom hohen Westerwald (Der Abg. Hehner). — Vom Rhei n (Die Engländer und die deutsche Einheit). — Frankfurt (Reichstagssttzung). — Stuttgart (Der König). — Eisenach (Allgemeine deutsche Lehrerversammlung). — Kalen- berg (Reaktionäre Adresse). — Berlin (Die Verlegenheiten des Finanzministeriums Hansemann. Ankunft des Königs und des Prinzen von Preußen). — Wien (Aufregung. Schutz- und Trntzbündniß Ungarns mit Deutschland). — Innsbruck (Offizielle Nachricht über die Rückkehr des Kaisers).
Niederlande. Amsterdam (Die Auffassung der limburgischen Frage in Holland).
Italien. (Ablehnung eines Waffenstillstandes von Seite» Radetzkys).
Ungarn. Pesth (Kammervcrhandlung über das Bündniß mit Deutschland).
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**♦ Zur italienischen Frage.
Der Kampf in Oberitalien hat eine sehr unerwartete Wendung genommen und drängt zu einer nahen Entscheidung über das künftige Schicksal der ganzen Halbinsel.
Daß Italien nicht unabhängig seyn kann, wenn es dies auch nominell ist, daß in dem Volke die Kraft nicht wohnt, wie sie die pomphaften Berichte der einheimischen und Schweizer Zeitungen geschildert haben, davon waren wir zu Anfang der dortigen Bewegung schon überzeugt.
Sonst hätte wahrlich der Thron der Bourbons in Neapel Acht fest bleiben können, und doch hat ihn nicht einmal die italienische Freiheitsbegeisterung zum Sturze gebracht.
Es gebricht demnach der Nation an innerer Kraft, weil sie bis in die untersten Klassen hinab degenerirt ist und weil die Parteiführer ihr persönliches Interesse weit mehr, als das der Nation verfolgen.
Ein recht abschreckendes Beispiel hiervon ist gerade König Karl Albert selbst, der die Schattenseiten der italienischen Natur in sich vereinigt — hinterlistig, feige und grausam.
Als in den 20er Jahren die Revolution in ganz Italien but$ die Oesterreicher blutig unterdrückt wurde, kannte kein Fürst raffinirtere Qualen für die Verblendeten, die ihm in die Hände fielen, schien sich kein Fürst inniger an Oesterreich aniuschließen, als eben Karl Albert!
Als er merkte, wie bald die Reformpläne Pius IX. seine Hnrschaft unterwühlen müßten, gab es keinen eifrigeren Ver- ter der italienischen Freiheit und Nationalität, als eben acarl Albert, und weil für das Haus Savoyen die Erwerbung Oberitalien in Aussicht stand, brach Niemand auf schnödere Weise seine Verträge mit Oesterreich, als er.
L das bethörte Volk wußte so wenig seine Absichten zu Durchschauen, daß es den edelsten und aufrichtigsten seiner Für- Großherzog von Toskana, der sich unter allen Ver- 1 ^l"ch würdig und freisinnig gezeigt, auf jede Art I Himmel erhob $eruntcvä09' während es den Betrüger in den I'an ersuch âs M traf das gleiche Schicksal, wie den Tos-
Die Verrätherei Karl Alberts hat sich bitter gerächt. Das „Schwert Italiens" ist total geschlagen und flüchtig und muß Frankreichs Hülfe nachsuchen, wodurch sein Plan eines großen oberitalienischen Reiches unter dem Hause. Savoyen wohl für immer vernichtet ist.
Frankreich will einschreiten, vereint mit England, um Italien der Suprematie Oesterreichs, oder was dasselbe ist, Deutschlands zu entziehen und dann bas Protektorat über das „unabhängige Italien" brüderlich mit England zu theilen.
Der französische Einfluß würde in Oberitalien, der englische in Unteritalien herrschen, wie er jetzt in Griechenland und im Orient herrscht und eine so schlimme Despotie ausübt, als nur je Metternich gethan.
Der gute Michel wird höflichst oder vielmehr recht grob in den französischen Noten ersucht, nachdem er mit seinem Blute die alten Reichslande wieder erobert, mit langem Gesichte abzuziehen. Das wird er aber nicht thun , wenn er sich auch seither durch die Phrasen der Brüderlichkeit u. f. w., wie sie unsern ehrenwerthen französischen Nachbarn stets zur Hand sind, täuschen ließ. Nein, er wird und muß Gut und Blut daran setzen, diese schönen Provinzen, die zudem für den deutschen Handel von der größten Wichtigkeit sind, die ihm den Einfluß auf dem Mittelmeere sichern, wie es ihm gebührt, die ihm eine ausgezeichnete Vertheidigungslinie für seine tüchtigsten südlichen Stämme sichern zu behalten.
Auf einen Kampf mit Frankreich darf er es schon an? kommen lassen, es würde später oder früher doch nothwendig werden. Das Gelüste nach der „natürlichen Rheingränze" saugt der brüderliche Franzose schon mit der Muttermilch ein, cs ist ein nationaler Wunsch, welcher der Regierung, die ihn befriedigt, eine unbegränzte Popularität sichert, denn die „gloire“ geht dem Franzosen über alles. Wir hoffen, daß Oesterreich im Interesse Deutschlands so viel als möglich vom lombarvisch-venetianischen Königreiche behalten werde, daß es sich keinen schimpflichen Bedingungen aus Furcht vor Frankreich füge, es wird die Sympathien von ganz Deutschland für sich haben.
Deutschland muß sich den Beruf aneignen, in den italienischen Provinzen seine Kultur auszubreiten, der Demoralisation abzuhelfen, Frankreich und England wird dort nur Ein Interesse haben, nämlich — seiner Lust zum Tyrannisiren und Aussaugen zu fröhnen.
Hieran fügen wir noch die nachfolgenden Zeilen aus der Deutschen Zeitung, welche sich über den Rechtspunkt in der italienischen Jnterventionsfrage aussprechen:
„Die Sprache der italienischen Zeitungen gegenüber den Ereignissen ist eine lächerlich maßlose, Wuth, Schmerz, Verachtung über die Sieger, über Karl Albert, über die eigenen Landsleute, die bereiis als Ratten das untersuchende lombardische Schiff verlassen, macht sich in ihnen ohne Wirkung Luft, nachdem der prahlerische Stolz den „deutschen Hieben" hat weichen müssen. Die Schulv in eigener Brust zu suchen, fällt ihnen dabei in keiner Weise ein. Daß der Aufschwung Italiens weit mehr ein gemachter, als ein natürlicher war, baß er hauptsächlich nur in der Intrigue des sarbinischen Königs seine Stützen fand, daß Deutschland ein eigenmächtiges LoSreißen Vieser Lânver nicht zugeben konnte, ohne ein Wort mitzusprechen, das zn beb enteil und einzusehen geht über die Grenzen ihrer