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wünschten, an den Orten, wo der König mit den deutschen Farben geschmückt in den Märztagen sprach, auch heute Reden gehalten werden. Der Zug wird sich in ziemlich direkter Linie von dem Versammlungsorte (dem Opernplatze) nach dem Kreuzberge bewegen. Am Opernplatze werden Student Voß­winkel und Bruno Bauer Reden halten. Eine Gegendemon­stration, wie sie der Preußenverein und derTeltower Bauern­verein" projektirt hatten, scheint zu unterbleiben.

Heute Morgen machten etwa 5000 Mann Bürgerwehr, Studenten, Handwerker rc. am Kreuzberge Parade zu Ehren des einigen Deutschlands. Major Moldenhawer, als ältester der anwesenden Bürgerwehroffiziere, nahm dieselbe ab. Es wurde die Verfügung des Reichskriegsministers an die Trup­pen verlesen, nach welcher die Huldigung verlangt worden ist. Rach Vorlesung dieses Reskriptes brachten die anwesenden Vürqerwehrkorps dem Reichsverweser ein dreimaliges Hurrah, defilirten vor dem Major Moldenhawer vorbei und marschirten der Stadt zu. Vor dem Halleschen Thore machte man Front, und aus tausend Kehlen tönte Arndt'ö Lied:Was ist des Deutschen Vaterland.' rc." Die Truppen dürfen heute, um jeden Anstoß zu vermeiden, nicht aus den Kasernen; sogar die Freiwilligen dürfen nicht in Zivilkleidung ausgehen.

Interessant ist das Gebahren der ultrakonservativen Partei diesem Enthusiasmus für deutsche Einheit gegenüber. So glaubt die Neue Preußische Zeitung das Ministerium daran erinnern zu müssen, daß es durch zu willfähriges Verhalten in den Einheitsbestrebungen sich des Landesverraths schuldig mache!Die ministerielle Verantwortlichkeit, wenn auch noch durch kein Gesetz geregelt und bis zur Erlangung einer regelmäßigen Volksrepräsentation schwer zu realisiren, würde die Verfolgung des Landeöverraths dennoch zulassen, und das preußische Volk legt auf seine Ehre und Existenz einen zu hohen Werth, um diese durch eine Reihe verantwortlicher Ministerien vernichten zu lassen."

Berlin, 5. Aug. (W. Z.) Daß die echte epidemische asiatische Cholera hier ausgebrochen, unterliegt nunmehr kei­nem Zweifel. In der Charite waren bis gestern Morgen 2 Personen gestorben, deren Sektion alle Kennzeichen der Cholera darbot. Außerdem befanden daselbst sich gestern noch zwei andere daran Erkrankte, und in der Stadt 6 Fälle.

Posen, 5. August. (K. Z.) In Posen herrscht jetzt nicht nur der Typhus, sondern am letzten Donnerstag erkrankte auch eine Frau, nach dem amtlichen Zeugnisse des Regiments- Arztes Dr. Ordelin, unter allen Symptomen der asiatischen Cholera und wurde nach dem für solche Kranke bestimmten Lazarethe gebracht. Sie soll sich jedoch auf dem Wege der Besserung befinden.

Altona, 6. Aug. Gestern kamen hier hannover'sche Reserven an; sie brachten eine Anzahl vorzüglicher Trainpferde und einige zum Train gehörige Wagen mit. Auch reifte heute ein nassauischer Offizier hier durch nach Rends­burg, um für die am 12., 13. und 14. ankommenden Nassauer Truppen Quartier zu besorgen, und zugleich kam der am vorigen Sonntage von Oldenburg abgegangene Rest der ol­denburgischen Truppen (Infanterie und Artillerie) mit vier Stück leichten Geschützes, Munitionswagen, Feldhospital, Kran­kenwagen u. s. w. auf dem Durchzuge nach Norden hier an.

Leipzig, im Aug. Die Universität zählte im Juni d. J. 894 Stubirende, nämlich 628 Inländer und 266 Ausländer; nur 12 weniger, als im November vorigen Jahres. Die Zahl der Ausländer hat sich um 22 vermindert, die der Inländer um 10 vermehrt.

Wien, 5. August. Ein zur Feier der letzten Siege unse­rer tapfern Armee in Italien für heute angesagtes Dankfest und Tedeum der hiesigen Garnison, zu welchem auch die Kör­perschaften der Nationalgarde, des Reichstags, des Sicherheils­und GemeindeausschuffeS geladen waren, ist wieder abgesagt worden.

Ob das für morgen anberaumt gewesene Fest zur Auf- steckung der deutschen Kokarde fürs Militär abgehalten wird, ist zweifelhaft, da die Kokardenfrage bei der in der öster­reichischen Armee vorhandenen Verschiedenheit der Nationalitä­ten einzelner Regimenter (Ungarn, Kroaten, Italiener, Polen) sehr überlegt werden muß.

Wien, 6. August. Das Kriegsministerium hat am 5. Au­gust, Abends um halb 6 Uhr, folgende telegraphische Depesche enthalten:Ein Kurier aus Italien bringt die Nachricht, daß der Feldmarschall Radetzky in 3 Kolonnen über die Adda ge­gangen ist, und Karl Albert sich nach Pavia zurück­gezogen habe."

Wien, 5. August. (O.^P,-Ä.-Z.) Von einem Postbeamten hören wir, daß seit 3 Wochen schon kein Silbergeld mehr an die Armee in Italien abgehe; der Krieg ernähre bereits den Krieg. All' das Silber, was in den Kirchen des Vene­zianischen in Beschlag genommen ward, wandert vorerst in die Münze von Verona, um dann in die Taschen der Armee zu wandern.

Die Allg. Ztg. erhält aus Innsbruck, 6. August, nachste- stehendes Kriegsbulletin aus dem Hauptquartier Lodi vom 3. August, Abends 6 Uhr:Noch gestern um Mitternacht er­hielt ich die Nachricht vom ersten und zweiten Korps, daß sie sich nach den statlgehabten Avantgarden - Gefechten der Stadt Lodi bis auf eine halbe Stunde genähert hatten; nur die dunkle Nacht hinderte sie bis an die Wälle zu kommen. Der Feind verließ während der Nacht die Stadt, welche mir hier­auf durch eine Deputation ihre Unterwerfung sandte, worauf ich heute gegen 10 Uhr Morgens von Lodi Besitz nahm. Das erste und zweite Korps sandte ich auf halbem Wege von hier nach Malegnano vorwärts an den Lambro, wo sie heute bei Tavazzano ' und Lodivecchio lagern. Das Reservekorps und mein Hauptquartier befinden sich dagegen in Lodi. Das vierte Korps beorderte sich mit Zurücklassung der Brigade Benedek gegenüber von Piacenza nach Pavia zu marschiren, wo es morgen, 4. August, eintrifft, weil die noch übrige größere Macht des Königs Karl Albert, die Richtung von Lodi ver­lassend, sich plötzlich nach Pavia gewendet hat. Das Korps wird nach Möglichkeit den König verfolgen, Pavia besetzen, und die Grenze des Gravelone schützen. Wenn Umstände, welche ich nicht voraussehen kann, mich nicht zu einer andern Bewe­gung zwingen, so gedenke ich morgen 4. d. vor Mailand zu rücken, in Sto. Donato mein Hauptquartier zu nehmen, und meine Vorposten bis auf ein paar tausend Schritte vor Mai­land zu poussiren. Radetzky, m. p.

S ch w e i z.

Bern, 4. Aug. Aus Mailand langte heute von dem eidgenössischen Konsul ein Schreiben, datirt 2. August, an, welches die interessante Nachricht enthält, daß die provisorische Regierung die offizielle Mittheilung erhalten habe, Lord Aber­cromby, der großbritannische Gesandte in Turin, habe sich nach dem Kriegsschauplatz begeben, um zwischen den krieg­führenden Parteien einen Waffenstillstand zu Unterhandlungen herbeizu füh ren. Sollte der öster­reichische Feldherr nicht eintreten , so hat der englische Gesandte die Instruktion zu erklären, daß England vereint mit Frank­reich für die Unabhängigkeit Italiens mterveniren werde.

(Bern. Verffr.)

Frankreich.

Paris, 7. August.

Der Moniteur bringt diesen Morgen folgendes Dekret; Französische Republik. Freiheit, Gleichheit, Brüderschaft. Der mit Ausübung der Staatsgewalt beauftragte Konseil­präsident beschließt:

Art. I. ^Die mittels Beschlusses vom 27. Juni 1848 aus­gesprochene Suspension der Journale: la Revolution, la vraie Republique, l'Organisation du Travail, la Presse, l'Affem- blee nationale, le Napoleon republicain, le Journal de la Canaille, le Pere Duchèsne, le Pilon, la Liberte und la Lampion hört von heute an gerechnet auf.

Art. II. Die Siegel, welche Kraft obigen Beschlusses auf die Pressen dieser Journale gelegt wurden, sind durch die­selben Beamten zu lösen, welche sie anlegten.

Das Druckverbot, sowie alle von den Druckern rücksicht­lich des Verbots jener Journale unterzeichneten Verpflichtungen sind als gar nicht geschehen zu betrachten.

Art. 1H. Dem Polizeipräfekten ist die Ausführung dieses Beschlusses übertragen.

Paris, 6. Ang. 1848. (gez.) E. Cavaignac."

Karr'sJournal" will wissen: Senard beabsichtige, das Ministerium des Innern zu verlassen und es dem bekannten Untersuchungsrichter Landrin zu übertragen. Er selbst habe sich zum ersten Präsidenten des Pariser Obergerichts an Srg- nier's Stelle erkoren.

Hr. Goudchaur läßt heute im National seinen neuesten finanziellen Luftballon steigen. Hr. Thiers wird nun seinen heißen Wunsch, in Frankreich keine Kapital-, sondern eine Einkom mensteuer eingesührt zu wissen, bald erfüllt sehen.

Die heutige Nationalversammlung hat das neue Preß­gesetz zu diskutiren, dessen Entwurf uusere Leser bereits kennen.

Die ganze Woche verspricht sehr lebhaft zu werden.