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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^M 128. Freitag den 11. August 1848.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem beUetriiiischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige PränumerationSpreiS ist in WieSbaven 8 fl., für d-n Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherjagthums unv KurfurstenthumS Hessen, der Lanvgrasschast Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes S fl. 40 fr. Inserate werden sie dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Interventionsfrage.

Deutschland. Wiesbaden (Adresse aus Dillenburg. Das Preußenthum).

Franks» rt (Die schleswig-Holsteinische Frage. Das Reichsministerium.

Der Handelsstand von der Ostsee an den Reichstag). Hannover

(Der 6. August). Nord hausen (Unruhen). Berl in (Verein der Geologen. Fortdauernde Aufregung. Die Cholera). Posen (Die Cholera). Altona (Die hannover'schen Reserven. Ein nassauischer Quartiermacher). Wien (Das SiegeSfest. Die deutschen Kokarden.

Karl Albert soll sich nach Pavia zurückgezogen haben. Der italienische

Krieg). Innsbruck (Bülletin Radetzkp's).

Schweiz. Bern (Vermittelung des englischen Gesandten in der italieni­schen Frage).

Frankreich. Paris (Die Zeitungspresse. Vermischte«).

Großbritannien. London (Smith O'Brien verhaftet), Italien. Cicognolo (Die Fortschritte der Oesterreicher).

* Die Juterventionsfrage

Zur Zeit des PolizeistaateS hat man oft genug prophe­zeit, daß der politische Sinn in Deutschland nur dann ein ge­sünderer und praktischerer werden könne, wenn einmal eine entschiedene Rolle der äußeren Politik unserm Vaterlande zufallen würde. Dies hat sich zum großen Theile jetzt schon bewahrheitet. Unsere Stellung in Schleswig, unsere Siege in Italien, die Entschiedenheit, mit welcher die Posener und Limburger Frage im nationalen Sinne abgemacht wurde, die neuerdings günstigere Wendung der Verwickelungen in den Eüddonaulänvern haben die Entscheidung der europäischen Ge­schicke an die Thatsachen unserer äußeren Politik geknüpft. Und Angesichts dieser mächtigen Ereignisse, welche uns auf- zurütteln beginnen aus der faulen Gâhrung unseres System- und Prinzipienhaders, ist auch die öffentliche Meinung der Masse zu einer gesünderen, nationaleren Anschauung gekom­men. Denken wir an Italien. Galt es nicht vor einem Jahre noch für reaktionär, bei dem Streite über Ferrara für die deutsche Sache das Wort zu ergreifen? Wenn damals ein Ruge die Aeußerung gethan hätte, wie vor Kurzem im Par­lament, dann würden ihm neun Zehntheile Deutschlands Bei- sall zugejubelt haben. Und jetzt? Es ist nur noch eine kleine Partei, die sich von französischem Wind in dieser Sache eine^ Meinung eint» lasen läßt; der große Grundsatz, daß ein natio­nales Interesse alles« Parteien ohne Unterschied vereinigen soll, bricht sich Bahn. Dieser Grundsatz hat bisher die Politik Frankreichs und Englands mächtig werden seine Ver­leugnung die deutsche ohnmächtig. Das MWR^ugniß eines Polkes für seine Mündigkeit liegt darin, VaHIMesen Grund­satz anerkennt.

Aber wenn wir nun diesen idealen Gewinn abziehen, ist bann die gegenwärtige Weltlage Deutschlands eine günstige isi nennen? Gewiß! Fürchtet Ihr Euch etwa vor der fran- josischen Intervention in Italien? Frankreich will interveniren, aber es würde ganz anders lärmen, wenn es ihm ein rech­ter Ernst darum wäre. Seine Finanzen sind von Grund aus rulnlrt, seine innere Ruhe ist keine Minute gesichert. Frank- >eich ist nicht umsonst seit einiger Zeit so mißgestimmt über den deutschen Reichstag. Es weiß wohl, daß es jetzt Ange­

sichts des Reichstages nicht blos Oesterreich, sondern Deutsch­land in Italien angreifen würde. Und wenn auch Deutsch­land dermalen eben so gut in der Patsche steckt, wie andere Länder, so stehen wir doch schlagfertiger und besser befähigt da, einen Krieg aufzuneymen, als irgend ein Staat des Kon­tinentes, selbst Rußland nicht ausgenommen.

Weit bedrohlicher, als von Seiten Frankreichs erscheint uns eine Intervention von englischer Seite. England pflegt mit weniger Geschrei zu handeln, aber handelt. Die Ge­schichte weist nach, daß dort nicht so voreilig in die Kriegs- trompete gestoßen wird, als in Paris, und aber daß Eng­land mitten im Frieden Städte bombardirt, Häfen blokirt hat. Dagegen ist eine Abneigung gegen größere Kriegsverwicklun­gen bei England zur Zeit ebensogut begründet, als bei Frank­reich. Mair braucht nur einen Blick auf die englischen Han­delsberichte zu werfen. Das Bedrohliche der Handels- und Gelbklemme und der Massenverarmung, welches uns auf der einen Seite einen furchtbaren und allgemeinen Krieg befürch­ten läßt, hält den)elben anderseits auch wieder nieder. Die unnatürliche Spannung aller europäischen Staatenverhältnisse wäre längst zuin Platzen gekommen, wenn nicht jenes Gespenst im Hintergründe stände. So muß Gift Gift vertreiben.

Und |o wägt sich auch die Lage der Dinge nach beiden Rich.uugen ab. Aber England und Frankreich sind nichtsdesto­weniger moralisch gezwungen, der wachsenden äußeren Macht Deutschlands emgegenzutreten. Dieser Zwiespalt deS Wollens, ja des Müssens und Richtkönnens zeigt sich ganz klar in den Maßregeln, welche Frankreich neuerdings in Betracht des italienischen Krieges ergriffen. Eine große Waffenmacht ist an den Alpen zufammengezoaen. Wird sie oiejetben überschreiten? So lange man in Paris eine so schwankende Sprache führt, wie bisher, gewiß nicht. Aber es gwl noch ein anderes Ding, als die offene Intervention Oie Vermittelung, und es gibt wiederum allerleiArten von Vermittelung, ja es gibt sehr impertinente Vermittelungen, von der Art etwa, wie sie Napoleon vollzogen hat, und nach solchen impertinenten Vennimlungen hat England wie Frankreich vielleicht auch Rußland jetzt ein absonderliches Gelüsten. Wir brauchen uns nicht zu fürchten vor einem un­heilvollen Krieg mit allen europäischen Großmächten, den wir uns etwa in Schleswig auf den Hals laven könnten, wohl aber vor einem unheilvollen Frieden. Eilt Friede steht dort in Aussicht (und un|t-re Nassau.sehen Truppen werden schwerlich mehr eine andere Rolle, als die eines Observalionskorps dort spielen können), aber dieVermittler" stehen neben den paklirenden Theilen. Hüten wir uns vor ihnen! Nehmen wir uns in Acht bei den Friedensschlüssen, selbst wenn sie in Mai- ianv oder Turin vor sich gehen sollten! Deutschland ist auf den Schlachtfeldern selten zu kurz gekommen; bei den Friedensschlüssen saft immer!

Deutschland.

§ Wiesbaden, den 9. August. Heute ist bei unserer Stänveveriammiung folgende interessante Adresse aus Dillen­burg emgegangen:

Mn der innigsten Freude haben alle Wohlgesinnten der hiesigen Stadt und Umgegenv die von unserer Staatsregie­rung zur Unterdrückung der zu Wiesbaden vorgekommenen betlagenswerlhen Unordnungen und zur Aufrechlyaltung der