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gegen kraft Reichstagsbeschlusses unverwehrt. Vielleicht haben die Herren in Dessau nur einen Spaß machen und in ihrem Kam« merbeschluß ein Sinnbild ^anhaltisch-deutscher Einheit hinstellen wollen.

Nürnberg, 4. August. Der hiesige konstitutionelle Verein hat in seiner Sitzung vom 2. d. sein Augenmerk auf die in Preußen hervortretenden Sonder- Bestrebungen gerichtet und nach längeren Verhandlungen seinen Ausschuß beauftragt, in seinem (des Vereins) Namen eine desfallsige Adresse an die preußische konstituirende Versammlung zu richten. Die Adresse ist vom Ausschüsse unter Zugrundelegung der ihm vom Vereine für dieselbe vorgezeichneten Prinzipien abgefaßt und bereits heute an den Ort ihrer Bestimmung befördert worden. (K. Z.).

Berlin, 5. August. (D. A. Z.) Die Szenen der letzten Abende wiederholten sich auch gestern. Sie wurden jedoch interessant durch die Betheiligung einiger Mitglieder der Natio­nalversammlung, namentlich auch des frühern StaatsministerS Rodbertus. Die Herren befanden sich in dem Konditoreilokale von Krantzler, an der Ecke der Friedrichsstraße und der Linden, als die Konstabler mit der dieser jungen Schöpfung eignen Brutalität mehre Verhaftungen völlig unschuldiger Personen vorzunehmen im Begriff standen. Hr. v. Berg und Hr. Rod­bertus hatten Gelegenheit, sich durch den Augenschein von dem ganz gesetzwidrigen Verfahren dieser Bürgerpolizei zu über­zeugen, und benutzten diese Veranlassung, Einspruch zu thun. Grund genug, daß die Wächter der Freiheit auch sie zu ver­haften beschlossen und nur dem Umstande, daß Hr. Rodbertus durch Vorzeigung seiner Karte sich zu legitimsten vermochte, konnte sie von dem Geleit nach der Wache und von der Ueber- nachtung auf der Studtvoigtci in der Umgebung einiger Hun­dert Diebe, Trunkenbolde und Vagabunden befreien. Die Sache ist heute Hauptgegenstand des Stadtgesprächs und hat sogar mehre Konstabler zur Veröffentlichung einer Erklärung veranlaßt, in der sie sich etwas darauf zu gute thun, daß sie aus der Bürgerschaft hervorgegangen sind. Auch die Bürger­wehr schritt gegen die Zusammenrottungen, die sich wiederhol­ten, und die, wie unverfänglich sie auch find, nun einmal von der Polizei nicht geduldet werden sollen, ein. Um Mitternacht war der Krawall beendet.

Den Vordergrund in der Theilnahme des Publikums neh­men aber die furchtbaren Ereignisse in Schweidnitz ein. Die Klubbs sind warhaft enragirt. Man müht sich ab, Mittel zu finden, und hat natürlich keine andern Wege als die aus­getretenen der Proteste und der Proklamationen. Auf Ein­ladung des Volksklubbs erschienen in dessen Mitte gestern Abend einige Mitglieder der Nationalversammlung, um diese Ange­legenheit gemeinsam zu berathen. Professor Benary hatte die t Sache zur Sprache gebracht und Alles schrie über Verrath und .Meuchelmord. Die Abg. Berends, Dr. Schramm und Krack- rügge wiesen nach, daß man auf Interpellationen der Minister keine Hoffnung richten dürfe. Sie ermahnten zur Ruhe, zum Abwarten. Hr. Krackrügge erzählte, wie gewöhnlich, die Ge­schichte seiner Leiden, und die Versammlung brachte ihm, dem Zuchthäusler", ein donnerndes Lebehoch. Man beabsichtigt, die Interpellationen wegen der Vorgänge in Schweidnitz und Charlottenburg am 8. Aug. vor der Tagesordnung anzubrin­gen. Gleichzeitig befindet sich auf der Tagesordnung der An­trag von Rodbertus, Schultze und v. Berg:Das Staats­ministerium um sofortige nachträgliche Vorlegung eines Gesetzes über die Schutzmannschaften zu ersuchen."

Zu morgen steht die große Huldigungsfeier bevor. Die Klubbs haben sich zu einem Zuge vereinigt, die politischen Korporationen, Stadtbehörden, Nationalversammlung rc. sind eingeladen und es läßt sich jedenfalls etwas Großartiges er­darten. Von der großen Treppe des neuen Museums herab soll die erste Rede gehalten werden; sechs bis acht Redner, ^vn den Klubbs zu erwählen, sollen auf dem Kreuzberge Mechen. Für den Volksklubb ist Professor F. Benary ge- I wählt.

Die Soldaten, welche ihre deutsche Kokarde abgerissen faben und nur die preußische trugen, müssen auf höheren Be- M erstere auf eigene Kosten wieder anschaffen.

Berlin, 6. Aug. (K. Z.) Der heutige Tag ist durchaus W offizielle Feier vorüberaegangen; nicht so aber beim <!olke: in diesem ist die Revolution für immer mit dem Ge­danken an die deutsche Einheit verbunden. Wir haben schon ^richtet, daß der von der Studentenschaft angeregte Gedanke "ues großen Festzuges nach dem Denkmale deS Kreuzberges aufgenommen wurde, seine Ausführung aber durch ne Beschlüsse des Festkomite'S zu scheitern Gefahr lief. Die stürmenden gaben sich nichts desto weniger alle Mühe, die f

gaminartige Auffassung der Demokraten par excellcnce zu be­kämpfen, und da ihnen dies gestern Abend noch nicht gelungen war, so sagten sie sich von der Theilnahme am Zuge los und hatten bereits einen Maueranschlag vorbereitet, der ihre Gründe dem Volke auseinandersetzte. Heute Morgen gelang indessen eine Einigung; von beiden Seiten wurde nachgegeben, indem der Zug zwar im Wesentlichen den Weg, welchen der König bei jenem Umritte am 20. März genommen, nehmen, aber nur an dem Ausgangspunkte gesprochen werden sollte. So kam der Festzug zu Stande, der sich in unabsehbarer Länge durch die Stadt, unter fortwährendem Absingen von Va- terlandsliedern, bewegte, überall von der herbeigeströmten Volksmenge und aus den Fenstern der Häuser mit Jubel, Tücher immensen und fortwährendem Hochrufen auf das deutsche Vaterland begrüßt. Man schätzt die Zahl der Theilnehmen- den auf mindestens 10,000, alle Klubbs, Gewerbe, Korporati­onen waren vertreten, auch die Bürgerwehr hatte ihre Depu­tationen geschickt.

Stettin, 1. August. Heute haben die Maurergesellen, die Hauszimmerleute und die Kahnbauer nach einer Versamm­lung in Alt-Torney, die fast 2500 Theilnehmer zählte, die Arbeit definitiv eingestellt, und die bei dem Festungsbau be­schäftigten Arbeiter, etwa 500 an der Zahl, haben sich ihnen angeschlossen. Die Bewegung ging lediglich von den Arbeitern selbst aus. Sie verlangen von den Meistern, statt der vier­zehnstündigen, mit 1772 ögr. bezahlten Arbeitszeit, die Arbeits­zeit von 6 bis 6 Uhr und 20 Sgr. als Arbeitslohn. In der Versammlung machten die Leute geltend, daß sie die ihnen ge, wordenen zwei Stunden benutzen wollten, um ihre Kinder kennen zu lernen. Wenn der Geselle von 5 bis 7 Uhr arbei­ten müsse, so müsse er sich, falls er nicht in der Nähe deS Arbeitsplatzes wohne, schon um 4 Uhr erheben, und komme erst nach 8 Uhr nach Hause. Auch wären sie bereit, einen Theil der gewonnenen Zeit, die kühlen Morgenstunden, zur Uebung in den Waffen zu verwenden. Die Besprechungen wurden mit großer Mäßigung und Ruhe geführt. Dem Magistrate, der sich weigerte, ihre Sache gegen die Meister zu unterstützen, haben die bei der Feuerkommission Betheiligten ihre Feuerzeichen zurückgeschickt. (Köln. Z.)

Wien, 3. Aug. Aus guter Quelle kann ich Ihnen be­richten, daß in Betreff der ungarisch-kroatischen Differenzen vorläufig festgesetzt wurde: von jedem weiteren feind- lichen Angriffe abzustehen, und sowohl die kroatischen Regimenter als die ungarischen Truppen von der Gränze zu­rückzuziehen, um sie vielmehr zur Verfügung für das ita­lienische Heer bereit zu halten. Der Felbmarschall Radetzky soll ehestens eine abermalige Verstärkung von 15,000 Mann erhalten. Der Verlust unserer Armee an Todten und Ver­wundeten in den letzten Schlachten wird auf 3000 Mann an­gegeben. (A.-Z.)

Innsbruck, 5. Aug. (A.-Z.) Folgendes ist die wörtliche Antwort, die der Kaiser unserer Deputation gab:Ich freue mich die HH. Abgeordneten des konstituirenden Reichstags bei mir zu empfangen. Stets nur das Beste meiner Staaten wollend, werde ich unter den dargestellten Verhältnissen dem Wunsche Ihrer Kommittenten gerne entsprechen und mich in Ihre Mitte begeben. Trotz meiner noch ni$t befestigten Ge­sundheit gedenke ich meine Rückreise nach Wien nach Wien zu meinen getreuen Oesterreichern in durch mein gegenwär, tiges Befinden bedingten kleineren Tagreisen am 8. d. M. an­zutreten. Den Ausdruck der loyalen Gesinnungen nehme ich mit Wohlgefallen auf."

Innsbruck, 5. Aug. Nach einem uns eben zugekomme­nen Bericht des Feldmarschalls Radetzky an das hohe Kriegs­ministerium aus dem Hauptquartier Turano vom 2. August ist ein Theil der piemontesischen Truppen bei Piacenza über den Po gegangen, ein anderer 20,000 Mann stark hat sich gegen Lodi gezogen. Der Feldmarschall ist in Verfolgung des letztern begriffen. Zugleich detaschirte er zwei Kavalleriedivi, [tonen in der Richtung gegen Buffalora, welche Mailand von der Rückseite fassen sollen, während er selbst mit dem Gros der Armee von vorne gegen die Stadt anzurücken gedenkt. Am 4. hofft der Marschall Lodi anzugreifen. Karl Albert soll die Armee für seine Person am 3. verlassen und sich über den Ticino in seine Staaten zurückbegeben haben. (Tir. B.)

Schweiz.

Basel, 7. August. Die hiesige Zeitung meldet: Die Mai­länder Post ist heute wieder ausgeblieben. Dagegen meldet ein Brief vom 5. August von Como: Karl Albert habe sein Hauptquartier gerade vor den Thoren von Mailand, das Gros