DK Auftegung in unserer Stadt ist natürlich sehr groß. Insbesondere da die unzweideutigsten Anzeigen vorhanden sind, daß die aus der Volksversammlung wegen ihrer Ruhestörung' Entfernten, besonders der erwähnte Domänenpächter jenen scheußlichen lieb erfall, Wegelagerci und Straßenraub durch Aufreizung ihrer Amtsangehörigen und Untergebenen veranlaßt haben. Bei den so großartig und offen betriebenen Maßregeln muß es sicher gelingen, die Anstifter zu ermitteln.
Irische Zustände. (Schluß.)
Anders liegt die Sache in den binnenländischen Grafschaften der Provinz Leinster. Dort wohnt ein entschlossenes angelsächsisches, aber großentheils katholisches und von Haß gegen die Engländer erfülltes Geschlecht, welches freilich nicht die wilde, phantastische Reizbarkeit der Kelten theilt, aber jeden Augenblick aufstehen würde, sobald sich dem berechnenden Verstände nur einige Aussicht auf Erfolg zeigte. Für den Augenblick scheint diese Gegend nicht bedroht, wenn aber einmal fiegreich, würde der Aufstand sich gewiß sehr rasch über die Graffchaften Louth, Meath, Westmeath und selbst Diblin und Wicklow verbreiten. Inzwischen darf man wohl annehmen, daß die Rebellion sich vorläufig auf 6 bis 7 Grafschaften beschränken wird, nämlich Cork, Limerick, Waterford, Tipperary, Kilkenny und Kings'County, und selbst dort scheinen die Aussichten auf Erfolg, nach allem was wir hören, sehr prekär.
In den beiden bedrohten Provinzen stehen fast 30,000 Mann eines kriegsgewohnten und trefflich bewaffneten Heeres und 5000 Konstabler, während die Aufständischen an streitbaren Männern kaum die Hälfte ins Feld stellen können, denen es nichr allein an tüchtigen Führern, Zucht und gegenseitigem Vertrauen, sondern auch an Munition, Lebensmitteln und wirksamen Waffen fehlen wird.
Die Pike, die „Königin der Waffen", wie Herr Mitchel sie nannte, wird in offenem Felde gegen das Bayonett geübter Regimenter, gegen die Säbel der Kavallerie und das grobe Geschütz wenig ausrichten, und die Küstenstädte Cork, Waterford, Limerick u. s. w. sind den kanonenstarrenden Breitseiten der englischen Kriegschiffe preisgegeben, gegen welche Barrikaden nicht schützen können. Es ist daher wahrscheinlich, daß der Aufstand sich in einen Guerillakrieg auflösen wird, welcher freilieb viel Blut und Geld kosten, aber unmöglich lange währen kann. Sehr bald wird es in dem abgemâhten Lande den Rebellen an Nahrungsmitteln fehlen, und es ist nicht daran zu denken, daß sie sich den Winter über in den Gebirgen halten können. Dies muß man wenigstens im Interesse der Menschlichkeit hoffen; denn sollte es der bewaffneten Macht nicht gelingen, den Aufstand rasch zu ersticken, so würde die Regierung sich zu einer Maßregel verstehen müssen, deren
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Verabsäumung ihr schon jetzt von den eifrigsten Toryblättern sehr zum Vorwurfe gemacht wird. Sie würde den protestantischen Landsturm, die „Orangemänner" des Nordens, die furchtbare Gentry und Deomanry aufbieten, von deren blutigen Thaten noch jetzt die Enkel der alten Rebellen von 1798 mit Ingrimm und Schauder erzählen. Die Integrität des Reichs würde alle anderen Rücksichten in den Hintergrund drängen, und aus der Rebellion würde ein entsetzlicher Religionskrieg hervorgehen. Die Ausgabe der englischen Regierung ist es in diesem Augenblicke die Insurgenten zu zermalmen, um dem Lande das furchtbarste Unglück zu ersparen.
Miszellen.
— Als sich jüngst zu Wien eine Volksmenge vor dem PalaiS des durch seine Originalität bekannten Grasen Sandor versammelte, um eine Katzenmusik zu bringen, trat er an das Fenster und fragte: „Meine Herren! Wem wollen Sie die Katzenmusik bringen? Mir oder nieiner Frau?" (Einer Tochter Metternich's.) — „Ihrer Frau!" war die Antwort. — „Gut, meine Herren: da komm' ich selbst hinunter und helfe Ihnen." — Und alsbald erschien der Graf unten mit einem ungeheuren Trichter, auf dem er furchtbar blies. Nachdem der Höllenlärm eine halbe Stunde gedauert und sich das Volk befriedigt entfernen wollte, rief der Graf: „Halt, meine Herren! Sie haben vergessen, die Fenster einzuwerfen. Das gehört noch dazu!" — Und der Graf war der Erste, welcher Steine in die Fenster seiner Gemahlin warf.
Man meldet aus Leipzig vom 22. Juli: Die drückenden Zeit-Verhältnisse, der stockende Verkehr, der Mangel an Verdienst und die alle Klasse« der Gesellschaft durchdringende Unlust, sich dem heiteren Genusse der Kunst! hinzugeben, haben unser städtisches Theater nun wirklich zu Grunde gerichtet Der beklagenswerthe Direktor dieser Kunstanstalt, Dr. Schmidt, der mit Aufopferung aller Kräfte und Mittel seit drei Jahren bemüht war, die Bühel in edlerem Sinne zu verwalten und sie wirklich zu einem Tempel der Kuns zu machen, steht sich außer Stand gesetzt, seine Verbindlichkeiten ferneren zu erfüllen. Auch das Herabsetzen der Gagen auf die Hälfte der Kontrakt- Summe konnte den drohenden Ruin nicht abwenden. Die Theilnahme M Publikums war in den letzten Monaten so gering, daß mit den täglich» Einnahmen nicht einmal die kleineren laufenden Ausgaben gedeckt werden konnten. Wie ich höre, soll nun vom 1. August an auf Theilung gespielt werden. Damit die Anstalt nicht ganz falle und der ehreuwerthe Direkter nicht für immer ruinirt werde, haben einige reiche Häuser die Garantie für die zu leistenden Zahlungen übernommen, und die Direktion gibt einstweile» Obligationen auf Grund dieser Garantie aus.
— Eine geistreiche englische Dame meinte jüngst, es sei gar kein Wunder, daß die junge Freiheit in Neapel so bald zu Grab betragen wurde. Eâ Had« sich an ihr ja nur das bekannte Sprüchwort wiederholt: See Naples and tben die! (Neapel sehen und dann sterben.)
Theater zu Wiesbaden.
Sonntag den 6. August. Nabucodonosor. Lyrische Tragödie in < Akten. Musik von Verdi.
der L. Schellenberg'schen Hof-Vuchhandlung in Wiesbaden.